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Dilemma trotz (Er-)Lösung

Samstag, 24.09.2016 | 22:42 Uhr
Alexander Nouri gewann mit Werder Bremen am 5. Spieltag gegen den VfL Wolfsburg
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Werder Bremen hat endlich den ersten Saisonsieg geholt. Gegen den VfL Wolfsburg zeigte das Team von Interimstrainer Alexander Nouri eine taktisch disziplinierte, kämpferisch starke Leistung. Diesem Werder kehrte Werders Geschäftsführer Klaus Filbry aber schon vor dem Spiel den Rücken zu - womöglich zu voreilig.

Gesicherte Abwehr, diszipliniertes Verschieben, hohe Laufbereitschaft - Werder erkämpfte sich erst die Oberhand im Spiel gegen die Wölfe, dann den ersten Dreier der Saison. Völlig am Ende zerrten sich die Werderaner in der Schlussphase über den Platz. Und Nouris Elf wurde für ihren Willen belohnt.

Das Weser-Stadion kochte. Lange nicht mehr hörte man die Gesänge der grün-weißen Scharen auf den Rängen gefühlt bis nach Hamburg. Dahingehend war der Samstagabend fast schon eine Reinkarnation.

Doch knapp zwei Stunden zuvor hatte Werders Vorsitzender der Geschäftsführung Klaus Filbry bereits mehr oder weniger das Ende dieses wiedergekommenen Werders eingeleitet. Angesprochen auf die Trainersuche und die Gerüchte um Markus Gisdol sagte Filbry: "Er ist sicher ein Kandidat. Markus Gisdol hat in Hoffenheim und bei seinen Stationen zuvor sehr gute Arbeit geleistet. Wir haben uns mit ihm auseinandergesetzt." Von Nouri vorerst keine Rede.

Parallelen zu Gladbach

Gisdol wäre ein Trainer, der für die alten und wohl auch veralteten Werder-Werte stünde. Der ehemalige Trainer der TSG Hoffenheim ist Verfechter von risikofreudigem Offensivfußball. In Bremen bräuchte er aber vermutlich in doppelter Hinsicht Eingewöhnungszeit.

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Potenzial für seine Spielidee ist an der Weser nicht erkennbar - zumindest nicht auf einem ausreichenden Niveau. Ob Claudio Pizarro und Max Kruse dieses Niveau unmittelbar nach ihrer (noch offenen) Rückkehr heben, ist fraglich. Und was erhofft sich Werder von Gisdol, was nicht womöglich auch Nouri kann?

Das Modell "Probezeit"

Es tut sich in Bremen eine Parallele auf. "Das ist eine Übergangslösung, aber wie lange kann ich nicht sagen. Wir suchen einen neuen Trainer, der unter dem Deckmantel unserer Philosophie arbeitet", erklärte nicht etwa Filbry, sondern Max Eberl im Jahr 2015. Fünf Spiele. Fünf Niederlagen. Zwölf Gegentore. Borussia Mönchengladbach stand mit dem Rücken zur Wand.

U23-Trainer Andre Schubert war die Übergangslösung. Es folgte eine unfassbare Aufholjagd, die zur Festanstellung des damaligen Interimscoachs führte. Alexander Nouri ist Werders Übergangslösung.

Ein derartiger Punkte-Regen Werders erscheint ob der Qualität des Kaders aktuell zwar utopisch. Dennoch: Nouri ist integriert, ein Gesicht, mit dem sich die Werder-Fans identifizieren können. Die Waage zwischen exzentrischem Temperament und Bescheidenheit bildet eine Außendarstellung, die sich gut verkaufen lässt.

"Darüber mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Ich freue mich riesig für den Verein und die Menschen. Ich bin nicht so wichtig", sagte Nouri nach seinem Gefühlsausbruch vor der jubelnden Fankurve zur Frage, ob er sich ein langfristiges Engagement mit Werders Profi-Mannschaft wünsche.

"Denken in alle Richtungen"

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Trotz der externen Trainersuche: Mit dem Sieg und vor allem der Art und Weise, wie Bremen die vergangenen zwei Partien bestritten hat, wird Nouri zum ernsten Kandidaten für eine Art Weg a la Gladbach. Eine Probezeit wäre sowohl denkbar als auch - zum jetzigen Zeitpunkt - verdient.

"Wir hätten kein Problem damit, dass Alex auch in den nächsten Spielen auf der Bank sitzt", sagte Sportdirektor Frank Baumann. "Wir denken in alle Richtungen und wollen die beste Lösung für den Verein finden", ließ Filbry immerhin Platz für Spekulationen. Und auch das Team steht hinter dem jungen Trainer: "Alexander macht das sehr gut. Er hat uns sehr gut eingestellt, motiviert und immer wieder Mut zugesprochen", analysierte Kapitän Clemens Fritz die vergangene Trainingswoche bei Sky.

Die Früchte der Arbeit habe man im Spiel gegen Wolfsburg gesehen - und die schmeckten in Bremen am Samstagabend ein bisschen nach Erlösung. Und irgendwie scheint das Spiel gegen den VfL mitsamt der Atmosphäre im Stadion die Zukunftslösung mitzuliefern: Nouri. Paradoxerweise steht den Verantwortlichen nun also trotz des Erfolgserlebnisses das nächste Dilemma ins Haus: eine Entscheidung.

Bremen - Wolfsburg: Die Statistik zum Spiel

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