Fussball

Sogar im Agrippabad

Jörg Schmadtke und Peter Stöger: Das Erfolgsduo des 1. FC Köln
© getty

Der 1. FC Köln ist zurück in der Bundesliga - mal wieder. Entgegen der Vorjahre stellen die Rheinländer aber eine gefestigte Mannschaft mit einer gesunden Mischung aus Talenten und Identifikationsfiguren. Der Fluch des Fahrstuhl-Vereins scheint, dank eines Umbruchs, der an oberster Stelle begann, abgelegt.

Im Herzen Kölns, ganz in der Nähe des Neumarkts, liegt das Agrippabad. Ein städtisches Schwimmbad mit Saunabereich, das in den späten 50er Jahren zwischen Kämmergasse und Poststraße errichtet wurde. Traditionell findet man hier an Samstagvormittagen manch Kölner Urgestein im Saunabereich. Bei kühlem Kölsch, Halvem Hahn und Kölschem Kavier gibt es hier zumeist nur ein Thema: "Wat hät dann d'r Effzej jester widder jemaach??" oder "Oh Jott, hück jeiht et jäje de Bayern. Dat wed widder a Desaster."

Wer könnte es den meist wohlgenährten und sympathischen Herren im Bademantel verdenken? Kaum ein Verein schwankte in den vergangenen 15 Jahren so sehr zwischen Anspruch und Realität wie der 1. FC Köln. Die erschreckende Bilanz des dreimaligen deutschen Meisters und vierfachen Pokalsiegers: Fünf Abstiege in den letzten 16 Jahren. Da können selbst die Rekordabsteiger aus Nürnberg und Bielefeld nicht mithalten.

"Köln gehört in die Bundesliga"

Dabei ist sich ganz Deutschland im Grunde einig: Ein Verein wie der FC Köln gehört in das Oberhaus. Das bekräftigte auch Ex-FC-Trainer Christoph Daum im Gespräch mit SPOX: "Die Tradition, die Stadt, die Fans - Köln sollte dauerhaft in der Bundesliga spielen."

Der 60-Jährige ist auch sicher, dass sich der Verein auf eben diesem Weg befindet. "Peter Stöger und Jörg Schmadtke machen einen sehr guten Job und tun dem Verein gut. Rund um den FC herrscht eine wohltuende Unaufgeregtheit", freut sich Daum weiter.

Eine Unaufgeregtheit, deren Entstehung sich auf einige Schultern verteilt und die in der obersten Etage begann. Der ehemalige Bayer-Vorstand Werner Spinner übernahm im April 2012 das Amt des Präsidenten und stand vor der schweren Aufgabe, einen wirtschaftlich existenzbedrohten und schließlich abgestiegenen Verein wieder aufzubauen und langfristig zurück in die Bundesliga führen zu sollen.

"Wir sind keine Heilsbringer"

"Alleinherrscher hatten wir genug, die haben uns dahin geführt, wo wir jetzt sind. So viel Macht, wie ein Präsident beim 1. FC Köln hat, gibt es nur bei Diktaturen in Bananen-Republiken", schoss Spinner gegenüber "Bild" damals gegen Vorgänger Wolfgang Overath.

In Karnevals-Funktionär Markus Ritterbach und FC-Legende Toni Schumacher stellte man Spinner zwei Vizepräsidenten an die Seite, die seit Jahrzehnten mit dem Verein verbunden sind und für Tradition und Identifikation stehen.

"Wir sind keine Heilsbringer und können keine Wunder vollbringen. Was wir aber können, ist Stabilität, Ehrlichkeit, Transparenz und Professionalität in den Verein bringen", versprach Spinner bei seiner Antrittsrede. Schumacher formulierte etwas direkter: "Ich kenne nur ein Gas und das ist Vollgas. Nicht nur den Geißbock küssen, wenn's läuft!"

Der Umbruch, Teil eins

Das neue Dreigestirn begann sofort damit, den Verein umzukrempeln. Holger Stanislawski kam als Cheftrainer und Jörg Jakobs, damals Jörg Schmadtkes rechte Hand in Hannover, für die Kaderplanung.

Dazu wurde Frank Schaefer als Leiter Sport installiert. Gemeinsam sollte man den in Köln längst überfälligen Umbruch einleiten. Weg von überteuerten Altstars, hin zu jungen und einsatzfreudigen Talenten. Die Bundesliga wurde bewusst als langfristige Perspektive, nicht als Ziel ausgerufen.

Trotz der vielen Ab- und Zugänge fanden sich die Rheinländer nach anfänglichen Startschwierigkeiten schon in der Folgesaison im Aufstiegskampf wieder. Dass es letztendlich nur für den vierten Platz reichte, wurde im Umfeld des Klubs nicht als Rückschritt erachtet. Im Gegenteil sogar. "Wir haben toll gekämpft, leider hat es am Ende aber nicht ganz gereicht. Vielleicht wäre der Aufstieg aber auch noch ein bisschen zu früh für uns gekommen", erklärte Ritterbach.

Umso verwunderlicher war es, dass Stanislawski nach der Saison um die Auflösung seines Vertrags bat. "In den entscheidenden Spielen zum Ende der Saison konnte ich nicht das Maximum aus der Mannschaft herausholen", erklärte er seinen Rücktritt. Stanislawski war nach den Misserfolgen zu Beginn der Saison schnell ins Kreuzfeuer der Kölner Medien geraten und stand in der Folge immer wieder in der Kritik. Auch wenn man ihm von Vereinsseite ständig vollstes Vertrauen aussprach, war das Kapitel Köln für Stanislawski beendet.

Der Umbruch, Teil zwei

Wieder waren Spinner, Ritterbach und Schumacher gezwungen, Veränderungen an der Führung der Mannschaft vorzunehmen. Jörg Schmadtke kam, auch Dank des Einflusses von Jakobs, als Sportmanager, Peter Stöger als Trainer und Manfred Schmid als dessen Assistent.

Dabei war es vor allem die Verpflichtung Peter Stögers, die vor der Saison auf Unverständnis im Umfeld traf. Der, zugegeben, mutige Schritt, Stöger für kolportierte 700.000 Euro plus Zusatzleistungen aus Wien loszueisen, statt den geringen Etat in die Qualität der Mannschaft zu investieren, traf auf einige Skeptiker.

Die richtige Wahl, wie Daum findet: "Man ist endlich davon weggekommen, sich an großen Namen festzuhalten. Beim Abstieg standen fast 40 Spieler im Kader, einige davon mit hoch dotierten Verträgen ausgestattet. Inzwischen setzt man stattdessen auf Kontinuität und mannschaftliche Geschlossenheit."

Die Mischung zum Erfolg

Stöger und Schmadtke trieben den Umbruch weiter voran und fanden eine gesunde Mischung aus Talenten wie Horn, Hector oder Gerhardt und erfahrenen Spielern mit hoher Vereinsidentifikation wie Brecko, Risse oder Helmes.

Der sportliche Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Ab dem 8. Spieltag stand Köln dauerhaft auf einem Aufstiegsplatz und schnell wurde klar, dass man in der kommenden Saison erstklassig planen konnte.

Schnellschüsse wurden vor der Rückkehr in die Bundesliga entgegen der Vorjahre jedoch nicht getätigt - im Gegenteil. Die Mannschaft wurde ausschließlich in der Breite verstärkt. Keine Altstars, nicht der Versuch, zwingend Erstliga-Erfahrung dazukaufen zu müssen. Die Mannschaft ist der Star - ein Modell, das nach den Zeiten von Novakovic, Maniche und Laslandes in Köln lange undenkbar war.

"Es geht darum, uns in der Bundesliga zu konsolidieren. Wenn wir ein höheres Ziel anstreben können, weil wir eine überragende Saison spielen, nehmen wir das gerne mit. Aber wir werden nicht leichtsinnig werden", erklärte Stöger vor der Saison. "Unsere Fans wissen, dass ein schweres Jahr vor uns liegt", ergänzte Spinner.

Gefeierte Punkteteiler

Verworrene Vereinsstrukturen und Europa-Hoffnungen sind Transparenz und Realitätssinn gewichen. "Jeder weiß, dass nur der Klassenerhalt das Ziel ist. Es gibt keine Wünsche ins Uferlose, keine Rufe nach internationalem Fußball - und das tut dem Verein gut", weiß Daum.

Dass dies nicht nur leere Worte sind, bewiesen die Fans schon am ersten Spieltag. Obwohl die Mannschaft gegen den HSV, der sich seinen Platz in der Liga erst in der Relegation erkämpft hatte, nicht über ein 0:0 hinauskam, wussten die Anhänger das Spiel richtig einzuschätzen und feierten ihr Team frenetisch.

Und so ist die wohltuende Zuversicht auch im Agrippabad eingekehrt. "Habt ehr dat Spill jäje Stuttgart jesenn? Wor dat nit schön? Esu wed et wat met däm Klassenerhalt."

Der 1. FC Köln im Überblick

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