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Wenn die Bayern ernst machen...

Xabi Alonso schloss einen schnellen, direkten Angriff zum 2:0 für die Bayern ab

Der FC Bayern München setzt mit dem 3:0-Sieg gegen RB Leipzig einen erfolgreichen Schlusspunkt hinter eine nicht immer souveräne Hinrunde. Den Großangriff des Emporkömmlings wehrte der Titelverteidiger in beeindruckender Weise ab - und will damit ein Signal an die Liga gesendet haben. Allerdings versuchen die Protagonisten auch, die Euphorie zu bremsen.

In der Zeit vor den Feiertagen ist Münchner Innenstadt eigentlich tabu. Verzweifelte Spätaufsteher suchen nach letzten Weihnachtsgeschenken und machen insbesondere den Bereich zwischen Marienplatz und Stachus zur Hölle.

Die Spieler des FC Bayern mussten sich nicht in diese Menschenmassen begeben, um sich, die Verantwortlichen und die Fans des FC Bayern zu beschenken. Stattdessen nutzten sie die Möglichkeit auf dem eigenen Rasen. "Wir sind jetzt alle bereit dafür, in freudvoller Erwartung unter dem Weihnachtsbaum zu sitzen", sagte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in der Mixed Zone nach dem jüngsten Sieg seiner Mannschaft mit einem breiten Grinsen im Gesicht und einem Glas Champagner in der Hand.

Im letzten Spiel des Jahres 2016 kam es drei Tage vor Heiligabend am Mittwoch zum Bundesliga-Knaller zwischen dem Ersten und dem Zweiten. Rekordmeister gegen Liganeuling. Bayern München gegen RB Leipzig, punktgleich, Konkurrenten im direkten Duell um die "Weihnachtsmeisterschaft".

Und die Erwartungen waren groß: Leipzig hatte in der Hinrunde mit erfrischendem Offensivfußball unter anderem Borussia Dortmund, den FC Schalke 04, Bayer Leverkusen und Hertha BSC geschlagen - keine Angst vor großen Namen also.

Tabellenführung unter dem Baum

Am Ende des Abends stand ein deutlicher 3:0-Sieg für die Münchner. Unter dem Weihnachtsbaum liegt neben Parfum, Socken und Fotoalben also auch die Tabellenführung. Darüber hinaus - und das ist für die Münchner vielleicht sogar noch wichtiger - die Erkenntnis, dass man der Liga einmal mehr gezeigt hat, wer der Branchenprimus ist.

"Ich glaube, wenn wir so gereizt werden, ist es schwierig, unsere Mannschaft zu stoppen. Und in den letzten Tagen ist sie ein bisschen gereizt worden und dann möchte sie natürlich die Qualität zeigen, die sie ohne Frage hat", analysierte Rummenigge hinterher.

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Tatsächlich traten die Münchner auf wie gereizte Raubtiere. In den ersten zehn Minuten sahen sie sich einer Leipziger Mannschaft gegenüber, die genau das spielte, was man von ihr erwartete. Zwar hatten die Bayern bis zu diesem Zeitpunkt über 60 Prozent Ballbesitz, jedoch noch keine Aktion mit Torgefahr, während die Gäste bereits zwei gute Gelegenheiten auf der Habenseite verbuchten.

Costa mit der Initialzündung

Die 13. Minute, als Douglas Costa sich auf seiner linken Offensivseite gegen zwei Gegenspieler durchtankte, scharf nach innen gab und Gulacsi das Leder erst im Nachfassen festhielt, war die Inititalzündung. Ab diesem Moment waren die Bayern von der Leine und dominierten die Leipziger mit lange nicht gesehenem, schnellen Direktspiel, zahlreichen Abschlüssen sowie schneller und aggressiver Balleroberung.

Die Folge? Schon nach 45 Minuten waren die Fronten geklärt. Bayern führte 3:0, Leipzig war zudem nach dem überharten Foul von Emil Forsberg an Philipp Lahm auch noch in Unterzahl.

Nach der Partie äußerte sich Leipzigs Erfolgstrainer Ralph Hasenhüttl beinahe ehrfürchtig über den Auftritt des Meisters: "Das wäre nicht nur uns so gegangen. Wenn die Bayern ernst machen, dann sieht das so aus wie in der ersten Hälfte."

Beste Halbzeit der Hinrunde

Mats Hummels bezeichnete den ersten Durchgang als beste Bayern-Halbzeit der Saison. Sowieso war er sehr zufrieden mit dem Auftritt: "Wir wussten, dass wir heute nur mit so einer Leistung bestehen können, haben dann aber auch wirklich alles auf den Platz gebracht, was wir uns vorgenommen haben: defensiv, offensiv. Es war wirklich ein verdammt gutes Spiel. Wir hatten super Ballgewinne im Mittelfeld. Ich glaube, allein Arturo vier, fünf, sechs, Stück in der ersten Halbzeit, wo es hätte gefährlich werden können. Das sind die kleinen Schlüssel, mit denen man dem Gegner den Glauben raubt." Raubtiere eben.

Zwar schalteten die Bayern nach der Halbzeit merklich einen Gang zurück. Die Dominanz jedoch blieb. Und hätte Robert Lewandowski in zwei Aktionen, als er frei zum Abschluss kam, den jeweils besser postierten Mitspieler bedient oder kaltschnäuziger verwandelt, wäre der Sieg wohl noch höher ausgefallen.

Auch das 3:0 kann sich allerdings sehen lassen. Zumal alle anderen Kennzahlen ebenfalls eine klare Sprache sprechen: 58 Prozent gewonnene Zweikämpfe, 75 Prozent Ballbesitz, 24:5 Torschüsse, davon 11:2 aufs Tor. Wer hätte gedacht, dass die in der Vorrunde oft trägen Bayern die Mannschaft der Hinrunde derart dominieren? Etwas überraschend kam die Art und Weise allemal.

4-2-3-1 als Schlüssel

Ein Schlüssel zum starken Auftritt war einmal mehr das 4-2-3-1-System der Bayern. Nach der Wiederbelebung des 4-3-3 im Darmstadt-Spiel und dem wenig überzeugenden Auftritt wechselte Carlo Ancelotti wieder auf das altbewährte Erfolgssystem der vergangenen Jahre. Und die Maßnahme griff.

Vidal und Xabi Alonso machten auf der Doppelsechs das Zentrum dicht. Eine Position weiter vorne konnte Thiago auf der Zehn all seine Stärken ausspielen. Mit 122 Ballaktionen, 63 Pässen in der gegnerischen Hälfte, 30 Zweikämpfen (von denen er 70 Prozent gewann), einem Assist und einem Tor war der Spanier der überragende Mann auf dem Platz.

Ebenfalls überzeugend war der Auftritt von Douglas Costa. Zwar steuerte er nicht wie noch am Sonntag in Darmstadt eines seiner Traumtore bei, doch seine Tempoläufe und scharfen Pässe nach innen stellten die Leipziger Hintermannschaft ein ums andere Mal vor große Probleme. Die Krönung durch einen Torerfolg verwehrte ihm kurz nach dem 1:0 der linke Außenpfosten.

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"Müssen uns ganz klar steigern"

Nach dem Erfolg zogen die Bayern ein positives Zwischenfazit. Allerdings schränkte Kapitän Philipp Lahm die Euphorie mit Blick auf die gesamte Hinrunde auch ein: "Das zeigt, dass wir gut gearbeitet haben, dass aber auch mehr drin war. In der Rückrunde müssen wir uns ganz klar steigern. Es waren zu viele Spiele dabei, in denen wir Punkte haben liegenlassen. Wir haben nicht immer gut Fußball gespielt. Das müssen wir angehen. Aber es ist wieder schön, zum Jahreswechsel ganz oben zu stehen."

Dieses Gefühl kennen die Bayern nur zu gut: Im sechsten Jahr in Folge geht der Rekordmeister als Spitzenreiter in die Winterpause.

Auch Arjen Robbens Auswechslung zur Halbzeit war an diesem Abend kein Grund für Sorgenfalten beim Rekordmeister: "Bei 0:0 hätte ich auch weitergemacht. Aber so musste man kein Risiko eingehen." Noch am Wochenende war der Niederländer wegen kleinerer Blessuren geschont worden.

Signal an die Bundesliga

Vor dem Trainingslager in Doha und der Vorbereitung auf die Rückrunde können die Bayern also halbwegs entspannt in den Weihnachtsurlaub gehen. Der Großangriff des Emporkömmlings aus Leipzig ist erst einmal abgewehrt, ein "Signal an die Bundesliga" (Rummenigge) ist gesendet.

Carlo Ancelotti zog vor allem eine Erkenntnis aus dem ersten richtig überzeugenden Erfolg in einem Topspiel: "Der Sieg gibt uns Selbstvertrauen. Wir mussten uns verbessern, und wir haben uns verbessert."

Einzig die Verletzung von Jerome Boateng, der am Dienstag am rechten Brustmuskel operiert wurde, könnte die Stimmung trüben. Deutschlands Fußballer des Jahres kann beim Start der Rückrunde nicht gegen den Ball treten.

Doch die Bayern wollten sich auch davon nicht die Vorfreude aufs Fest verderben lassen: "Das ist keine Langzeitverletzung, er ist in sechs Wochen wieder da", sagte Rummenigge.

Also mit Friede-Freude-Eierkuchen-Stimmung unter den Weihnachtsbaum? Jetzt möglich! Nicht auszudenken, wie lang die Gesichter gewesen wären, wenn man ausgerechnet drei Tage vor den Feierlichkeiten zu Hause gegen den direkten Konkurrenten die Tabellenführung verloren hätte. Ganz sicher wäre die Laune noch schlechter gewesen als die von manchem Fußgänger, der sich kurz vor Weihnachten durch die Münchner Innenstadt quälen muss.

Bayern - Leipzig: Daten zum Spiel

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