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4:3! Bayer-Wahnsinn gegen den VfB

Samstag, 24.10.2015 | 17:23 Uhr
Auch Chicharito trug sich in die Torschützenliste ein
© Getty
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Venlo

Bayer Leverkusen hat sich in einer erneut verrückten Partie am 10. Spieltag der Bundesliga mit 4:3 (0:0) gegen den VfB Stuttgart durchgesetzt. Die ersten sechs Tore des Spiels fielen nach der Pause binnen 21 Minuten.

Vor 30.210 Zuschauern in der BayArena hatte Chicharito kurz vor der Pause die Riesenchance zum 1:0 für die Gastgeber, scheiterte jedoch aus kurzer Distanz unglücklich. Nach Wiederanpfiff überschlugen sich dann die Ereignisse: Mit einem Doppelpack binnen vier Minuten brachten Martin Harnik (50.) und Daniel Didavi den VfB Stuttgart mit 2:0 in Führung.

Fast im Gegenzug schoss der gerade eingewechselte Karim Bellarabi Leverkusen aber zurück ins Spiel (57.), ehe Lukas Rupp den Zwei-Tore-Vorsprung für die Gäste wiederherstellte (60.). Doch auch der währte nicht lange: Mit einem Doppelschlag glichen Sebastian Boenisch (70.) und Chicharito (71.) das Spiel wieder aus.

Kurz vor Schluss gelang Admir Mehmedi sogar noch der Siegtreffer für die Gastgeber (89.). Nach dem 4:4 gegen den AS Rom erlebten die Leverkusener somit das nächste Spektakel.

Die Reaktionen:

Roger Schmidt (Trainer Leverkusen): "Es war ein schwieriges Spiel für uns. Dass wir nochmal ein Spiel nach dem Dienstag-Match gegen Rom gedreht haben, war eine unglaubliche Leistung der Mannschaft. Es war ein traumhaft schönes Spiel."

Alexander Zorniger (Trainer Stuttgart): "Bayer hat enorme Offensiv-Qualität. Wir haben die 1:1-Situationen nicht gut verteidigt, damit müssen wir leben. Es tut mir für die Mannschaft extrem leid. Es war dennoch ein tolles Spiel gegen einen Champions-League-Verein."

Der Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Schmidt entscheidet sich bei Bayer nach dem kuriosen 4:4 in der Champions League gegen den AS Rom für eine mittelgroße Rotation. Kießling, Mehmedi, Boenisch und Brandt dürfen von Anfang an ran, Papadopoulos, Donati, Kramer und Bellarabi müssen erst einmal draußen Platz nehmen.

Zorniger nimmt im Vergleich zum 1:0-Erfolg über Ingolstadt zwei Änderungen vor. Für Maxim und den gesperrten Serey Die starten Schwaab und Gruezo.

5.: Insua kommt aus dem linken Halbfeld frei zur Flanke und zieht ihn in Richtung des langen Pfostens. Dort verlieren die Leverkusener Didavi aus den Augen, dessen Direktabnahme aus zwölf Metern am Außennetz landet.

18.: Calhanoglu spielt einen Diagonalball auf das linke Strafraumeck zu Mehmedi, der die Kugel schnell verarbeitet und abzieht. Tyton hält den strammen Abschluss im Nachfassen.

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24.: Wieder kann Insua von links flanken, wieder herrscht Unordnung im Leverkusener Strafraum. Werner kommt ganz frei zum Kopfball, bringt den Ball bei dieser Riesenchance aber nicht auf den Kasten.

35.: Didavi haut einen Freistoß aus 25 Metern zentraler Position direkt aufs Tor und zwingt Leno zu einer starken Parade. Der Leverkusener Keeper fliegt in die lange Ecke und kratzt den Schuss noch aus dem Torwinkel.

45.+1: Die mit Abstand größte Chance bisher: Wendell dringt von links in den Strafraum ein und geht auf die Grundlinie. Von dort legt er mit viel Übersicht zurück auf Chicharito der mit leichter Rücklage zum Schuss kommt. Aus sieben Metern schaufelt er die Kugel aber über die Latte. Das hätte das 1:0 sein müssen.

50., 0:1, Harnik: Nach einer Freistoß-Flanke aus dem rechten Halbfeld bekommt Bayer den Ball nicht aus dem Strafraum geklärt. Erst stochert Werner, dann Baumgartl, ehe die Kugel am langen Pfosten bei Harnik landet, der aus fünf Metern verwertet.

54., 0:2, Didavi: Der VfB spielt weiter nach vorne - und wie! Rupp leitet den Ball 20 Meter vor dem Tor in den Lauf von Didavi weiter, der nicht lange fackelt und aus der Drehung abschließt. Die Kugel springt gegen Lenos Laufrichtung vom Pfosten ins Tor.

57., 1:2, Bellarabi: Der VfB hat den Ball im eigenen Strafraum eigentlich schon sicher, doch dann stochert Sunjic die Kugel unter leichter Bedrängnis rechts zu Bellarabi. Der haut aus spitzem Winkel drauf - flach ins Eck! Der Nationalspieler war gerade erst 38 Sekunden zuvor eingewechselt worden.

60., 1:3, Rupp: Werner marschiert über die linke Außenbahn und kocht Tah mit einer einfachen Körpertäuschung ab. Er zieht zur Grundlinie und legt zurück auf Rupp, der aus fünf Metern einschiebt.

62.: Riesenchance zum Doppelpack für Bellarabi. Wieder stochern im Strafraum mehrere Beine am Ball vorbei, der am langen Pfosten beim Nationalspieler landet. Dessen Abschluss aus acht Metern geht aber nur ans Außennetz.

70., 2:3, Boenisch: Bellarabi kommt rechts im Strafraum an den Ball, nimmt den Kopf hoch und findet in der Mitte Boenisch, der die Kugel über die Linie drückt.

71., 3:3, Chicharito: Mehmedi kann unbedrängt über links in den Strafraum laufen, scheitert aber mit seiner ersten Hereingabe. Sein Nachschuss wird abgefälscht und landet dann am langen Pfosten bei Chicharito, der nur noch den Fuß hinhalten muss.

78.: Die nächste Riesenchance! Sunjic pennt in der Defensive völlig und lässt sich von Bellarabi überlaufen. Der spielt den Ball ins Zentrum, wo Chicharito einläuft, bedrängt von Klein aber an Tyton scheitert. Da hat der Mexikaner den Ball unsauber verarbeitet.

89., 4:3, Mehmedi: Wahnsinn! Der VfB ist viel zu weit aufgerückt und läuft fahrlässig in einen Konter. Calhanoglu bedient links am Strafraumeck Mehmedi, der einen Haken nach innen macht und den Ball in den rechten Winkel schweißt.

Fazit: Nach einer guten ersten VfB-Hälfte, die Leverkusens Spielidee komplett zerstörte, entwickelte sich eine irre zweite Halbzeit mit Riesenchancen auf beiden Seiten. Der VfB brachte sich selbst in die Bredouille, Bayer belohnte seine Mühen mit einer sensationellen Aufholjagd.

Der Star des Spiels: Karim Bellarabi. Mit seiner Einwechslung kam der (Um-)Schwung. Traf nicht einmal eine Minute nach seiner Hereinnahme zum 1:2, legte das 2:3 zudem mustergültig auf. Bereitete der VfB-Defensive anschließend große Probleme über die rechte Außenbahn und brachte mehrere gefährliche Abschlüsse aufs Tor. Beim VfB stark: Daniel Didavi.

Der Flop des Spiels: Toni Sunjic. Stand nach der Pause mehrere Male komplett neben sich und hatte großen Anteil daran, dass Bayer noch einmal ins Spiel zurückkam. Verschuldete das 1:2 durch Bellarabi und kam anschließend auch bei den weiteren Gegentoren zu spät. Pennte vor Chicharitos Großchance auch gegen Bellarabi.

Der Schiedsrichter: Dr. Felix Brych. Musste erst in der Schlussphase ernsthaft eingreifen, lag bei seinen Entscheidungen aber fast immer richtig. Dass Kampl in der ersten Halbzeit aber ohne Gelbe Karte blieb (34.), war falsch, da er gegen Rupp deutlich den Fuß drauf hielt.

Das fiel auf:

  • Zorniger hatte vor dem Spiel angekündigt, das Zentrum wieder mehr verdichten zu wollen, was in einer Formation mit drei nominellen Sechsern (Gruezo, Schwaab, Rupp) resultierte. In dieser Staffelung gelang das Pressing ca. 15 Meter in der Leverkusener Hälfte deutlich besser als zuletzt. Die Gäste hatten in der Anfangsphase immer Zugriff auf Gegenspieler und Ball, wodurch Bayer kaum einmal zu einem geordneten Spielaufbau kam.
  • Bayers Spiel verlagerte sich durch die Doppelspitze Kießling/Chicharito deutlich stärker ins Zentrum als zuletzt - genau dorthin, wo der VfB die Räume durch das personelle Übergewicht zustellte. Entsprechend kamen die Gastgeber kaum zu gefährlichen Chancen. Die gab es nur dann, wenn es mal schnell über die Außen ging, wo sich Bayer deutlich mehr Räume boten.
  • Das VfB-Spiel gestaltete sich deutlich ruhiger als in vielen vorherigen Spielen in dieser Saison. Die Schwaben fanden nach Ballgewinn eine gute Mischung aus schnellem Umschaltspiel nach vorne und kontrolliertem Aufbau aus der eigenen Hälfte heraus. Vor allem in der ersten Hälfte wirkte Bayer von dieser Ordnung im VfB-Spiel mitunter sehr genervt.
  • Mit zunehmender Spieldauer verstand es Bayer, die Außenspieler Brandt und Mehmedi häufiger einzusetzen. Zudem schalteten sich Boenisch und Wendell häufiger in die Offensive ein, wodurch das Kombinieren auf den Flügeln besser anlief. Ging es mal von außen in den Strafraum, geriet der VfB ins Schwimmen.
  • Es dauerte fast bis in die zweite Hälfte, ehe sich Bayer, das mit sechs sehr offensiven Spielern (Brandt, Kampl, Calhanoglu, Mehmedi, Kießling, Chicharito) startete, in der eigenen Ordnung zurechtfand. Kießling ließ sich auffällig häufig in die eigene Hälfte fallen, um mitzuverteidigen, während Chicharito und Brandt weit vorne agierten. Ging es dann nach vorne, tat sich die Offensive oft schwer, die richtigen Laufwege zu finden.
  • Über weite Strecken der zweiten Hälfte ging die taktische Grundordnung beider Teams komplett verloren. Was Schmidt und Zorniger überhaupt nicht gefiel, bot den Zuschauern Unterhaltung pur. Fast im Minutentakt kam es zu Torchancen.

Leverkusen - Stuttgart: Die Statistik zum Spiel

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