Beck erklärt seine Rückkehr zum VfB

Von Andreas Beck
Freitag, 08.09.2017 | 13:00 Uhr
Andreas Beck wurde mit dem VfB Stuttgart 2007 Deutscher Meister
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Andreas Beck wechselte überraschend von Besiktas zum VfB Stuttgart. In seiner SPOX-Kolumne erklärt er seine Beweggründe für die Rückkehr zum VfB und warum ihm der Abschied aus Istanbul sehr schwer gefallen ist.

Hallo zusammen,

normalerweise begrüße ich euch an dieser Stelle ja aus Istanbul. Und noch vor zwei Wochen habe ich nicht mal ansatzweise geahnt, dass sich das so flott ändern könnte. Aber wie heißt es immer: Der Fußball ist enorm schnelllebig - ich bin aktuell wohl ein ganz guter Beweis für diese These :-).

Ich hatte schon vier Pflichtspiele bestritten und war komplett auf die Saison mit Besiktas Istanbul fokussiert, als zwei Tage vor Ende des Transferfensters in Deutschland mein Telefon klingelte. Mein Bruder und Berater Arthur meinte, es könnte sich vielleicht noch kurzfristig die Möglichkeit für einen Wechsel ergeben. Meine erste Reaktion: Lass stecken. Ich kam direkt aus dem Türkisch-Unterricht und hatte den festen Vorsatz, meinen Vertrag bis 2018 zu erfüllen.

Weil meine Familie und ich uns in Istanbul pudelwohl fühlten. Weil es sportlich gut für mich lief. Weil ich mich auf die Champions League freute. Und auf die tolle Atmosphäre in unserem Stadion. Das alles, dachte ich in dem Moment, würde ich nicht für viele Clubs aufgeben. Gut, für den VfB Stuttgart beispielweise vielleicht schon.

Es ging um den VfB. Also von wegen: Lass mal stecken.

Andreas Beck bei Facebook!

Viele Überlegungen, jede Menge Gespräche

Es folgten zwei Tage mit vielen Überlegungen und einer Menge Gespräche. Im privaten Kreis, vor allem mit meiner Frau Manuela. Aber natürlich auch im sportlichen Bereich. Ich tauschte mich intensiv mit VfB-Sportvorstand Michael Reschke und Trainer Hannes Wolf aus - aber auch mit den Besiktas-Verantwortlichen.

Sie signalisierten mir: Aus sportlicher und menschlicher Sicht, würden sie mich sehr gerne behalten - aber es gebe andere Gründe, weshalb ein Wechsel auch aus ihrer Sicht eine Option sein könnte. Aber das waren vertrauliche Gespräche, auf die ich hier nicht näher eingehen will.

Für mich keine leichte Entscheidung. Einerseits. Andererseits hatte ich schon immer den Traum, noch einmal für den VfB zu spielen. Hört sich vielleicht etwas pathetisch an, ist aber wirklich so. Ich komme aus der Region, bin in Stuttgart zur Schule gegangen, habe beim VfB in der Jugend gespielt und dort meine ersten Schritte als Profi gemacht. Ich würde mich also schon als einen Stuttgarter Jungen bezeichnen.

"Ich war nie richtig weg aus Stuttgart"

Und ich bin mir nicht mal sicher, ob man das jetzt als eine Rückkehr bezeichnen kann. Ich war ja nie so richtig weg. Egal, ob ich in Hoffenheim oder in Istanbul gespielt habe - Stuttgart war für mich immer eine Anlaufstation. Meine Eltern leben in der Region, hier habe ich im Sommer letzten Jahres auch geheiratet.

Und natürlich habe ich die Entwicklung beim VfB immer verfolgt. Mal etwas mehr aus der Nähe wie in Hoffenheim, mal aus der Ferne wie in Istanbul. Ich habe beim Abstieg mitgelitten - und ich habe mich beim Aufstieg riesig gefreut.

Ich weiß doch aus eigener Erfahrung, was dieser Verein für die Menschen in der ganzen Region bedeutet. Das ist an jeder Ecke zu spüren, die Euphorie und die Unterstützung ist großartig. Auch ich persönlich bin wieder sehr herzlich aufgenommen worden. Das tut gut.

"Beim VfB kann etwas richtig Gutes entstehen"

Was aber genauso schön ist: Ich habe in den letzten Tagen ebenfalls sehr viel nette Nachrichten aus der Türkei bekommen. In meinen zwei Jahren dort ist schon eine Bindung entstanden, die über den Tag hinaus Bestand haben wird. Meine Familie und ich werden ganz sicher immer wieder nach Istanbul zurückzukehren, um Freunde zu besuchen.

Und ich bin zwar kein Spieler mehr von Besiktas - aber ich werde Fan bleiben. Ich weiß: So etwas wird von vielen Fußballern beim Abschied gesagt. Aber jeder, der schon mal ein Spiel in diesem wundervollen Stadion am Bosporus besucht hat, wird es nachvollziehen können.

Ich hatte das Glück, mit der Mannschaft zweimal Meister zu werden und durfte dort tolle Champions- und Europa-League-Abende erleben. Häufig war es so laut - wir hätten die Kommunikation auf dem Platz auch einstellen können. Man verstand eh kein Wort. Freunde von mir haben bei Besuchen immer Ohropax dabei gehabt.

Und ja: Natürlich hätte ich auch gerne in dieser Saison wieder Champions League gespielt. Das jetzt nicht tun zu können, schmerzt schon etwas. Aber die Vorfreude auf die neue Aufgabe hier in Stuttgart überwiegt. Sonst hätte ich diesen Schritt ja nicht gemacht. Beim VfB kann wieder etwas richtig Gutes entstehen. Und ich finde es klasse, vielleicht einen kleinen Beitrag dazu leisten zu können.

In diesem Sinne: Bis bald.

Euer Andi

Andreas Beck, geboren am 13. März 1987 in Kemerowo (Russland), durchlief sämtliche Junioren-Nationalmannschaften des DFB und spielte ab 2009 neun Mal für die Nationalmannschaft. Beck spielte über 200 Mal in der Bundesliga und wurde 2007 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister. Ein großer Erfolg war auch die Europameisterschaft 2009 mit der U21-Nationalmannschaft. Nach über zehn Jahren in der Bundesliga wechselte Beck 2015 zu Besiktas in die Türkei. Im Sommer 2017 kehrte er zum VfB zurück.

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