Fussball

Fankrawalle bei Hertha BSC gegen Borussia Dortmund: Polizei verteidigt Einsatz

SID
Am Samstag kam es beim Spiel zwischen der Hertha und dem BVB zu Krawallen.

Zwei Tage nach den Gewaltexzessen rund um das Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und Hertha BSC (2:2) hat die Dortmunder Polizei ihre massiven Einsatz gegen Berliner Hooligans verteidigt und generell auf die Verrohung der Sitten in den deutschen Stadien hingewiesen.

"Es ist leider so, dass wir es mit einer Situation zu tun haben, von der ich überzeugt bin, dass es falsch ist, einfach zur Tagesordnung überzugehen. Es geht gar nicht nur um die Frage Pyrotechnik ja oder nein? sondern darum, wie wir Unbeteiligte schützen können. Es gab vonseiten der Randalierer kein Interesse am Spiel und keinerlei Rücksicht. Wir mussten zu der Prognose kommen, dass hinter dem Schutz einer solchen Fahne die Vorbereitungen weiterer Straftaten zu befürchten ist", sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange am Montag auf einer Pressekonferenz in der Westfalenmetropole.

Der Kontrollausschuss des DFB wird gegen beide Klubs ein Ermittlungsverfahren einleiten. Das entspreche "dem üblichen Prozedere in solchen Fällen", teilte der DFB am Montag mit. Beide Klubs werden zu Stellungnahmen aufgefordert.

Polizeichef: Von Krawallmachern und Kriminellen distanzieren

Der Polizeichef sprach von einer alternativlosen Vorgehensweise seiner Beamten, die die Interessen des Rechtsstaates vertreten hätten. Lange nahm alle Verantwortlichen im deutschen Fußball in die Pflicht, sich von solchen "Krawallmachern, Chaoten, Brutalos und Kriminellen" zu distanzieren und geeignete Maßnahmen zu treffen, dass diese Leute nicht mehr in den deutschen Arenen ihr Unwesen treiben können: "Wir brauchen den Schulterschluss. Ich setze auf Gemeinsamkeit und Einsicht, damit wir die Stadien für alle attraktiv halten können. Wir sind in einem Stadion nicht in einem rechtsfreien Raum."

Einsatzleiter Edzard Freyhoff verwies auf den großen Zuspruch der Bevölkerungen für das Verhalten seiner Beamten nach den Angriffen der Hertha-Chaoten. Das Match sei ein "Grün-Spiel" gewesen, ohne vorherige Anzeichen für Auseinandersetzungen. "Wir haben ein Spiel mit geringem Risiko erwartet", berichtete er weiter. Dann sei man aber von dem übermäßigen Einsatz von Pyrotechnik etwas überrascht gewesen und habe entsprechend reagiert.

Man sei sich darüber im Klaren gewesen, dass der "Entzug des Banners, das ein Heiligtum der Hertha-Fans ist, zu Problemen und massiven Reaktionen der Berliner führt". Man habe damit gerechnet, dass die an dieser Aktion beteiligten Polizisten mit Abwasserrohren und Fahnenstangen angegriffen werden, getreten und mit Bier überschüttet würden.

Attacken auf Beamte mit zerstörten Kloschüsseln

In der Halbzeit hätte der Mob aus Berlin zunächst Sanitärräume unter der Tribüne komplett demoliert und sei dann unter anderem mit Kloschüsseln auf die Ordnungshüter losgegangen. Das Ansinnen der Polizei sei es aber immer gewesen, Unbeteiligte zu schützen. Freyhoff bestätigte zudem, dass Dortmunder Ultras versucht hätten, die Berliner Hooligans im Kampf gegen die Polizei zu unterstützen. Dies sei aber zum Glück verhindert worden.

Die Ermittlungen sind am Montagvormittag gestartet. "Es liegt ausreichendes Videomaterial vor, dass es uns ermöglichen wird, viele Täter zu überführen", sagte Ronald Aßmus, der Leiter der Ermittlungskommission Bär.

Zu Spielbeginn hatten Berliner Anhänger Pyrotechnik gezündet und den gesamten Nord-Ost-Bereich des Signal Iduna Parks eingenebelt. Schiedsrichter Sascha Stegemann musste den Anpfiff hinauszögern, bis wieder freie Sicht war. Um sich zu tarnen, versteckten sich die Berliner Fans unter ihrer riesigen Ultra-Fahne, die als Sichtschutz genutzt wurde.

Auf dem Banner stand "15 Jahre Hauptstadtmafia". Auch nach Aufforderung des Stadionsprechers war die Fahne zuvor nicht eingerollt worden, sodass die Polizei das Teil an sich nahm. Dies empfanden die Hooligans als größtmögliche Provokation. Insgesamt wurden fünf Beamte auf der einen und 45 Personen, ausschließlich Berliner, auf der anderen Seite verletzt.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung