Fussball

Hinten hui, vorne pfui?

Von Adrian Bohrdt
Der umworbene Ricardo Rodriguez wird auch nächste Saison für die Wölfe auflaufen
© getty

Der VfL Wolfsburg will zurück in die Champions League und sich als dritte Kraft in Deutschland etablieren. Der größte Erfolg in der bisherigen Saisonvorbereitung ist allerdings die Tatsache, dass die Wölfe ihre begehrte Defensive zusammenhalten konnten. Offensiv herrscht nach wie vor die Suche nach dem Wunschstürmer.

Die beste Nachricht der Sommerpause gab es für alle Wolfsburger Fans am Mittwoch. "Ich habe noch zwei Jahre Vertrag. Ich freue mich auf die neue Saison", erklärte der umworbene Ricardo Rodriguez. Auf die Nachfrage, ob er in der kommenden Saison definitiv in Wolfsburg spielen wird, betonte der Schweizer: "Ja, das kann ich sagen. Ich bin ruhig. Ich gebe mein Bestes und möchte der Mannschaft helfen. Bundesliga ist geil."

Dazu soll sich auch ein weiterer Defensiv-Fixpunkt für den VfL entschieden haben: Luiz Gustavo hat sich im Urlaub wohl für einen Verbleib bei den Wölfen ausgesprochen, die Frist für seine Ausstiegsklausel läuft ohnehin am Samstag ab. Schon am Montag hatte zudem Manager Klaus Allofs bestätigt, dass auch Torhüter Diego Benaglio den Klub nicht verlassen wird.

Defensiv-Gerüst steht

Damit können die Wölfe mit drei absoluten Leistungsträgern planen und die defensive Stammformation dürfte somit, gemeinsam mit Rodriguez' Gegenpart auf der rechten Seite, Neuzugang Sebastian Jung, stehen. Allerdings herrscht hier auch Verbesserungsbedarf: Kein Team der Top-Sechs kassierte in der Vorsaison mehr Gegentreffer als der VfL (50).

Darüber hinaus musste Wolfsburg bereits drei defensive Ausfälle verkraften. Felipe Lopes steht wegen einer schweren Durchblutungsstörung für drei Monate nicht zur Verfügung, Christian Träsch muss wegen einer Schulterverletzung pausieren. Zudem verletzte sich Patrick Ochs am Kreuzband. Ein Defensivmann könnte somit noch kommen - zuletzt kamen Gerüchte über ein Interesse an Weltmeister Shkodran Mustafi auf.

"Christian war für hinten rechts oder als Sechser ein Thema", haderte Allofs und kündigte angesichts der zusätzlichen Belastung durch die Europa League an: "Unsere Pläne sind durchkreuzt worden, im Defensivbereich sollten wir nun schauen."

Das große Fragezeichen ganz vorne

Während aber zumindest die Stammformation in der Defensive feststehen sollte, regiert ganz vorne nach wie vor das große Fragezeichen. Weiterhin ist offen, wer von der offensiven Dreierreihe um Ivan Perisic, Kevin De Bruyne und Maximilian Arnold gefüttert werden soll, in der neben den Alternativen Vieirinha und Daniel Caligiuri auch der neu verpflichtete Aaron Hunt Kadertiefe verspricht.

"Wir möchten jemanden holen, der besser ist als die, die schon da sind. Sonst machen wir nichts", kündigte Allofs zuletzt an. Ivica Olic oder Bas Dost wäre aktuell wohl die erste Option, sollte der seit langem gehandelte Romelu Lukaku nicht kommen. Alvaro Morata hatte den Wölfen bereits Anfang Juli abgesagt.

Dennoch betonte Allofs bei "Sport 1" das gestiegene Selbstvertrauen: "Inzwischen gibt es in der Bundesliga wenige Alternativen für einen Spieler. Neben dem FC Bayern und Borussia Dortmund ist Wolfsburg schon eine sehr gute Adresse."

Ist Scheidhauer die Antwort?

Doch vielleicht kommt die Wolfsburger Antwort auf die Stürmersuche ohnehin aus der eigenen Jugend: Kevin Scheidhauer hat den Sprung in den Profikader geschafft und erzielte in den ersten drei Testspielen 16 der 46 Wolfsburger Tore - es gibt schlechtere erste Visitenkarten.

Ansonsten kann Wolfsburg, das immerhin sieben WM-Fahrer stellte, ganz vorne wie gewohnt auf Olic bauen. Der Kroate kehrte bereits drei Tage früher als geplant ins Training zurück und erklärte in bester Musterprofi-Manier: "Ich weiß, dass wir dieses Jahr eine sehr schwere Saison haben werden. Durch die Europa League kommen viele Spiele dazu und deswegen müssen wir jetzt die Zeit nutzen, uns optimal vorzubereiten."

Im Zentrum hat Trainer Dieter Hecking - mit dem Gustavo-Verbleib im Hinterkopf - indes die Qual der Wahl. Der mittlerweile zum polnischen Nationalspieler gereifte Mateusz Klich kehrte zurück und meldet neue Ansprüche an, dazu hinterließen Slobodan Medojevic und vor allem Junior Malanda in der Vorsaison einen guten Eindruck.

"Das große Ganze beherrschen wir"

Abgesehen von den Verletzungen verlief die Wolfsburger Vorbereitung bislang gut, auch wenn es beim Zweitligisten VfL Bochum zuletzt eine 1:3-Pleite gab. "Das große Ganze beherrschen wir", lautete Heckings erstes Zwischenfazit in der "Bild": "Aber auch die Kleinigkeiten müssen wir richtig gut machen. Wir wollen uns immer weiter verbessern."

Damit gibt der Wolfsburger Coach die Parole für die kommende Saison aus. "Sagen wir es so: Ich glaube nicht, dass es ausreichen wird, die sehr gute Leistung aus der vergangenen Saison nur zu bestätigen", fügte Allofs hinzu: "Wir müssen uns steigern, denn auch die potenziellen Konkurrenten um diese Plätze werden sich vermutlich steigern. Das sollte uns gelingen." Nur dann hat Wolfsburg eine Chance auf die Königsklasse.

Eine erste Kostprobe davon können die Wölfe beim Telekom Cup abliefern. Zunächst geht es gegen den Hamburger SV, anschließend gegen Bayern München oder Borussia Mönchengladbach. "Der Cup ist hochkarätig besetzt, insofern passt er hervorragend in unsere Planungen zur Vorbereitung auf die kommende Saison", betonte Allofs. Die WM-erprobte Defensive darf sich dann schon wieder beweisen.

Der VfL Wolfsburg in der Übersicht

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