"Über das Barca-Gerücht herzhaft gelacht"

Von Interview: Haruka Gruber
Dienstag, 14.08.2012 | 18:54 Uhr
Bas Dost (r.) verlor mit Wolfsburg den Test gegen ManCity mit 0:2
© Imago
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Nur eine Tormaschine? Oder der nächste Weltklasse-Stürmer aus den Niederlanden? Bas Dost wurde mit 32 Toren für Heerenveen Torschützenkönig der Eredivisie und daraufhin vom VfL Wolfsburg für sieben Millionen Euro verpflichtet. Der 23-Jährige über sein rasantes Leben, den Helmes-Schock und schlechte Vorbilder.

SPOX: Sie wurden vom neuen niederländischen Nationaltrainer Louis van Gaal in den Kader für das Länderspiel gegen Belgien (Mi., 20.45 Uhr im LIVE-TICKER) nominiert. Kam es für Sie so überraschend wie für die Öffentlichkeit?

Bas Dost: Total, ich habe damit niemals gerechnet. Allein dass ich erstmals im vorläufigen Kader stand, konnte ich kaum glauben. Und jetzt bin ich unter den besten 24. Fantastisch!

SPOX: Wie erfährt man eine solche Nachricht? Ruft van Gaal persönlich an?

Dost: Das lief viel unspektakulärer ab, als sich viele vorstellen. Ich beendete das Training, ging ins Teamhotel und sah auf dem Handy, dass ich unzählige SMS und Anrufe bekommen hatte. Dann war schnell klar, dass etwas passiert sein muss. (lacht)

Bas Dost im SPOX-Porträt: Der Unterschätzte

SPOX: Innerhalb weniger Wochen wurden Sie in den Niederlanden Torschützenkönig, bekamen zahlreiche Angebote, wechselten für sieben Millionen Euro nach Wolfsburg und wurden Teil der niederländischen Nationalmannschaft. Kamen Sie dazu, das Erlebte zu verarbeiten?

Dost: Ich hatte schon vorher gedacht, dass in Wolfsburg alles ein oder zwei Nummern größer sein wird als in Heerenveen. Dennoch ging es sehr, sehr schnell. Der Wechsel, die Vorbereitung mit Testspielen gegen Weltvereine wie die Bayern oder Manchester City, die Nominierung.... Ich kann es kaum glauben.

SPOX: Wie schwer fiel die Anpassung an die erhöhte Trainingsintensität in Wolfsburg?

Dost: Mittlerweile geht es, ich merke, dass ich fitter werde und dass das Training wirkt. Deswegen wollte ich nach Deutschland: Ich möchte nicht nur fußballerisch, sondern auch körperlich die nächste Stufe erreichen. Aber ich gebe es zu: Der Anfang war echt hart. Im ersten Monat in Wolfsburg fühlte ich mich total platt, weil ich eine derart intensive Vorbereitung aus den Niederlanden nicht kannte.

SPOX: Wussten Sie, dass Wolfsburgs Fitnesscoach Werner Leuthard früher Oberleutnant bei der Bundeswehr war?

Dost: Ja, diese Storys werden einem Neuzugang sehr schnell erzählt. (lacht)

SPOX: Wie läuft die Integration in die Mannschaft?

Dost: Sehr gut, jeder heißt mich willkommen. Normalerweise ist es schwierig, wenn man aus dem Ausland kommt und kein Landsmann in der Mannschaft spielt, in Wolfsburg jedoch sind alle nett und sagen mir, dass ich im Gegenzug viele Tore schießen soll. (lacht)

SPOX: Ein Rückschlag war der Kreuzbandriss Ihres Sturmpartners Patrick Helmes. Hat es Sie mitgenommen?

Dost: Ich war sehr geschockt. Wir liefen gegen Manchester City zusammen auf und es sah schon gut aus - und urplötzlich steht er nicht mehr neben mir auf dem Platz, sondern liegt am Seitenrand. Ich dachte erst, dass es nichts Schlimmes wäre und er vielleicht eine Woche ausfällt. Jetzt sind es sechs Monate. Ein furchtbarer Zwischenfall - besonders menschlich. Patrick gehörte zu den Jungs, die sich besonders um mich gekümmert haben.

SPOX: Wie lief das Zusammenspiel mit Helmes?

Dost: Ich glaube, wir hätten großartig harmoniert. Wir ergänzten uns gut. Trotzdem möchte ich jetzt nicht zu traurig klingen: Er kommt ja im Winter zurück, dann können wir alles nachholen. (lacht)

SPOX: Jetzt werden Sie wohl mit Ivica Olic stürmen.

Dost: Ich bin beeindruckt, wie fit und heiß er trotz seines Alters noch ist. Ich bin nach Wolfsburg gekommen, weil ich mit Stars wie Ivica, Diego und Naldo in einer Mannschaft stehen wollte. Diese Spieler haben etwas Besonderes an sich - und jetzt geht es darum zu beweisen, dass ich ebenfalls die Qualität habe.

SPOX: Viele Tore in den Niederlanden zu schießen bedeutet nicht automatisch, sich in einer besseren Liga durchzusetzen. Sind Ihnen Beispiele wie Marcus Berg oder Afonso Alves geläufig?

Dost: Natürlich. Ich habe verfolgt, welchen Karriereplan andere Stürmer verfolgen und wie es mit ihnen weiterging. Allerdings sollte man sein eigenes Leben nicht mit dem Schicksal anderer Spieler verknüpfen. Ich bin überzeugt, dass meine Entscheidung richtig ist.

SPOX: Keine Zweifel, ob der Wechsel nicht zu früh kommt?

Dost: Nein, ich hatte eine sehr gute Vorsaison und die Zeit war gekommen für eine neue Herausforderung. Und die Bundesliga ist perfekt für mich. Das Niveau, das Tempo, die Physis - es bewegt sich alles auf einem höheren Level. Gleichzeitig liegt mir die Art des Fußballs in Deutschland. Und: Ich freue mich riesig darauf, dass jedes Stadion, in dem ich auflaufe, voll sein wird. Die Bundesliga ist klasse!

SPOX: Woran müssen Sie sich taktisch gewöhnen?

Dost: In Deutschland wird vom Stürmer mehr Abwehrarbeitet erwartet. Anfangs fiel es mir im Training nicht ganz so leicht, weil ich das so nicht kannte, aber mit der Zeit läuft es immer besser. Das ist mir persönlich sehr wichtig. Ich möchte lernen, wie man als Stürmer noch besser dem Team in der Verteidigung helfen kann.

SPOX: Dass Wolfsburg womöglich in einem 4-4-2 in der Raute und nicht wie in den Niederlanden üblich in einem 4-3-3 aufläuft, ist kein Problem?

Dost: Nein, ich finde es sogar gut, denn so werde ich vielseitiger.

SPOX: An Ihnen waren zahlreiche Klubs interessiert. Neben Wolfsburg angeblich Juventus, Valencia, Paris, St. Petersburg und Aston Villa. Sind Sie froh, dass die Wochen der Ungewissheit vorbei sind - oder vermissen Sie es sogar, dass Sie so viel Aufmerksamkeit auf sich zogen?

Dost: Es war fantastisch, mit so vielen tollen Klubs in Verbindung gebracht zu werden. Ich nahm mir damals die Freiheit heraus und genoss die Aufmerksamkeit für eine Woche, dann konzentrierte ich mich aber wieder auf das Wesentliche.

SPOX: Es gab sogar Gerüchte um ein Interesse des FC Barcelona.

Dost: Das hingegen war nur Spekulation. Ich habe mit meinen Kumpels einmal herzhaft darüber gelacht und gut war's.

Der Sturmtank aus Coevorden: Bas Dost im Steckbrief

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