Fussball

Holger Badstuber - das Gesicht des Stuttgarter Fehlstarts: (Keine) Zeit für Sanierung

Donnerstag, 30.08.2018 | 08:59 Uhr
Holger Badstuber verschuldete mit seinem nachlässigen Zweikampfverhalten gegen Quaison das 0:1 gegen Mainz 05.
© getty

Holger Badstuber ist mit seinen Patzern aus den ersten beiden Pflichtspielen das Gesicht des Stuttgarter Fehlstarts. Der 29 Jahre alte Innenverteidiger ist aktuell zu schwach für seine selbst auferlegte Bürde. VfB-Trainer Tayfun Korkut setzt dennoch auf Badstuber. Doch wie lange noch?

Aufstehen und zurückkämpfen. Das klingt im Englischen und in einem Hashtag verpackt natürlich viel besser und dennoch bleibt diese Botschaft nach Stuttgarts Auftaktniederlage gegen Mainz 05. "Extrem ärgerlich. Ich werde meine Lehren ziehen und intensiv an mir arbeiten. #standupfightback #hb28", schrieb Bastuber auf seinem Instagram-Kanal.

Der Innenverteidiger hatte maßgeblichen Anteil am verpatzten Saisonstart des VfB. Bereits im DFB-Pokal gegen Hansa Rostock fiel der Stuttgarter Leistungsträger der vergangenen Saison negativ auf, als er im Zweikampf mit dem Torschützen zum 0:1, Cebio Soukou, viel zu nachlässig agierte und dem Rostocker im Anschluss nicht folgen konnte.

Beim Bundesliga-Auftakt gegen Mainz ein ähnliches Bild: Nach einem kontrollierten Befreiungsschlag der Hausherren ließ sich Badstuber zunächst drei Meter von Quaison im Sprintduell abnehmen, um dann auch körperlich im Eins-gegen-Eins das Nachsehen zu haben. Badstuber ging zu Boden und konnte Quaisons flache Hereingabe auf den Torschützen Anthony Ujah mit seinem Hechtsprung-artigen Rettungsversuch nicht verhindern.

Holger Badstuber und die Bürde von "Mister Champions League"

Enttäuschtes Achselzucken. Blick auf den Boden. Wieder war ein Fehler von Badstuber mitentscheidend für die Stuttgarter Niederlage. Dabei sollte der Innenverteidiger doch der Stabilisator in der Defensive sein.

Was folgte, war eine schonungslose Selbstkritik. Und auch einige wenige Fans sparten nicht mit scharfem Tadel. "Zu langsam" sei "Mister Champions League".

Mister Champions League - ein Titel, den sich Badstuber mit Sicherheit nicht ausgesucht, mit seinem zwischenzeitlichen Abschied vom VfB jedoch provoziert hat. "Mein Ziel ist nicht die Euro League, sondern die Champions League", hatte der Verteidiger Ende Mai im Interview mit Sport Bild proklamiert und sich auf öffentlichem Weg mehrere Optionen offen gehalten.

Diesen Schachzug legten ihm einige VfB-Fans als Undankbarkeit aus. Badstuber erlegte sich selbst eine Bürde auf, die er bis heute mit sich herumträgt. Nun wird er am Level eines Champions-League-Verteidigers gemessen. Das widerspricht natürlich keineswegs seinen Ambitionen, nur wird Badstuber diesen Anforderungen aktuell nicht gerecht.

Badstubers Leistungsdaten beim VfB Stuttgart in der Saison 2017/18

SpieleTorePassquoteErfolgreiche TacklesKlärende Aktionen pro Spiel
27283 Prozent73 Prozent3,89

Badstuber prognostizierte schweren Start: "Noch nicht bei 100 Prozent"

Daran leidet seine Mannschaft. Badstuber selbst hatte noch vor dem Saisonstart im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten gewarnt: "Wir müssen zunächst einmal die Tugenden einbringen, die uns letztes Jahr stark gemacht haben. Dazu zählt vor allem eine starke Defensive. Diese Basis darf nicht bröckeln."

Doch genau das ist passiert. Die Basis bröckelt. Stuttgart hatte in der vergangenen Saison die zweitbeste Defensive, auch dank Badstuber. Dazu kommt, dass der Ex-Bayer aufgrund seiner Erfahrung und Mentalität Wortführer bei den Stuttgartern ist. Doch eben seine Patzer bescherten dem VfB zwei bittere Pleiten zu Beginn der Saison.

Dabei harmonierten Benjamin Pavard und Badstuber in Mainz gut miteinander. Der Franzose übernahm wie sonst auch den aktiveren Part in der Innenverteidigung, während Badstuber als Absicherung über sein Stellungsspiel und seine Aggressivität im Zweikampf zur Stabilität beiträgt. Die Basis steht also noch. Nur: Sie bröckelt eben.

Was tun, wenn das Fundament bröckelt? Sanieren. Badstuber kündigte bereits an, intensiv an sich arbeiten zu wollen. Er prognostizierte schon vor der Saison einen möglicherweise schwierigen Start. "Einige Spieler - da schließe ich mich mit ein - sind noch nicht bei 100 Prozent", sagte er gegenüber den Stuttgarter Nachrichten.

Baumgartl und Kempf als Alternativen - Badstuber fehlt Spritzigkeit

Badstubers Vorstellung gegen Mainz war bei weitem nicht schlecht. Gerade mit Ball am Fuß überzeugte er, übernahm den Spielaufbau, war sicher in seinen Pässen und setzte seine Vordermänner immer wieder gut in Szene. Auch defensiv gewann er über 70 Prozent seiner Zweikämpfe. Es fehlte Badstuber jedoch wie schon gegen Rostock die nötige Spritzigkeit - eben ein paar Prozent.

Das zeichnete sich schon in der Vorbereitung ab, als Badstuber aufgrund seiner Verletzungsanfälligkeit und wiederkehrender Muskelprobleme einige intensive Einheiten ausließ und stattdessen individuell trainierte.

Diese fehlenden Prozente muss sich Badstuber nun also schnellstmöglich erarbeiten. Viel Zeit für seine persönliche Sanierung hat der 29-Jährige nicht. Zum einen drückt die Konkurrenz um Timo Baumgartl und Marc Oliver Kempf in die Startelf. Zum anderen erwartet der VfB am Samstag den FC Bayern München in der Mercedes-Benz Arena (18.30 Uhr im LIVETICKER).

VfB-Trainer Tayfun Korkut vertraut Holger Badstuber - aber wie lange noch?

Dass Korkut den Innenverteidiger gegen die Bayern schon auf die Bank setzt, würde überraschen. Auch Badstuber, der erklärte: "Korkuts Arbeit zeichnet sich durch eine klare Struktur und durch Konstanz aus - ob Erfolg oder Misserfolg. Er legt Wert auf Hierarchien, weshalb jeder weiß, woran er ist."

Der VfB-Coach bestätigte diese Einschätzung. Korkut kündigte nach der Auftaktpleite in Mainz zwar eine schonungslose Analyse an, relativierte angesprochen auf Badstuber jedoch: "Wenn wir anfangen, jedem Spieler, der Fehler macht, einen Vorwurf zu machen, wo enden wir dann? Wir wissen, was passiert ist und er weiß es auch."

Schafft Badstuber es jedoch kurzfristig nicht, die Defizite seines Spiels zu beheben, ist er zweifelsohne ein Risiko für die bröckelnde Stuttgarter Basis. Korkut wird irgendwann die Konsequenzen ziehen und Hierarchien aufbrechen müssen. Schließlich wächst auch der Druck auf ihn.

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