Fussball

4:1! Hoffenheim führt Bremen vor

Von Florian Bogner / Frank Oschwald
Luiz Gustavo (r.) verschuldete einen Elfmeter, bereitete dann aber das 3:1 von Ibisevic vor
© Getty

1899 Hoffenheim hat einen Auftakt nach Maß in die neue Bundesliga-Saison gefeiert. Das Team von Trainer Ralf Rangnick schickte den Vorjahres-Dritten Werder Bremen mit 4:1 (4:1) nach Hause. Es war der erste Sieg der Kraichgauer gegen Bremen überhaupt.

Vor 30.150 Zuschauern in der ausverkauften Rhein-Neckar-Arena in Sinsheim gingen die Gäste durch einen Handelfmeter von Torsten Frings in Führung (3.). Demba Ba gelang nach 20 Minuten der Ausgleich, dann trafen Peniel Mlapa (37.), Vedad Ibisevic (41.) und Sejad Salihovic (43.) binnen sechs Minuten und machten so schon vor der Pause alles klar.

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Hoffenheim steht somit erstmals seit dem 19. Spieltag der Saison 2008/2009 wieder auf Platz eins der Bundesliga. Auf Bremer Seite verletzte sich Hugo Almeida und fehlt wohl im Rückspiel der Champions-League-Qualifikation gegen Sampdoria Genua. Bremens Trainer Thomas Schaaf dazu: "Es ist mindestens eine Zerrung oder sogar ein kleiner Faserriss. Bis Dienstag wird das nicht reichen."

Stimmen:

Thomas Schaaf (Trainer Werder Bremen): "Wir haben 1:0 geführt  - das haben wir gut gemacht, aber dann haben wir aufgehört, Fußball zu spielen. Das, was uns beim Spiel gegen Sampdoria Genua eigentlich ausgezeichnet hat, dass wir präsent sind, dass wir selbstbewusst auftreten, hat gefehlt: Heute waren wir nicht bereit, die Wege zu gehen."

Ralf Rangnick (Trainer 1899 Hoffenheim): "Wenn man nach anderthalb Minuten so einen Elfmeter bekommt, ist das natürlich extrem bitter. Da können schon finstere Gedanken aufkommen. Die Mannschaft hat sich davon aber völlig unbeeindruckt gezeigt."

Vedad Ibisevic (1899 Hoffenheim): "Wir waren selbst mit der letzten Saison nicht zufrieden, deshalb wollten wir heute den Zuschauern etwas bieten. Das haben wir gemacht."

Der SPOX-Spielfilm:

Vor dem Anpfiff: Hoffenheim im 4-3-3 und mit derselben Elf, die im Pokal vor einer Woche überzeugte. Carlos Eduardo, der wohl zu Rubin Kasan wechselt, steht nicht im Kader.

Auch Schaaf setzt auf Bewährtes und ändert an seinem 4-3-1-2 im Vergleich zum 3:1 in der Champions-League-Qualifikation gegen Sampdoria nichts.

3., 0:1, Frings (Elfmeter): Almeida flankt von rechts quer durch den Sechzehner, dem überraschten Luiz Gustavo springt der Ball an den Oberarm. Handelfmeter! Frings platziert den Ball präzise ins linke Eck.

10., Gelb für Borowski: Mein lieber Mann! Borowski senst Beck ohne Chance auf den Ball im Mittelfeld um. Dunkelgelb.

20., 1:1, Ba: Ibisevic lässt Pasanen auf Rechts ganz alt aussehen und passt flach an den Fünfer. Fritz grätscht in den Ball und serviert ihn Ba. Der schiebt locker ein.

37., 2:1, Mlapa: Mertesacker mit dem Fehlpass an der Mittellinie in den Fuß von Compper, der schickt Mlapa direkt steil. Pasanen hebt das Abseits auf, Mlapa bleibt frei vor Wiese eiskalt. Erstes BL-Tor.

41., 3:1, Ibisevic: Luiz Gustavo stibitzt Frings 30 Meter vor dem eigenen Tor den Ball, der Werder-Kapitän reklamiert ein Foul. Luiz Gustavo treibt den Ball 50 Meter und legt ihn dann perfekt halblinks auf den startenden Ibisevic. Der macht's wie Mlapa.

43., 4:1, Salihovic: Frings foult Ibisevic 25 Meter vor dem Tor. Perfekte Position für Salihovic, der dreht den Freistoß mit Links über die Mauer in den rechten Winkel.

Fazit: Hoffenheim ließ sich vom 0:1 nicht schocken, spielte munter nach vorne und traf Werder dort, wo es weh tat. Die erste Halbzeit erinnerte an das Hoffenheim vor zwei Jahren, danach wurde verwaltet.

Der Star des Spiels: Andreas Beck. Auch die drei Angreifer und Luiz Gustavo hätten die Auszeichnung verdient, der Rechtsverteidiger spielte jedoch eine nahezu fehlerlose Partie. Defensiv hatte er Borowski fest im Griff und fand nebenher Zeit, sich immer wieder in den Angriff einzuschalten. Starke Leistung des aktuell jüngsten Bundesliga-Kapitäns (23 Jahre).

Die Gurke des Spiels: Petri Pasanen. Dass sich der Finne als Linksverteidiger meist nur auf die Defensive beschränkt, ist bekannt. Wenn er aber nicht mal das hin bekommt, wird's eng. Pasanen war beim 1:1 zu passiv und hob beim 1:2 das Abseits auf. Nach der Pause war seine Leistung in Ordnung. Ebenfalls grausam: Mertesacker, Hunt und Pizarro.

Die Pfeife des Spiels: Günter Perl. Gute Partie. Sah den Elfmeter korrekt. Ließ ansonsten viel laufen, was dem nicht überhart geführten Spiel gut tat. Borowskis Foul (10.) war nahe am Platzverweis, Ibisevic hätte für sein Einsteigen gegen Fritz (35.) Gelb sehen müssen. Vor dem 3:1 (Zweikampf Gustavo vs. Frings) nicht zu pfeifen, war im Gesamtkontext in Ordnung. Seine Assistenten waren bei Abseitsentscheidungen stets auf der Höhe.

Analyse: Werder wurde früh von Gustavos Malheur begünstigt, bekam das Spiel aber trotz der Führung nicht in den Griff. Im Gegenteil: Hoffenheim griff wenig geschockt immer wieder überfallartig an, vor allem über die rechte Seite. Pasanen bekam kaum Hilfe von Borowski und war so schnell als Schwachstelle ausgemacht.

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Hoffenheims Angriff wirbelte im ersten Durchgang wie in den besten Zeiten. Die vielen Positionswechsel der drei Stürmer waren zu viel für Bremens Defensive, die zudem - trotz Vierer- und Dreierkette davor - zentrale Zuspiele in die Spitze nicht unterbinden konnte. Vor allem Mertesacker leistete sich zu viele Abspiel- und Stellungsfehler.

Insgesamt war Bremen geistig überhaupt nicht auf der Höhe, folgerichtig fing man sich drei Gegentore binnen sechs Minuten. Von Özil-Ersatz Hunt war diesmal überhaupt nichts zu sehen. Für ihn war nach 45 Minuten Schluss, Marin kam. Im zweiten Durchgang verlagerte sich das Spiel zwar mehr in Hoffenheims Hälfte.

Werder machte aber nie den Eindruck, als würde man noch an die Wende glauben. Pizarro blieb abgemeldet, Marin spielte unauffällig. Nur der früh für den verletzten Almeida (Zerrung) eingewechselte Arnautovic hatte zwei, drei gute Szenen. Das war aber viel zu wenig.

Hoffenheim - Bremen: Daten zum Spiel

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