Fussball

Jerome Boatengs leiser Abgang beim FC Bayern: Wenn Gesten mehr als tausend Worte sagen

Von Dennis Melzer

Jerome Boateng verschwand als Erster aus dem Stadion, auf der Meisterfeier ließ er sich nicht blicken. Ein leiser Abschied vom FC Bayern München?

Es hat beinahe Tradition in dieser Saison: Jerome Boateng verlässt den Bauch der Allianz Arena als Erster, richtet den Blick starr nach vorne, um bloß nicht in Verlegenheit zu kommen, den anwesenden Reportern ein paar Worte schenken zu müssen. Selbst am Samstagnachmittag, als seine Teamkollegen noch siegstrunken in der Kabine gemeinsam die 29. Deutsche Meisterschaft zelebrierten, stahl sich der ehemalige deutsche Nationalspieler davon. Wieder einmal wortlos, wieder einmal viel früher als alle anderen.

Rund eine Stunde nach Abpfiff wurde Boateng von einem schwarzen Sportwagen abgeholt, verschwand im regen Verkehrstreiben rund ums Fröttmaninger Rund. Auf der Meisterfeier, die im Anschluss am Nockherberg stattfand, ließ Boateng sich nicht mehr blicken. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge wohnte er stattdessen der Hochzeit eines guten Freundes bei. Demnach habe seit Wochen festgestanden, dass der Innenverteidiger bei der Sause mit seinem Arbeitgeber nicht anwesend sein würde.

Jerome Boateng bei Bayern-Meistersause: Fernab des Trubels

Dennoch: Boateng machte insgesamt einen nachdenklichen, beinahe wehmütigen Eindruck. Zu Beginn der Feierlichkeiten, noch auf dem Platz, als Spieler und Trainerstab von Stadionsprecher Stephan Lehmann aus dem Tunnel gen Rasen gebeten wurden, um an den spalierstehenden FCB-Legenden applaudierend vorbeizumarschieren, ließ er sich zwar nichts anmerken, winkte den Fans zu und reihte sich neben seinen Mannschaftskameraden auf dem Podest ein. Im Anschluss aber, im Moment der kollektiven Ausgelassenheit, als seine Teamkollegen sich gegenseitig über den Platz jagten, um die eine oder andere Weißbierdusche entweder zu verteilen oder jener zu entfliehen, saß Boateng mit seinen beiden Töchtern fernab des Trubels auf dem Siegerpodest.

In sich gekehrt, ein Stück weit isoliert. Dass Boateng mit seiner Rolle als Innenverteidiger Nummer drei hinter Niklas Süle und Mats Hummels hadert, ist selbstverständlich. Nur in zwei der vergangenen fünf Bundesliga-Spiele durfte der gebürtige Berliner mitwirken, die restliche Zeit verbrachte er auf der Ersatzbank. In der kommenden Spielzeit bekommt er in Person der beiden französischen Weltmeister Lucas Hernandez und Benjamin Pavard zwei weitere - vor allem in Lucas' Fall - extrem kostspielige Konkurrenten.

Bericht: Boatengs Abschied vom FC Bayern steht fest

Klar, dass sich längst wieder Transfergerüchte um ihn ranken. Die Süddeutsche berichtet, dass ein Abgang bereits feststünde. Erst im vergangenen Sommer deutete sich bereits ein Engagement bei Paris Saint-Germain an, der FCB schob letztlich aber doch noch einen Riegel vor den Wechsel. PSG wird auch diesmal als potenzieller Abnehmer für Boateng gehandelt. Auch Juventus Turin geistert immer mal wieder durch die Medienlandschaft. Da sein Arbeitspapier noch bis 2021 gültig ist, winkt den Münchnern noch eine ordentliche Ablöse.

Offiziell kommuniziert wurde ein Abgang Boatengs bislang nicht. Auch ein Grund, weshalb er - anders als Rafinha, Franck Ribery und Arjen Robben - nicht mit Blumen, gerahmtem Bild und feierlichen Gesängen bedacht wurde. Sollte es tatsächlich so kommen, dass der 30-Jährige am kommenden Samstag letztmalig im Kader des FC Bayern steht, wäre es ein leiser, ein unrühmlicher Abgang.

Kein Bedankt, kein Obrigado, kein Merci, kein Danke. Man hätte ihm einen anderen Abschied gewünscht. Ein emotionales Servus für einen, der nur selten große Emotionen zeigt. Ein Lebewohl, das einem, der die erfolgreiche Ära mit sieben Meisterschaften, drei DFB-Pokal-Siegen und dem Champions-League-Triumph 2013 mitgeprägt hat, angemessen wäre. Stattdessen wirkte Boateng am Samstagnachmittag nur eines: Einsam.

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