Der seltsame Fall des Lucas Alario

Von Jonas Rütten
Donnerstag, 31.08.2017 | 18:15 Uhr
Lucas Alario erzielte in 92 Spiele für River 40 Tore und soll Bayers Sturmproblem lösen
© getty
Advertisement
CSL
Shandong Luneng -
Shanghai SIPG
Club Friendlies
Besiktas -
Reading
Copa Sudamericana
Lanus -
Junior
J1 League
Hiroshima -
Gamba Osaka
J1 League
Nagasaki -
Kobe
CSL
Guangzhou Evergrande -
Zhicheng
Club Friendlies
Sion -
Inter Mailand
Club Friendlies
Dynamo Dresden -
Huddersfield
Club Friendlies
Wolverhampton -
Ajax
Club Friendlies
Blackburn -
Liverpool
Club Friendlies
Besiktas -
Krasnodar
International Champions Cup
Man City -
Borussia Dortmund
CSL
Shanghai SIPG -
Guangzhou Evergrande
International Champions Cup
FC Bayern München -
PSG
Club Friendlies
Benfica -
FC Sevilla
Club Friendlies
Marseille -
Villarreal
J1 League
Kobe -
Shonan
J1 League
Tosu -
Sendai
CSL
Hebei CFFC -
Jiangsu
Allsvenskan
AIK -
Brommapojkarna
International Champions Cup
Liverpool -
Borussia Dortmund
Club Friendlies
Huddersfield -
Lyon
Club Friendlies
Marseille -
Real Betis
International Champions Cup
Juventus -
FC Bayern München
International Champions Cup
Borussia Dortmund -
Benfica
International Champions Cup
Man City -
Liverpool
International Champions Cup
AS Rom -
Tottenham
International Champions Cup
AC Mailand -
Man United
International Champions Cup
Atletico Madrid -
Arsenal
Club Friendlies
Blackburn -
Everton
Copa Sudamericana
San Lorenzo -
Temuco
J1 League
Kobe -
Kashiwa
J1 League
Hiroshima -
Urawa
J1 League
Tosu -
Iwata
CSL
Jiangsu -
Shandong Luneng
International Champions Cup
Arsenal -
PSG
Club Friendlies
St. Pauli -
Stoke
International Champions Cup
Benfica -
Juventus
International Champions Cup
Chelsea -
Inter Mailand
International Champions Cup
Man United -
Liverpool
International Champions Cup
FC Bayern München -
Man City

Er ist einer der teuersten und gleichzeitig kompliziertesten Transfers in der Geschichte von Bayer 04 Leverkusen. Die Werkself hat einiges in Kauf genommen, um Lucas Alario von River Plate loszueisen, aber dabei auch selbst tief in die Transfer-Trickkiste gegriffen. Das hätte beinahe die FIFA auf den Plan gerufen.

"Ich habe es immer gesagt: Lewandowski ist ein Spieler, der meinen Stil widerspiegelt. Ich schaue mir viel von ihm ab, " sagte Lucas Alario gegenüber dem argentinischen Fernsehsender Fox Sports am Mittwoch. Soeben hatte der 24 Jahre alte Stürmer von River Plate eigenhändig seinen Wechsel nach Leverkusen offiziell gemacht. Am Donnerstagnachmittag bestätigte auch Bayer, die Ausstiegsklausel wirksam gezogen und die Ablösesumme überwiesen zu haben.

Damit ist Alario offiziell lediglich vertragslos. Eine Freigabe seitens des argentinischen Verbandes und somit auch die Spielberechtigung für Leverkusen wird "in den nächsten Tagen" erwartet.

Obwohl diese skurrile Situation sinnbildlich für das seltsame Wechselspielchen um Alario ist, wird dieser in Zukunft mit Lewandowski in einer Liga spielen und kann zeigen, was er sich genau bei ihm abgeschaut hat.

Der Weg von Alario in die Bundesliga war beschwerlich und unterwegs dahin lief sein künftiger Verein Gefahr, sich vor der FIFA für sein Vorgehen verantworten zu müssen. Das hing zum einen mit der Starrsinnigkeit von River Plate, aber auch mit einem Deal zwischen Bayer und Alarios Ausbildungsverein CA Colon zusammen.

River Plate, CA Colon und das geteilte Transferrecht

Die Krux an der Personalie Alario war das Transferrecht, das sich River und CA Colon seit dem Wechsel Alarios zur Saison 2015/16 von Santa Fe Richtung El Monumental teilten. Colon behielt dabei 40 Prozent der Transferrechte. Bei einem Verkauf von Alario hätte Colon also automatisch mitverdient.

Mit Beginn des kommenden Jahres hätte sich das schlagartig geändert. Angesichts der starken Leistungen von Alario und seinem steigenden Marktwert hätte River Plate mit Sicherheit die vereinbarte Option gezogen und sich für 1,5 Millionen Euro die restlichen 40 Prozent der Transferrechte gesichert. Die Klausel mit dem geteilten Transferrecht machte sich allerdings Bayer-Manager Jonas Boldt zunutze.

Boldt, dem vor zwei Jahren das Kunststück gelang, keinen Geringeren als den kräftig umworbenen Charles Aranguiz ins Rheinland zu lotsen, handelte einen Deal mit Colon aus. Am Ende dieses Deals zog Bayer die von River festgesetzte Ausstiegsklausel für Alario in Höhe von 24 Millionen Euro lediglich auf dem Papier. In der Praxis umging Bayer die eigentliche Forderung.

River Plate, der große Verlierer

Dabei kalkulierte Boldt ein, dass Colon neun Millionen Euro von der fixen Ablösesumme Alarios bekommen würde. Bayer handelte mit Colon aus, dass fünf Millionen Euro von dem Alario-Deal zurück nach Leverkusen wandern. Im Gegenzug erhielt Colon immerhin vier statt der 1,5 Millionen Euro, die die Vertragsoption Anfang 2018 gebracht hätten.

Somit ergab sich zwischen Bayer, Colon und River eine Win-Win-Lose-Situation, die den argentinischen Rekordmeister als großen Verlierer zurückließ. River wehrte sich mit allen verbliebenen Mitteln gegen den Abgang Alarios.

Einerseits, um 2018 doch noch die gesamten Transferrechte an Alario zu erwerben und bei einem Abgang groß Kasse zu machen. Aber auch, weil in Sebastian Driussi bereits einer der beiden Torgaranten die argentinische Hauptstadt in Richtung St.Petersburg verlassen hatte.

Geheime Medizinchecks und die FIFA

In einem dreiseitigen Schreiben forderte River das Ende des Leverkusener Werbens um Alario und drohten damit, die FIFA einzuschalten: "Für den Fall, dass Sie nicht in einer ausdrücklichen und sofortigen Stellungnahme innerhalb einer Frist von 24 Stunden vom Transfer Abstand nehmen, werden wir die Angelegenheit der FIFA vorlegen."

Bayer soll Alario zu einer einseitigen Vertragsauflösung angestiftet haben. Das würde gegen den FIFA-Paragrafen 16 verstoßen. Dabei spielte auch ein angeblich geheimer Medizincheck in einer Privatklinik in Buenos Aires eine Rolle. River Plate soll davon erst durch Medienberichte erfahren haben. Klar war aber, dass der Verein von dem Ziehen der Ausstiegsklausel informiert war.

Nicht nur deswegen sieht sich Bayer im Recht. "Wir haben uns wie in all den Jahren, in denen wir schon Transfers in Südamerika gemacht haben, völlig korrekt verhalten," kommentierte Rudi Völler. Dem Vernehmen nach soll River den letzten Verhandlungstermin mit der Bayer-Delegation geschwänzt haben. Somit wäre eine Klage völlig wirkungslos.

Alario als effektiver Chicharito-Ersatz

Die zentrale Frage wird sein, ob Alario tatsächlich die Mühe, die zähen Verhandlungen und besonders das Geld wert gewesen ist. Mit Blick auf die vergangenen Investitionen der Leverkusener sind Zweifel durchaus berechtigt. Die Millionen-Transfers des vergangenen Sommers um Kevin Volland (20 Mio.), Aleksandar Dragovic (18 Mio.) und Leon Bailey (13,5 Mio.) waren bisher nicht die erhofften Hilfen. Zumal Dragovic angeblich schon wieder vor dem Absprung steht.

Alarios Aufgabe in Leverkusen wird es sein, die Effektivität ins Sturmzentrum zurückzubringen. Sowohl in München, als auch gegen die TSG Hoffenheim ließ die Bayer-Offensive beste Chancen liegen. Das kostete wertvolle Punkte im Kampf um Europa. Für Alario spricht dagegen seine Torquote von 40 Treffern in 92 Pflichtspielen für River. Mit einer Körpergröße von 1,86 Metern ist er extrem kopfballstark. Ein Attribut, das Bayer im Sturmzentrum abhandengekommen war.

Letztlich soll Alario bei Bayer den abgewanderten Chicharito ersetzen. Dank des Deals von Boldt hat Bayer damit noch nicht einmal ein deutliches Minusgeschäft gemacht. Die kleine Erbse verließ Bayer für 18 Millionen, Alario kommt für 19 Millionen. Sollte er sich genug von Robert Lewandowski abgeschaut haben, darf man Bayer zum Deal des Sommers gratulieren.

Werbung
Werbung
Werbung
Werbung