Hertha BSC durchbricht Dortmunds Heimserie

Von Jochen Tittmar
Samstag, 10.09.2011 | 17:24 Uhr
Herthas Tunay Torun scheiterte mit diesem Schuss am rechten Pfosten des BVB-Gehäuses
© Getty
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Hertha BSC hat am 5. Spieltag der Bundesliga für eine Überraschung gesorgt und mit 2:1 (0:0) bei Meister Borussia Dortmund gewonnen. Für den BVB war es die erste Niederlage vor eigenem Publikum nach 18 Heimspielen ohne Pleite.

Vor 80.500 Zuschauern im Signal Iduna Park erzielten Raffael (50.) und Peter Niemeyer (81.) die Tore für den Aufsteiger aus Berlin.

Robert Lewandowski konnte lediglich den Anschlusstreffer für den Meister markieren (88.).

Das Spiel wurde allerdings von einen tragischen Zwischenfall überschattet: Ein 71-Jähriger ist während der Partie an einem Herzinfarkt gestorben.

Sanitäter hatten 25 Minuten lang vergeblich versucht, den Mann, der auf der Osttribüne plötzlich zusammengebrochen war, zu reanimieren.

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Der BVB bis auf eine Position mit der gleichen Startelf wie gegen Leverkusen - Blaszczykowski ersetzt den rotgesperrten Götze.

Die Berliner ebenfalls mit einer Änderung: Lasogga muss für Torun auf die Bank.

16.: Torun spielt Doppelpass mit Ramos, ist frei durch und zieht von der Strafraumgrenze ab. Der Flachschuss prallt am rechten Außenpfosten ab.

28.: Gündogan schießt einen direkten Freistoß aus 20 Metern flach in die Torwartecke. Kraft ist unten und lenkt den Ball um den Pfosten zur Ecke. Diese köpft Hummels in die Arme des Keepers.

41.: Gündogan mit einem hohen Anspiel auf Schmelzer in den Strafraum. Von ihm springt der Ball links im Strafraum zu Großkreutz, der jedoch bei zwei Versuchen an Kraft scheitert.

50., 0:1, Raffael: Hummels verliert auf Höhe der Mittellinie einen Zweikampf gegen Raffael. Der Brasilianer rennt los und überläuft die aufgerückte BVB-Verteidigung. Beim ersten Versuch scheitert er an Weidenfeller, doch von Schmelzer prallt der Ball wieder zu Raffael, der die Kugel dann im leeren Tor unterbringt.

55.: Ebert flankt von rechts auf den langen Pfosten. Dort steht Raffael blank und knallt den Ball volley aus kurzer Distanz an die Latte.

71.: Da Silva legt in der Zentrale rechts rüber zu Bender, der aus 25 Metern abzieht - an die Querlatte.

78.: Raffael narrt Piszczek und Subotic im Sechzehner und zieht aus spitzem Winkel ab - an den linken Pfosten.

81., 0:2, Niemeyer: Nach einer Ecke von rechts steigt Mijatovic gegen Hummels zum Kopfball hoch, Weidenfeller pariert zunächst, doch Niemeyer staubt ab.

88., 1:2 Lewandowski: Da Silva bringt einen Freistoß Richtung kurzer Pfosten. Dort steht Lewandowski frei und köpft aus zehn Metern ein.

Fazit: Verdienter Sieg disziplinierter Berliner gegen einfallslose und an diesem Tag zu schwache Dortmunder.

Der Star des Spiels: Peter Niemeyer. Stand wie ein Fels im Zentrum und räumte viel ab, dabei auch wichtige zweite Bälle. Organisierte zusammen mit dem ebenfalls starken Ottl das dichte Netz im Mittelfeld und verschob mit seinen Nebenmännern sehr effizient in Richtung ballführender Spieler. Starke Zweikampfquote von knapp 60 Prozent - und dem spielentscheidenden Tor.

Der Flop des Spiels: Ilkay Gündogan. In den ersten 45 Minuten mit den zweitmeisten Ballkontakten beim BVB, aber mit einigen Ungenauigkeiten und ohne Ideen im Offensivspiel. War nicht in der Lage, das Spiel breit zu machen und suchte zu oft den direkten und meist aussichtslosen Weg in die Spitze. Überraschend aber konsequent, dass ihn Klopp zur zweiten Halbzeit in der Kabine ließ. Auch schwach: Blaszczykowski, Kagawa und Großkreutz.

Der Schiedsrichter: Marco Fritz. Lag richtig, bei Schmelzers Foul an Torun die Gelbe Karte noch stecken zu lassen. Ebenfalls richtig, beim Duell zwischen Lell und Schmelzer nicht auf Elfmeter für die Borussia zu entscheiden. Streute kleinere Fehler in der Zweikampfbewertung in seine Darbietung ein, die insgesamt jedoch solide war.

Analyse: Der Meister wirkte im ersten Abschnitt ideenlos und eindimensional. Das lag vor allem daran, dass die Hertha den BVB kommen ließ und mit einer kompakten Fünferkette die Mittelfeldzentrale sehr eng zuschnürte. Nach 15 Minuten standen für die Gäste 63 Prozent gewonnene Zweikämpfe zu Buche, die meisten davon im Zentrum.

Dortmund konnte aus dem Mehr an Ballbesitz kein Kapital schlagen, weil zu sehr der Weg durch die Mitte gesucht wurde. Gündogan tat sich schwer, dem Spielaufbau Tempo und Kreativität zu verleihen. Zu selten wurde der konsequente Weg über die Außen gesucht.

Das optische Übergewicht des BVB entstand auch dadurch, dass die Hertha ab der 30. Minute kaum mehr einen Ball im vorderen Spielfelddrittel festmachen konnte.

Kurz nach der Halbzeit gelang dies allerdings beim Führungstreffer. In der Folge entwickelte sich ein Spiel wie in Durchgang eins: Dortmund spielte zu oft undurchdacht durchs Zentrum und scheiterte. Symptomatisch: Benders Distanzschuss an die Latte war die beste Chance im zweiten Durchgang.

Mit zunehmender Spieldauer machte die Borussia hinten auf und Hertha kam zu einigen guten Kontern und letztlich dem verdienten zweiten Treffer. Klopps Maßnahme, knapp 20 Minuten vor Schluss auf Raute mit Zidan als zweite Spitze umzustellen, verpuffte trotz des Schlussspurts.

Dortmund - Hertha: Daten zum Spiel

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