Fussball

Ondrej Dudas starker Saisonstart mit Hertha BSC: Berlins Ronaldinho

Von Marc Hlusiak
Ondrej Duda legte bei der Hertha einen Saisonstart nach Maß hin und glänzte mit einem Doppelpack auf Schalke.
© getty

Ondrej Duda galt nach zwei verkorksten Jahren bei Hertha BSC schon als Fehleinkauf. Jetzt ist er plötzlich Freistoßgott und Starspieler der Alten Dame. Ein Durchbruch in allerletzter Sekunde.

Ronaldinho, Götze, Duda. Drei Namen, drei fußballerische Preisklassen. Und dennoch haben diese Spieler seit dem vergangenen Wochenende eine Gemeinsamkeit. Mit ein und demselben Freistoßtrick narrten sie die gegnerische Mauer samt des dahinter befindlichen Torhüters, erzielten ein denkwürdiges Traumtor und kreierten so einen Moment, an den sich Fans und Verantwortliche noch lange zurückerinnern werden.

Das Prinzip ist einfach, die Umsetzung jedoch nicht. Und so funktioniert's: Nach kurzem Anlauf wird der Ball - entgegen allgemeiner Gewohnheit - nicht hoch, sondern flach in Richtung Mauer geschossen. Dabei ist im Besonderen auf das Tempo des Spielgerätes zu achten. Ist dieses richtig dosiert und stimmt die Richtung, wird der Ball unter der reflexartig hochspringenden Mauer hindurch ins Tor kullern. Das Ergebnis ist ein extrem dumm aus der Wäsche schauender gegnerischer Torwart und Zählbares auf der Anzeigetafel für das eigene Team.

Dudas Stolperstart bei Hertha BSC: Es roch nach Fehleinkauf

Dudas Kabinettstückchen in der ersten Minute der Nachspielzeit hätte am vergangenen Samstag in Wolfsburg beinahe zum dritten Hertha-Sieg im dritten Bundesligaspiel der Saison gereicht. Der noch spätere Ausgleichstreffer durch Admir Mehmedi machte dem jedoch einen Strich durch die Rechnung.

Dennoch: die Erkenntnis, dass Ondrej Duda der Spieler ist, der er für die Hertha sein kann, will und muss, verfestigt sich immer mehr. Dass er das erst jetzt, rund zwei Jahre nach seinem Wechsel zur Hertha tut, hatte neben den normalen Anpassungsproblemen vor allem mit immer wiederkehrenden Verletzungsproblemen zu tun. Duda war ein Problemfall.

Für rund vier Millionen Euro wechselte der Slowake im Sommer 2016 von Legia Warschau zur Alten Dame. In seiner Premierensaison spielte er aufgrund von Patellasehnenproblemen und Muskelfaserriss nur 67 Minuten. Ein Jahr später stand er zwar immerhin in 17 Bundesligaspielen auf dem Feld, von Kontinuität war aufgrund von Wadenproblemen und ständigem Trainingsrückstand aber nichts zu sehen. Es roch nach Fehleinkauf.

Hertha-Trainer Pal Dardai über Duda: "Der technisch beste Spieler hier"

Doch vor allem Trainer Pal Dardai glaubte stets an ihn: "Die Qualität, die Duda hat, haben wir sonst nicht. Er ist technisch der beste Spieler hier", sagte er gegen Ende der vergangenen Saison. "Der Junge kann unserem offensiven Spiel einen Stempel aufdrücken."

Und Dardai hatte recht. Duda kann dem Hertha-Spiel den Stempel aufdrücken und tut das aktuell zweifellos - mit knapp zwei Jahren Verspätung. Nach drei Spieltagen in der Bundesliga steht Duda bei drei Toren (zwei direkt verwandelte Freistöße). Duda zahlt zurück und bestätigt damit das Vertrauen, das ihm die Vereinsoberen im Sommer noch einmal entgegengebracht hatten.

Ondrej Dudas Leistungsdaten bei Hertha BSC

VereinSpieleToreAssists
Hertha BSC304-
Legia Warschau1011619
FC VSS Kosice3863

Duda bei Hertha BSC: die Number 10

Voraussetzung für Dudas Hoch ist seine Fitness. Schon in der Vorbereitung attestierte Dardai dem 23-Jährigen eine "gute Vorbereitung", eine "gute Form". Nach dem Spiel gegen Wolfsburg lobte Dardai dann: "Er hat sich sehr gesteigert in diesem Jahr."

Dass Duda fit ist, beweist er nicht nur durch Tore. Auch seine sonstigen Werte zeigen, wie wichtig der Mittelfeldmann geworden ist. Beim Auswärtserfolg auf Schalke spulte er starke 12,33 Kilometer ab, gewann zudem 61 Prozent seiner Zweikämpfe. Sein Selbstvertrauen ist auf einem absoluten Hertha-Hoch.

"Er hat nicht nur ein Sensationstor erzielt, er ist auch unglaublich viel gerannt", betonte Co-Trainer Rainer Widmayer und fügt mit Blick auf Dudas Sensationsfreistoß an: "Das können nur außergewöhnliche Spieler. So etwas siehst du in der Bundesliga nur ganz, ganz selten. Ondrej heißt bei uns nicht umsonst Number 10."

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