Fussball

Bundesliga: Hitzlsperger geht volles Risiko - bleibt Weinzierl noch einen Monat?

Thomas Hitzlsperger will erst einmal mit Trainer Markus Weinzierl weitermachen - aber wie lange noch?

Der VfB Stuttgart steckt nach dem 1:3 gegen RB Leipzig weiter in der Krise, die Bilanz der letzten Wochen und Monate ist einfach nur verheerend. Trotzdem setzt Thomas Hitzlsperger weiter auf Trainer Markus Weinzierl - und das wohl nicht nur kurzfristig. Ein Blick auf den Spielplan zeigt: Ein weiterer Monat mit Weinzierl ist gut möglich.

Eine Jobgarantie war das nicht, die Hitzlsperger seinem Trainer vor Spielbeginn gegen RB Leipzig ausstellte: "Bis zum Zeitpunkt, wo wir feststellen, wir müssen etwas anderes probieren", werde man weiter auf Markus Weinzierl setzen, betonte der neue starke Mann am Neckar, und hielt sich damit alle Optionen offen.

90 Spielminuten später sahen viele diesen Zeitpunkt bereits gekommen. 1:3 daheim verloren, die sechste Pleite in den letzten sieben Spielen. Mit 15 Punkten klebt der VfB weiter auf dem Relegationsplatz, am Montag könnte Nürnberg sogar vorbeiziehen. Es ist die zu diesem Zeitpunkt schlechteste Saison der Vereinsgeschichte.

Hitzlsperger hatte jedoch genug Positives gesehen, um seinem angeschlagenen Trainer eine Jobgarantie auszustellen: Weinzierl werde am kommenden Freitag in Bremen definitiv auf der Bank sitzen, erklärte er - und es wäre höchst verwunderlich, wenn er bei diesem Versprechen so viele "Freiheiten" erlaubt hätte wie sein Vorgänger Michael Reschke im Oktober.

Damit hat der neue Sportvorstand nur wenige Tage nach Amtsantritt bereits eine richtungsweise Entscheidung gefällt. Im Kampf um den Klassenerhalt geht er volles Risiko und setzt damit nicht nur die Zukunft des VfB aufs Spiel, sondern auch seine eigene.

Es spricht nämlich einiges dafür, dass Weinzierl nicht nur am kommenden Wochenende Übungsleiter sein wird.

VfB Stuttgart mit katastrophaler Bilanz unter Weinzierl

Selbst die VfB'sche Leistungssteigerung gegen Leipzig sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass Weinzierl laut den branchenüblichen Gesetzen eigentlich nicht mehr haltbar ist. Seit seinem Amtsantritt haben die Schwaben elf von 15 Bundesligaspielen verloren, ein mickriges Pünktchen hat das Team in den letzten sieben Spielen geholt. Stuttgart hat die meisten Gegentore der Liga gefangen und das schlechteste Torverhältnis aufzuweisen. 15 oder weniger Punkte hatten zu diesem Zeitpunkt in der Liga-Historie zehn Teams vorzuweisen - nur drei davon konnten sich am Ende retten.

Dass Weinzierl nicht schon vor Wochen entlassen wurde, liegt sowieso nur daran, dass die Konkurrenz aus Nürnberg (zwölf Punkte) und Hannover (14) noch hilfloser agiert. 15 Punkte und 18:50 Tore nach 22 Spielen hätten in diesem Jahrtausend bisher ausnahmslos einen direkten Abstiegsplatz bedeutet. Will man sich wirklich darauf verlassen, dass es im Tabellenkeller so weitergeht? Sportlich gesehen gibt es keine Argumente, die rechtfertigen, dass Weinzierl weiter im Amt bleibt.

Spielplan: Die kommenden Gegner des VfB Stuttgart

DatumGegnerHinspielergebnis
22. FebruarWerder Bremen (A)2:1
3. MärzHannover 96 (H)1:3
9. MärzBorussia Dortmund (A)0:4
16. März1899 Hoffenheim (H)0:4
31. MärzEintracht Frankfurt (A)0:3

Hitzlsperger: Mit Weinzierl gegen Hannover 96?

Trotzdem hält Hitzlsperger an ihm fest und sprach bei Sky davon, dass ihn die letzten Tage positiv gestimmt hätten: "Die Basis ist gut. Einstellung und Mentalität war heute sehr, sehr erfreulich, und da bauen wir drauf auf."

Diese Meinung muss man nicht zwangsläufig teilen - wie kann es sein, dass Leipzig auswärts mehr läuft als Abstiegskandidat Stuttgart vor eigenem Publikum? -, sie verrät aber, dass der 36-Jährige einen Aufwärtstrend erkannt haben will.

Und dieser soll den VfB nicht nur gegen Werder beflügeln, sondern vor allem im Sechs-Punkte-Heimspiel am 3. März gegen Hannover 96.

Hitzlsperger ist Realist. Auch inklusive Leistungssteigerung ist Stuttgart in Bremen klarer Außenseiter. Sollte der Plan sein, Weinzierl nach einem Remis oder einer Niederlage im Weserstadion zu feuern, hätte er es auch jetzt schon tun können - es müsste sich schon ein ähnlicher Offenbarungseid abspielen wie gegen die Fortuna.

Andernfalls käme die Entlassung einem Zickzack-Kurs gleich. Sie würde die Mannschaft, deren Führungsspieler sich am Samstagnachmittag pro Weinzierl äußerten, weiter verunsichern und einem neuen Trainer nur wenige Tage Vorbereitung auf Hannover lassen.

VfB Stuttgart: Wird Weinzierl zum "Lame Duck"-Trainer?

Nein, der Sportvorstand setzt alles auf eine Karte: In den kommenden zwei Wochen will er das Team mit Weinzierl soweit in Schuss gebracht haben, dass gegen Hannover der so enorm wichtige Dreier eingefahren wird.

Sollte auch das schiefgehen und 96 in Stuttgart sogar gewinnen, wird es ganz schwer. Eine anschließende Entlassung Weinzierls in diesem Fall wäre übrigens auch keine Lösung - der neue Trainer stünde nämlich in höchster Gefahr, sechs Tage später in Dortmund abgeschossen und direkt demontiert zu werden. Wahrscheinlicher wäre Weinzierl als "Lame Duck" gegen den BVB und Hoffenheim, um pünktlich zu Beginn der Länderspielpause einen neuen Trainer zu präsentieren.

VfB-Fans sollten sich also auf mindestens einen weiteren Monat mit Weinzierl einstellen.

Steigt der VfB zum Saisonende tatsächlich ab, stünde so auch Hitzlsperger massiv unter Beschuss: Der neue starke Mann hätte aufs falsche Pferd gesetzt und zu lange am falschen Trainer festgehalten. Fraglich, ob er als Sportvorstand dann noch zu halten wäre.

"Das Ergebnis ist das einzige, was nicht so wünschenswert war", stellte er nach dem Leipzig-Spiel fest.

Aber es ist am Ende auch das einzige, was zählt.

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