Fussball

HSV-Trainerfrage geklärt: Bernd Hollerbach folgt auf Markus Gisdol

SID
Bernd Hollerbach war zuletzt als Trainer bei den Würzburger Kickers beschäftigt.

Bernd Hollerbach ist übereinstimmenden Medienberichten zufolge neuer Trainer beim Hamburger SV. Der 48-Jährige tritt die Nachfolge von Markus Gisdol an, dessen Entlassung der Klub am Sonntagvormittag bekannt gegeben hatte. Hollerbach erhält übereinstimmenden Medienberichten einen Vertrag bis Sommer 2019. Lediglich die offizielle Bestätigung von Seiten des Klubs steht noch aus.

Bernd Hollerbach ist neuer Trainer beim stark abstiegsbedrohten Hamburger SV und damit Nachfolger von Markus Gisdol. Der langjährige HSV-Profi Hollerbach soll schon am Montagmittag in der Hansestadt als Retter vorgestellt werden und ab 15 Uhr die erste Trainingseinheit leiten.

Der 48-Jährige trug von 1996 bis 2004 das Trikot der Rothosen. Als Cheftrainer begann er ein Jahr später beim Hamburger Amateurklub VfL 93. Überregional als Coach bekannt wurde Hollerbach zwischen 2014 und 2017, als er die Würzburger Kickers von der Regionalliga mit zwei Aufstiegen hintereinander in die 2. Liga führte. Laut Bild wird der frühere Abwehrspieler einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019 unterschreiben.

Gisdol: "Ich hätte gern weitergemacht"

Knapp 30 Stunden vor dem Einstieg seines Nachfolgers hatte Gisdol schneller als der Verein selbst sein Ende beim Bundesliga-Dino bestätigt. "Ich möchte jetzt erst einmal heim und das sacken lassen. Ich hätte gern weitergemacht,", sagte der 48-Jährige, ließ die Seitenscheibe seines Noch-Dienstwagens vor rund 30 Journalisten wieder hochsurren und räumte ein letztes Mal seinen reservierten Parkplatz vor dem Volksparkstadion.

Erst eine knappe halbe Stunde später bestätigte der Klub mit einer dürren Mitteilung die Trennung, das "uneingeschränkte Vertrauen" war nach nur einer Woche schon wieder aufgebraucht - rund 14 Stunden nach dem ernüchternden 0:2 gegen den Tabellenletzten 1. FC Köln. Es war das sechste Spiel in Serie ohne Sieg, die vierte Niederlage in Folge für den HSV.

Bruchhagen: "Gab keine Alternative"

"Vorzeitige Trennungen von Trainern sind grundsätzlich nicht gewollt, aber wir glauben, dass neue Impulse zwingend notwendig sind, um das nach wie vor angestrebte Ziel Klassenerhalt zu erreichen", erklärte HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Das erneut harmlose Auftreten gegen Köln ließ die Verantwortlichen an der Elbe endgültig umdenken.

Wie der 69-Jährige am Mittag bestätigte, sei die Entscheidung für den Trainer einstimmig gewesen. "Sie ist uns allerdings nicht leicht gefallen. Es gab keine Alternative. Der neue Trainer soll die Verunsicherung in der Mannschaft lösen", sagte Bruchhagen.

Aber der Klubboss übernahm auch eine Mitverantwortung für die prekäre Lage beim HSV: "Wir haben die jetzige Situation, so wie sie ist, nicht vorhergesehen und müssen uns nun auch selbst hinterfragen."

Zusammen mit Gisdol müssen auch dessen bisherige Co-Trainer Frank Fröhling und Frank Caspari den HSV verlassen. Das sonntägliche Vormittagstraining leitete Athletikcoach Daniel Müssig, unterstützt von Torwarttrainer Stefan Wächter.

HSV-Saisonbilanzen seit 2000

SaisonPlatzierungPunkteToreTrainer am Saisonende
1999/20003.5963:39Frank Pagelsdorf
2000/200113.4158:58Frank Pagelsdorf
2001/200211.4051:57Kurt Jara
2002/20034.5646:36Kurt Jara
2003/20048.4947:60Klaus Toppmöller
2004/20058.5155:50Thomas Doll
2005/20063.6853:30Thomas Doll
2006/20077.4543:37Huub Stevens
2007/20084.5447:26Huub Stevens
2008/20095.6149:47Martin Jol
2009/20107.5256:41Ricardo Moniz
2010/20118.4546:52Michael Oenning
2011/201215.3635:57Thorsten Fink
2012/20137.4842:53Thorsten Fink
2013/201416.2751:75Mirko Slomka
2014/201516.3525:50Bruno Labbadia
2015/201610.4140:46Bruno Labbadia
2016/201714.3833:61Markus Gisdol

Nackte Panik und happige Aufgabe für Hollerbach

Angesichts einer fehlenden sportlichen Entwicklung und nur 15 Punkten aus 19 Spielen regiert im hohen Norden die nackte Panik. Der erste Absturz in die Zweitklassigkeit muss nicht nur wegen der leeren Kassen unbedingt verhindert werden.

Ende September 2016 hatte Gisdol den HSV von Labbadia übernommen und in der Folge am letzten Spieltag der Vorsaison den direkten Klassenerhalt geschafft - doch aus dem dauerhaften Krisenmodus fand der Schwabe an der Waterkant nie heraus.

Mit dem oft wiederholten Verweis, mit diesem Team sei nicht mehr drin als Existenzkampf, versuchte Gisdol die schwachen Spiele und Ergebnisse zu rechtfertigen. Kritiker bemängelten zuletzt hingegen, Gisdol habe nie einen Plan B zu seinem nicht funktionierenden System des schnellen Umschaltspiels entwickelt.

Auf seinen Nachfolger kommt eine extrem schwierige Mission zu. Die Mannschaft ist nach den vielen Rückschlägen der Vergangenheit verunsichert, es gibt unzufriedene Spieler wie Walace, der mit seinen Gedanken längst bei einem anderen Klub ist. Und die nächsten Gegner heißen Leipzig, Hannover, Dortmund, Leverkusen und Bremen. Ein leichtes Startprogramm sieht sicher anders aus.

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