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Christian Heidel im Abschieds-Interview

"Normal heul' ich bei Winnetou 3"

Samstag, 14.05.2016 | 22:55 Uhr
Christian Heidel feierte nach 24 Jahren Mainz 05 seinen Abschied - sehr emotional
© getty
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24 Jahre lang war Christian Heidel Mainz 05 - und Mainz 05 war Christian Heidel. Ab Sonntag leitet er die Geschicke beim FC Schalke 04. Nach seiner Abschiedspartie in Rheinhessen trat er ein letztes Mal vor die Mainzer Medien. Der scheidende Manager sprach über Emotionen, den größten Vereinserfolg der Geschichte, Mainz' Zukunft und ganz, ganz große Zufriedenheit. Außerdem kommentierte er die Breitenreiter-Entlassung.

Frage: Herr Heidel, wie war das heute für Sie - schwieriger als Sie dachten?

Christian Heidel: Nein, ich hatte Glück, dass sich die Abschiedszeremonien der verschiedenen Protagonisten ein bisschen gezogen haben. Ich konnte mich etwas sammeln, bevor ich an der Reihe war. Da hatte ich mich wieder einigermaßen im Griff. Das soll aber nicht bedeuten, dass es nicht ergreifend und schön war. Es war aber natürlich maßlos übertrieben. (lacht)

Frage: Welcher Moment war heute denn der emotionalste?

Heidel: Ich bin ja so ein Typ, dem schon die Tränen kommen, wenn nur passende Musik läuft. Normal heule ich bei Lassie und Winnetou 3. Heute haben sie genau das richtige Lied zu meinem Abschied ausgesucht. Das lief auch schon bei mir im Auto - dort habe ich auch schon geheult. Es war toll, dass so ein Film ablief. Da denkt man natürlich darüber nach, was in dieser Zeit eigentlich alles Schönes passiert sind. Dass dazu noch alle Leute im Stadion still waren, hat die Gänsehaut noch einmal verstärkt. Das brauche ich nicht zweimal am Tag. Das hat mich sehr bewegt und ich bin allen dankbar. Am schlimmsten ist es für mich aber immer, meine Familie weinen zu sehen - und ich glaube, es haben alle geheult. Zum Glück hat man mir Bier ins Gesicht geschüttet, da hat man es nicht so gemerkt.

Frage: Wie haben Sie Ihren Abschied während des Spiels empfunden? Waren die letzten Minuten besonders emotional?

Heidel: Aufgrund der Dramatik zum Spielende hin habe ich es teilweise sogar komplett vergessen. Denn ich habe immer Angst, dass wir am Schluss noch einen reinkriegen. Ich habe gar nicht mehr über meinen Abschied nachgedacht, das war für mich auch überraschend. Erst als der Schlusspfiff ertönte, dachte ich: 'Ach du Gott!'

Frage: Haben Sie zum Ende gedacht, Ihr Trainer sei komplett verrückt geworden, Elkin Soto noch einzuwechseln?

Heidel: Nein, darüber haben wir vorher schon gesprochen, dass es eine Option ist. Es war aber allein die Entscheidung des Trainers - und so, wie es gemacht wurde, war es perfekt. Man muss aber verstehen: Wir lieben Elkin alle, im Vordergrund stand aber das Ergebnis dieses Spiels. Das war ein Zeichen an Elkin, für all seine Top-Jahre hier. Er ist vom Kolumbianer zum Mainzer geworden. Das hat er auch verstanden.

Frage: Ihre letzte Saison in Mainz war die beste der Vereinsgeschichte. Haben Sie sich während des Spiels noch einmal zurückerinnert?

Heidel: Das habe ich vor 24 Jahren genau so geplant - dass wir heute in die Europa League einziehen. (lacht) Das hat mich natürlich schon beschäftigt. Diesen Entschluss, Mainz jetzt zu verlassen, habe ich schon weit vor einem Jahr getroffen. Da hatte ich aber noch nichts mit Schalke 04 zu tun. Ich wollte und will, so wie viele andere Menschen auch, mich noch einmal verändern - ohne, dass es Spektakel oder Ärger gibt. Und auch ohne negative Folgen für Mainz 05. Ich habe mich häufig gefragt, was denn wäre, wenn ausgerechnet in diesem Jahr Abstiegskampf pur angestanden hätte. Ich weiß nicht, was ich dann gemacht und wie ich reagiert hätte. Deswegen bin ich heilfroh, dass die Mannschaft so gut gespielt hat - wahrscheinlich, weil sie wusste: Jetzt geht der endlich, dann sind wir ihn endlich los. (lacht)

Frage: Der Verein hat Ihnen zum Abschied einen Pokal geschenkt. Wo stellen Sie den hin?

Heidel: Ich werde in meinem neuen Häuschen selbstverständlich ein Ehrenplätzchen für diesen Pokal finden. Ich habe mal einen im Riesenslalom gewonnen in Mittenwald. Den nehme ich auch mit - aber der ist kleiner.

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Frage: Mit welchem Gefühl verlassen Sie den Verein nach 24 Jahren?

Heidel: Mit einem guten Gefühl, vielleicht nicht so viel falsch gemacht zu haben beim FSV Mainz 05. Ich habe so viel Zuneigung bei den Leuten hier verspürt. Nicht Einer hat mir einen negativen Spruch entgegengebracht - nicht einmal, als ich eben im Fanblock stand. Immerhin gehe ich zu einem anderen Klub. Deshalb ist es nicht Stolz, den ich verspüre, sondern Zufriedenheit. Ich hoffe, den Leuten gut in Erinnerung zu bleiben. Es hat mal einer gesagt: 'Nicht das, was gesagt wird, wenn du kommst, ist entscheidend, sondern das, was gesagt wird, wenn du gehst.'

Frage: Machen Sie sich aber ein paar Sorgen um Mainz 05 - ohne Christian Heidel?

Heidel: Ich habe mir vor allem vorgenommen, von dem Tag an, an dem ich hier nicht mehr zuständig bin, mich öffentlich nicht mehr zu äußern. Es wäre fatal, wenn einer im Westen sitzt und oberlehrerhaft sagt: 'Bei mir war alles besser.' Der Verein muss jetzt einen neuen Weg gehen. Mir war es wichtig, dass ein riesiger Vorlauf da ist. Ich glaube, dass der Verein das stemmen wird. Dieser überragende sechste Platz muss nicht das letzte Erfolgserlebnis in Mainz gewesen sein. Ich wünsche diesem Verein, dass er so großartig bleibt, wie er es ist.

Frage: War es für Sie ein perfekter Tag, weil auch Schalke noch auf Platz fünf geklettert ist?

Heidel: Ich habe nun schon dreimal gehört, dass ich der erste Manager bin, der zeitgleich zwei Klubs in die Europa League bringt. Das möchte ich aber so nicht stehen lassen: Auf Schalke habe ich überhaupt keinen Verdienst daran. Es wäre aber gelogen, zu sagen, dass ich mich nicht darüber freuen würde. Die Tabellenkonstellation freut mich natürlich.

Frage: Andre Breitenreiter hat vor dem Schalker Spiel in Hoffenheim bekanntgegeben, dass Sie ihm in einem längeren Gespräch mitgeteilt haben, dass er in der kommenden Saison nicht mehr Trainer in Gelsenkirchen ist.

Heidel: Es ist gar nicht schlimm, dass Andre das heute vor der Presse gesagt hat. Wir haben zwar vereinbart, dass wir das am Sonntag machen, wenn ich schon im Amt bin, aber ich kann das nachvollziehen.

Frage: Wie kam es zu der Entscheidung?

Heidel: Ich habe es mir lange überlegt. Jedoch wollte ich Andre Breitenreiter gegenüber auch sehr korrekt und fair sein. Da die Entscheidung gefallen ist, wollte ich nicht, dass er am Samstag mit dem Glauben in das Spiel geht, dass man sich nach der Partie in die Sommerpause verabschiedet und sich zum Trainingsauftakt wieder trifft. Hätten wir das erst zwei oder drei Tage nach Saisonende bekanntgegeben, wäre ein Geschmäckle aufgekommen. Man hätte gesagt, wir hätten ihn vorgeführt. Das wollte ich nicht.

Frage: Wie lief das Gespräch ab?

Heidel: Ich habe ihn angerufen und ihm gesagt, dass ich mich gerne noch einmal persönlich mit ihm zu dem Thema unterhalten möchte. Jedoch habe ich ihm gleich zu Beginn mitgeteilt, was ich tun werde, sobald ich im Amt bin - damit er von Anfang an das richtige Gefühl hat. Andre hat überragend reagiert. Es gab kein böses Wort. Wir haben sehr lange miteinander telefoniert. Er hat gesagt, dass ihm dieser Weg sehr viel lieber sei, als wenn ich bis Sonntag gewartet hätte. Mir ist es wichtig, vom ersten Tag an auf Schalke auch ein Bild abzugeben, dass wir mit allen Leuten immer korrekt umgehen, auch wenn es für ihn natürlich eine unangenehme Entscheidung war.

Frage: Können Sie sagen, dass Markus Weinzierl neuer Trainer wird auf Schalke?

Heidel: Nein, das kann ich nicht sagen. Ich kann auch nicht sagen, wann der neue Trainer da ist. Wir haben das große Glück, dass die Vorbereitung auf die neue Saison erst Ende Juni startet. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich ungern selbst unter Druck setzten lasse. Wir haben Zeit und wir werden eine gute Entscheidung treffen. Niemand muss sich Gedanken machen, dass Schalke 04 am ersten Tag von mir trainiert wird.

Frage: Vielleicht würde das ja helfen.

Heidel: Wir haben es zumindest schon einmal probiert. Beim Hallenturnier in Hamburg wurde ich mit dem Team Dritter. (lacht)

Frage: Sie werden am Sonntag noch einmal zum Pressegespräch in Mainz sein - und danach geht es direkt nach Gelsenkirchen?

Heidel: Ich weiß nicht, wie das in Gelsenkirchen ist: Muss man da sonntags im Büro sein? Das war ich jetzt nicht immer in Mainz. Ich werde jetzt aber bestimmt nicht sagen, dass ich um 11.17 Uhr dort einlaufe. Sonst steht da schon die nächste Journalisten-Armada. In Gelsenkirchen gibt es ja aber mittlerweile auch Pfingstmontag. Ich werde diese ganze Emotion über die Feiertage setzen lassen. Es kann aber jeder davon ausgehen, dass ich mir ab jetzt noch mehr Gedanken um meinen neuen Arbeitgeber mache.

Alles zum 1. FSV Mainz 05

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