Stevens: "Mainz ist nicht der FC Hüppelpüpp"

SID
Sonntag, 05.02.2012 | 12:12 Uhr
Schalke 04 konnte gegen Mainz nur einmal jubeln: Als Chinedu Obasi den Ausgleichstreffer erzielte
© Getty
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Große Enttäuschung beim Schlusspfiff, harte Kritik an den ungeduldigen Fans und schließlich noch klammheimliche Freude über den FC Bayern.

Bei Schalke 04 suchten die Spieler und die sportliche Leitung nach dem 1:1 (0:1) gegen Mainz 05 nach Gründen für den verpassten Rekord. "Natürlich ist das ein Dämpfer für uns", sagte Benedikt Höwedes und blickte mit betrübten Augen aus seiner schwarzen Gesichtsmaske heraus.

Das Ziel, mit dem sechsten Sieg hintereinander eine alte Klubbestmarke einzustellen, war gescheitert. 13:2 Ecken, 62 Prozent Ballbesitz und 52:9 Flanken wies die Statistik auf, doch die Überlegenheit fand sich nur in den Zahlen wieder.

"Zu Hause muss man einfach gewinnen", sagte Klaas-Jan Huntelaar. Dass Erzrivale Dortmund mit zwei Punkten davonzog, tat weh.

Und dass Mohamed Zidan, der für eine dritte Amtszeit nach 2005 und 2007 erst am vorigen Dienstag vom BVB zu den Mainzern zurückgekehrt war, das Tor zum 1:0 der Rheinhessen (15.) erzielte, war zusätzlich ein kleiner Stich in die Schalker Herzen. Der Ägypter prahlte damit, er habe seinem Dortmunder Ex-Kollegen Sebastian Kehl versprochen, gegen Schalke zu treffen.

Heldt von Pfiffen irritiert

Schalkes Manager Horst Heldt rügte derweil die große Masse der Fans, die die Mannschaft verunsichert hätten. "Die Mannschaft legt sich selbst schon Druck auf. Der darf nicht vom Publikum kommen. Die Leute im Stadion waren viel zu schnell nervös. Das hat mich irritiert", sagte Heldt.

"Das ist eine sehr junge Mannschaft. Mit der Erwartungshaltung, die ihr aufgeladen wird, muss man aufpassen." Nur den harten Kern des königblauen Anhangs in der Nordkurve nahm Heldt von der Kritik aus.

"Alle Fans sollen unsere Mannschaft unterstützen, sie können auch pfeifen, aber nicht gleich beim ersten Fehlpass." Die Aussicht, endlich nach 54 Jahren wieder einmal Meister zu werden, sei wirklich nicht realistisch.

"Nicht mit einer königsblauen Brille rumlaufen"

"Träumen ist gut. Aber man sollte nicht mit einer königsblauen Brille rumlaufen." Vielleicht sei die Stimmung auch bedrückt gewesen, nachdem während der Woche die Krankheit von Ex-Manager Rudi Assauer bekannt geworden war, meinte Heldt.

Nach einer zerfahrenen ersten Halbzeit, als das wieder sehr offensiv aufgestellte Team gegen die kampfstarken Rheinhessen gar nicht zurecht kam, rissen die Gelsenkirchener das Ruder noch halb um.

Aber es reichte trotz zahlreicher Torchancen nur zum Debüttreffer des ehemaligen Hoffenheimers Chinedu Obasi für den Pokalsieger. "Ich bin wahnsinnig glücklich über das Tor. Dafür habe ich lange gekämpft", sagte der Nigerianer, einer von vier Stürmern, die Huub Stevens aufgestellt hatte.

Erst am Abend hellte sich die Mienen der Schalker Spieler auf. Dem FC Bayern erging es beim 1:1 in Hamburg nicht besser, Schalke blieb damit punktgleich mit den Münchnern. Einer war vorher schon bei der Bewertung ausgeschert. Trainer Stevens machte seinen Spieler überhaupt keinen Vorwurf.

FSV-Torwart Wetklo erklärte sich für schuldig

"Ich kann nur sagen, die erste Hälfte war nicht gut, aber Mainz ist nicht der FC Hüppelpüpp. Für die zweite Halbzeit bekommen meine Spieler ein Lob", sagte der Niederländer. "Auch wenn es sich komisch anhört: Wir haben einen richtigen Schritt in unserer Entwicklung gemacht."

Bei den Mainzern betrachtete Trainer Thomas Tuchel das Unentschieden als Fortschritt. Torwart Christian Wetklo erklärte sich für schuldig, dass nur ein Punkt heraussprang:

"Obasis Schuss muss ich halten, da gibt es nichts. Es ist aber auch nicht so einfach, wenn man so bombardiert wird in der zweiten Halbzeit." Am meisten für den Punkt verantwortlich, war Zidan, der gleich nach seiner Rückkehr wieder getroffen hatte. "Ich habe mich richtig gefreut, das war genau das, was ich zuletzt auch für Mainz gemacht habe", sagte der Ägypter.

Zidan gedenkt Opfern in Heimat

Beim Torjubel kamen ihm die furchtbaren Ereignisse während der Woche mit über 70 Toten im Fußballstadion seiner Heimatstadt in den Sinn.

"Ich habe nach dem Tor meine Hände und Augen gen Himmel gerichtet, weil ich zeigen wollte, dass die Opfer von Port Said immer bei uns sein werden."

Schalke - Mainz: Daten zum Spiel

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