Die Selbstlosigkeit in Perfektion

Von Stefan Rommel/Martin Rösch
Dienstag, 21.09.2010 | 21:51 Uhr
Mainz setzt auf das Rotationsprinzip: Doppeltorschütze Lewis Holtby kam gegen Köln von der Bank
© Getty
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Was Tuchel anpackt, das wird derzeit zu Gold. Auch eine erneute Rotation wirft Mainz nicht aus der Bahn - ganz im Gegenteil. Das Kontrastprogramm bietet Köln.

Der FSV Mainz 05 hat im fünften Saisonspiel den fünften Sieg eingefahren und bleibt damit auch nach dem 5. Spieltag Tabellenführer der Bundesliga.

Die Mannschaft von Thomas Tuchel siegte am Mainzer Bruchweg mit 2:0 (0:0) gegen den 1. FC Köln. Lewis Holtby (72., 90.+1) erzielte beide Tore für Mainz. Mainz bleibt durch den Sieg die einzige Mannschaft im deutschen Profi-Fußball ohne Punktverlust.

Zuletzt gelang dem FC Bayern München in der Bundesliga ein Start mit fünf Siegen aus fünf Spielen. Mainz ist saisonübergreifend nunmehr seit zehn Spielen ungeschlagen.

Nachbetrachtung:

Mainz-Trainer Tuchel hat die ganz große Rotation eingeführt, selbst fünf freiwillige Änderungen können der Mannschaft in ihrer Grundstruktur nichts anhaben. Im Gegenteil: Derzeit sind alle Spieler im Kader so selbstlos und nachsichtig, dass sie die Maßnahmen ihres Trainers ohne Wenn und Aber akzeptieren. Auch wenn dann die Ersatzbank oder sogar die Tribüne winken.

Der FSV presst seinen Vorteil der perfekten und frühen Vorbereitung derzeit bis auf den letzten Tropfen aus. Im Gesamtpaket hat derzeit nur noch Borussia Dortmund Ähnliches zu bieten. An eine Änderung der Zielsetzung denkt aber offiziell niemand.

Das Spiel am kommenden Wochenende bei Rekordmeister Bayern München wird zum Gradmesser schlechthin für den Tabellenführer. Noch nie hat Mainz bei den Bayern auch nur einen Punkt mitnehmen können. "Das wird jetzt die Aufgabe sein am Samstag", sagt Manager Christian Heidel.

Köln dagegen wurde nach dem Punktgewinn in München die Kehrseite ihrer Defensivtaktik gnadenlos vor Augen geführt: Der FC spielt einfach viel zu harmlos nach vorne und kann den Schalter innerhalb einer Partie nach einem Gegentor dann auch nicht mehr umlegen.

Trainer Soldo hält aber in den Auswärtsspielen stur an der Mauertaktik fest - sehr zum Leidwesen von Podolski, der sich nach dem Abpfiff sehr ernüchtert zeigte und zwischen den Zeilen einen Strategiewechsel fordert. Es riecht schon wieder ein wenig nach Ärger beim FC.

Mainz gegen Köln in der mySPOX-Analyse

Reaktionen:

Thomas Tuchel (Trainer Mainz 05): "Was wir in der ersten Halbzeit gespielt haben, war das Beste, seit ich Trainer bin. Da war ich begeistert. Mit dieser Leistung der ersten Halbzeit könnten wir auch in der Premier League mitspielen: vom Tempo, von der Laufbereitschaft her."

Zvonimir Soldo (Trainer 1. FC Köln): "In der ersten Halbzeit hatten wir große Schwierigkeiten. Danach haben wir umgestellt, und es lief besser, aber die Gegentore waren zu billig."

Lewis Holtby (Mainz 05): "Jeder bei uns hat das Gefühl, wichtig zu sein. Das braucht man als Spieler. Die Einwechselspieler haben gezeigt, dass sie gleich da sein können."

Lukas Podolski (1. FC Köln): "Der Sieg der Mainzer war vollkommen verdient. Wir hatten in keiner Phase das Spiel im Griff oder haben uns Möglichkeiten erarbeitet - das ist einfach zu wenig. So können wir nicht auftreten. Das war ein peinlicher Auftritt. Wir müssen offensiver spielen und mehr nach vorne riskieren. Ohne in Zweikämpfe zu gehen, ohne Laufbereitschaft: So kann man nicht auftreten."

Mainz - Köln: Das Spiel in der SPOX-Analyse

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