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Relegation: Kommentar über den Sinn des Modus und den Klassenerhalt des VfL Wolfsburg

Schafft die Relegation einfach wieder ab!

Dienstag, 30.05.2017 | 09:59 Uhr
Eintracht Braunschweig unterlag in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg
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Der VfL Wolfsburg hat sich mit zwei 1:0-Siegen in der Relegation 2017 gegen Eintracht Braunschweig durchgesetzt und die Klasse gehalten. Eine Überraschung ist das für niemanden - seit Wiedereinführung hat sich in neun Fällen sieben Mal der Bundesligist durchgesetzt. In Zeiten der immer weiter auseinanderdriftenden Schere zwischen Ober- und Unterhaus ist das Prinzip Relegation schlicht eine Farce. Ein Kommentar von SPOX-Redakteur Jochen Rabe.

Herzlichen Glückwunsch zum Klassenerhalt, VfL Wolfsburg. Wer beide Relegationsspiele gewinnt, setzt sich zu Recht durch - unter welchen Umständen auch immer. Ob man die Ergebnisse nun mit Schiedsrichter-Fehlentscheidungen und Glück interpretieren will oder aber mit der fehlenden Kaltschnäuzigkeit des Gegners vor dem Tor bei eigener Effizienz.

Es gibt keinen Wettbewerb, in dem es dermaßen egal ist, wie der Erfolg zustande kommt. Das hat der Hamburger SV gegen die SpVgg Greuther Fürth und den Karlsruher SC zweimal eindrucksvoll gezeigt. Wen interessiert schon das Wie? Die Bundesliga-Uhr im Volksparkstadion tickt.

Und die Wölfe heulen auch in der nächsten Saison im Oberhaus, wenngleich es nicht unverdient gewesen wäre, wenn Eintracht Braunschweig in beiden Spielen den Platz als Sieger verlassen hätte.

DFL verspricht "Rückkehr eines Spannungsfaktors"

Enge Duelle, Verlängerung, schmeichelhafte Siege - das klingt doch gar nicht mal so unspannend. Also hat die DFL doch genau das erreicht, was sie sich versprochen hat, als sie die Relegation im Jahr 2009 wieder eingeführt hat. "Die Rückkehr eines Spannungsfaktors" führte der damalige Geschäftsführer Holger Hieronymus als Argument an.

Und doch kann die Forderung nur lauten: Schafft die Relegation einfach wieder ab!

So sehr es möglich ist, in den Verlauf der Relegations-Entscheidungen der vergangenen Jahre Spannung hineinzureden, so wenig überrascht dürfte man sein, dass sich auch in diesem Jahr mal wieder der Bundesligist durchgesetzt hat.

Seit Wiedereinführung gelang das in sieben von neun Fällen, zuletzt sogar fünf Mal in Serie. Die beiden siegreichen Zweitligisten waren der 1. FC Nürnberg als gefühlter Erstligist gegen den wirtschaftlich schwächeren FC Energie Cottbus (2009) und Fortuna Düsseldorf im Chaosspiel gegen Hertha BSC (2012).

Wirtschaftliche Schere zwischen Bundesliga und 2. Liga klafft auseinander

Ansonsten hießen die Sieger Nürnberg (diesmal als Erstligist), Mönchengladbach, Hoffenheim, Hamburg, Frankfurt und nun eben Wolfsburg. Immer der wirtschaftlich deutlich stärkere Verein. Immer der deutlich teurere und spielerisch stärkere Kader. Immer der Goliath gegen den David.

Diese Tendenz wird durch die wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Jahre nicht unbedingt abgeschwächt. Die Schere zwischen Ober- und Unterhaus klafft immer weiter auseinander. Die TV-Gelder für die Bundesligisten entfernen sich zunehmend von denen der Zweitligisten, die Marktsituation bei der Akquise von Sponsoren ist kaum noch vergleichbar. War ein Verein wie in diesem Fall Wolfsburg darüber hinaus kürzlich erst international dabei, hat er durch die immer höher werden Europapokal-Prämien über Jahre hinweg einen wirtschaftlichen Vorsprung.

Diese Unterschiede sind deutlich größer als jene zwischen 2. und 3. Liga, weshalb der Vergleich zur "kleinen" Relegation hinkt.

Natürlich ist ein zulässiges Argument, dass der Zweitligist in zwei Spielen die Chance hat zu zeigen, dass er das Zeug für die Bundesliga hat. Und wenn er das eben nicht schafft, dann hat er es auch nicht verdient.

Aber auch das ist nur Hinbiegen der Wahrheit. Mit viel Gewalt. Im Duden wird das Wort Farce definiert als "Angelegenheit, bei der die vorgegebene Absicht, das vorgegebene Ziel nicht mehr ernst zu nehmen ist". Das trifft zu 100 Prozent auf den Modus Relegation zu!

Relegation: Was wären die Alternativen?

Doch was wären Alternativen? Keine Frage, die objektiv "gerechteste" wäre die konservative Variante: Die letzten drei der ersten Liga steigen ab, die ersten drei der zweiten Liga steigen auf. Oder wenn die DFL das so nicht möchte, eben nur zwei und zwei.

Dann wären allerdings die "spannenden" Gladiatorenspiele weg. Und das kann die Gelddruckmaschine Bundesliga nicht wollen.

Wie wäre es also mit einem ligainternen Duell des Bundesliga-15. gegen den Bundesliga-16. um den Abstieg? Und einem ligainternen Duell des Zweitliga-Dritten gegen den Zweitliga-Vierten um den Aufstieg? Klingt auf den ersten Blick ungewöhnlich, doch die Chancengleichheit wäre deutlich eher gegeben als im aktuellen Modus.

Wenn die Saison aber unbedingt mit dem Holzhammer verlängert werden soll, sind Gedankenspiele in diese Richtung nicht abwegiger als die aktuelle Regelung. Es ist schließlich mehr als wahrscheinlich, dass sich die aktuelle Statistik in den nächsten fünf Jahren nicht großartig verändern wird.

Eintracht Braunschweig - VfL Wolfsburg: Die Daten zum Spiel

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