Kommentar zu Sadio Manés Abschied vom FC Bayern: Das spektakulärste Missverständnis der Klubgeschichte

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Mit Sadio Manés bevorstehendem Wechsel nach Saudi-Arabien endet das spektakulärste Missverständnis in der Geschichte des FC Bayern. Die Münchner kommen halbwegs glimpflich davon, der 31-jährige Stürmer selbst dürfte der größte Verlierer sein. Ein Kommentar.

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"Sadio empfing uns bei sich zu Hause, stand mit kurzer Hose in der Tür und schälte entspannt eine Mango. Mit einem breiten Lächeln begrüßte er uns mit einem 'Servus'": So schilderte der mittlerweile entlassene Sportvorstand Hasan Salihamidzic vor einem Jahr das erste Treffen mit dem angehenden Königstransfer.

Mané kam nicht nur als "Weltstar" zum FC Bayern, wie Salihamidzic stets betonte. Sondern auch als großer Sympathieträger. In seiner Heimat Senegal trat er als Wohltäter auf, bei seinem Ex-Klub FC Liverpool galt er als Fan-Liebling. Nach eigener Auskunft war er in Liverpool "mit allen befreundet, sogar mit den Damen in der Küche". Der Klub verabschiedete Mané als "echte Legende" - den FC Bayern verlässt er ein Jahr später als spektakulärstes Missverständnis der Klubgeschichte.

Bei seiner Ankunft waren sich in München noch Klub-Bosse, Fans, Experten und Medien einig: Volltreffer! Kritik am 32 Millionen Euro teuren Transfer gab es zunächst kaum. Manés Erfolge und seine unbestrittene Klasse überstrahlten den Umstand, dass der FC Bayern den Flügelspieler eigentlich gar nicht brauchte. Die Münchner holten ihn nur, weil er berühmt, weltklasse und verfügbar war. Ein Show-Transfer.

Sadio Manés Scheitern beim FC Bayern München

Flügelspieler von internationalem Format standen bereits genügend im Kader, viel wichtiger wäre schon damals die Verpflichtung eines Mittelstürmer-Nachfolgers von Robert Lewandowski gewesen. Die Hoffnung lautete, dass Mané diese Rolle schon irgendwie ausfüllen könnte. Konnte er nicht. Mané stand öfter im Abseits, als er das Tor traf. Trainer Julian Nagelsmann brach das Mittelstürmer-Experiment bereits im Spätsommer ab und setzte ihn fortan vorrangig auf dem linken Flügel ein.

Ein Sehnenriss am Wadenbeinköpfchen im November kostete ihn die WM-Teilnahme mit dem Senegal. Nach seinem Comeback im Februar gelang ihm nichts mehr, weder unter Nagelsmann noch unter Nachfolger Thomas Tuchel. In der gesamten Rückrunde erzielte Mané wettbewerbsübergreifend nur ein einziges Tor. Der Frust war ihm anzumerken, in der Kabine war er bald isoliert und bei den Fans, mit denen er zum Saisonstart noch öffentlichkeitswirksam am Zaun gefeiert hatte, galt er längst nicht mehr als Sympathieträger.

Den Tiefpunkt erreichte Mané, als er im April seinen Mitspieler Leroy Sané schlug. Für Verwunderung sorgte auch der Umstand, dass ein befreundeter Journalist Manés aus dem Senegal anschließend (vehement dementierte) Rassismus-Vorwürfe gegen Sané streute. Dieser Vorfall wiegt schwerer als jedes sportliche Versagen. Dass Mané dem FC Bayern in dieser Kader-Konstellation auf dem Platz nicht weiterhilft, hätte man durchaus ahnen können - dass er aber auch charakterlich enttäuschte, kam dagegen überraschend.

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Sadio Mané: Der FC Bayern kommt glimpflich davon

Als Reaktion auf den Schlag suspendierte ihn der FC Bayern für ein Spiel und forcierte seitdem seinen Abschied. Die Verpflichtung an sich war ein Fehler. Den Umständen entsprechend darf es aber als Erfolg gewertet werden, dass die Münchner nun in etwa die Summe bekommen, die sie vor einem Jahr für ihn gezahlt haben. Somit endet das Missverständnis aus Sicht des FC Bayern vorzeitig und glimpflich, weitere Unruhen und Kosten werden vermieden.

Die Ablöse und sein eingespartes Jahresgehalt von kolportierten 22 Millionen Euro schaffen neue Spielräume beim Poker um den dringend benötigten Mittelstürmer Harry Kane. Weil Mané im Kader ohnehin überflüssig war, entsteht durch seinen Abgang auch keine Baustelle.

Der größte Verlierer des Missverständnisses dürfte Mané selbst sein. Sein einst positives Image zerbröckelte in München. Seine bis vergangenen Sommer spektakulär erfolgreiche Karriere trudelt nun jäh aus - obwohl er erst 31 Jahre alt ist und das dem Vernehmen nach gar nicht wollte.

Mané strebte eigentlich einen zweiten Anlauf in München an oder wenigstens einen Verbleib innerhalb Europas. Weil er beim FC Bayern aber unerwünscht war und sportlich interessante Angebote offenbar ausblieben, stimmte er letztlich dem Wechsel nach Saudi-Arabien zu. Immerhin versüßt ihm das Gehalt von 40 Millionen Euro im Jahr einen Karriereschritt, den er nicht angestrebt hatte.

FC Bayern München: Die wichtigsten Termine der Vorbereitung des FCB

DatumEreignis
15. - 20. Juli 2023Trainingslager am Tegernsee
18. Juli 2023Testspiel gegen FC Rottach-Egern (27:0)
23. Juli 2023Teampräsentation in der Allianz Arena
24. Juli - 3. August 2023"Audi Summer Tour" in Japan und Singapur
26. Juli 2023Testspiel gegen Manchester City in Tokio, Japan (1:2)
29. Juli 2023Testspiel gegen Kawasaki Frontale in Tokio, Japan (1:0)
2. August 2023Testspiel gegen den FC Liverpool in Singapur
7. August 2023Testspiel gegen AS Monaco in Unterhaching
12. August 2023Super Cup gegen RB Leipzig in München
18.-20. August 2023Start der Bundesliga-Saison 2023/24
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