Dienstag, 22.05.2012

Die Hausaufgaben der Bundesliga-Klubs

Teenager an die Macht

Nach der Saison ist vor der Saison! Die Bundesligisten arbeiten längst mit Hochdruck auf die Spielzeit 2012/2013 hin. SPOX beleuchtet die Baustellen aller 18 Vereine - im Duett mit einem Mitglied der User-Redaktion. Diesmal: der 1. FC Köln.

Timo Horn wird die neue Nummer eins des 1. FC Köln, sollte Michael Rensing den Verein verlassen
© Getty
Timo Horn wird die neue Nummer eins des 1. FC Köln, sollte Michael Rensing den Verein verlassen

Von SPOX-Redakteur Haruka Gruber

Ganz ehrlich: Wer kennt Fabian Schnellhardt? Kacper Przbylko? Oder Lukas Kübler? All das sind Namen jener Teenager, die ab der kommenden Saison den 1. FC Köln prägen sollen.

Während sich Lukas Podolskis Weggang lange abgezeichnet hatte, entschloss sich Köln nach der katastrophalen Saison offenbar dazu, die weiteren Leistungsträger wie Michael Rensing (Ausland?), Geromel (Bremen?), Milivoje Novakovic (zum Nulltarif weg?), Sascha Riether (Stuttgart? Leverkusen?) und Martin Lanig abzugeben.

Stattdessen verfolgt der Verein unter neuer Führung und neuem Trainer einen neuen Weg: Der Abstieg in die Zweitklassigkeit bewegt Köln dazu, die seit Jahren erfolgreiche, aber lange vernachlässigte Nachwuchsabteilung stärker zu akzentuieren.

Kölns Quadratur des Kreises

Die nicht unbedingt innovative, aber nachvollziehbare Strategie: Der FC passt sich den finanziellen Rahmenbedingungen an und schafft wieder Nähe zu den entfremdenden Fans, die sich nach Identifikationsfiguren sehnen.

Das Risiko der fehlenden Wettbewerbsfähigkeit angesichts der zu erwartenden Weggänge hat der Verein erkannt - wobei Köln noch nicht recht weiß, mit welcher Zielsetzung es in die neue Saison gehen soll.

"Sportlicher Erfolg bei finanzieller Konsolidierung - das ist sicherlich die Quadratur des Kreises, aber wir wollen das schaffen", sagt Geschäftsführer Claus Horstmann.

Köln setzt auf Doppellösung Schaefer/Jakobs

Das Problem Außendarstellung

Während die Nachwuchsförderung großen Konsens findet, droht Horstmann selbst zu einem Politikum zu werden. Er verweigerte trotz anderweitiger Andeutungen und trotz der teils bizarr verlaufenen Rückrunde auf einen freiwilligen Rückzug.

Entsprechend wird zu beobachten sein, wie die neue Vereinsspitze um Werner Spinner und Toni Schumacher mit dem umstrittenen Horstmann zusammenzuarbeiten gedenkt. Bereits bei Holger Stanislawskis Ernennung zum neuen Cheftrainer soll es zu Unstimmigkeiten gekommen sein.

Doch sollte die Führung einheitlich auftreten und Stanislawski auch im Falle von zu erwartenden Leistungsschwankungen stützen, dürfte sich zumindest die Außendarstellung verbessern, was nach dem Chaos der Vorsaison bereits ein Erfolg wäre.

Timo Horn und Co.

Womöglich wird die kommende Saison auch ein Jahr der Konsolidierung und der internen Reinigung. Denn: Angesichts des Kaderumbaus ist ein Aufstieg nicht selbstverständlich. Christian Clemens, Christopher Buchtmann (beide 20), Mikael Ishak und der designierte Rensing-Nachfolger Timo Horn (beide 19) bringen allesamt eine gewisse Veranlagung mit und hoffen auf den Durchbruch. Ausgang: offen.

Ebenso offen, ob es Köln tatsächlich gelingt, die Anbindung des Nachwuchs- an den Profibereich zu gewährleisten. Die B-Jugend gewann zwar zweimal in Folge die Bundesliga-West-Meisterschaft und ist amtierender Deutscher Meister, die A-Jugend wiederum platzierte sich seit der Gründung der Bundesliga West in jeder Saison unter den besten Sechs.

Die Qualität müsste demnach vorhanden sein. Aber viel entscheidender wird sein, dass nicht übertrieben große Erwartungen damit geknüpft werden.

Die besten Sprüche der Saison 2011/2012
"Ich habe einen Vertrag, bei dem mich die Laufzeit interessiert: Das ist mein Ehevertrag! Bei allen anderen Verträgen ist mir die Laufzeit sowas von egal." (Wolfsburgs Felix Magath über eine mögliche Vertragsverlängerung)
© Getty
1/13
"Ich habe einen Vertrag, bei dem mich die Laufzeit interessiert: Das ist mein Ehevertrag! Bei allen anderen Verträgen ist mir die Laufzeit sowas von egal." (Wolfsburgs Felix Magath über eine mögliche Vertragsverlängerung)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012.html
"Ich dachte, wir reden über Fußball." (Bayern Präsident Uli Hoeneß auf eine Frage zur Frauen-WM 2011)
© Getty
2/13
"Ich dachte, wir reden über Fußball." (Bayern Präsident Uli Hoeneß auf eine Frage zur Frauen-WM 2011)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=2.html
"Im ganzen Stadion haben nur drei Leute das Foul nicht gesehen - und die, die am Bierstand waren." (Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs übte nach einem Spiel harsche Kritik am Schiedsrichter-Team)
© Getty
3/13
"Im ganzen Stadion haben nur drei Leute das Foul nicht gesehen - und die, die am Bierstand waren." (Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs übte nach einem Spiel harsche Kritik am Schiedsrichter-Team)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=3.html
"Wir haben die Zuschauer in den letzten Wochen sicherlich stellenweise vergewaltigt mit unserem Fußball." (Kölns Christian Eichner nach dem 1:1 gegen Stuttgart)
© Getty
4/13
"Wir haben die Zuschauer in den letzten Wochen sicherlich stellenweise vergewaltigt mit unserem Fußball." (Kölns Christian Eichner nach dem 1:1 gegen Stuttgart)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=4.html
"Das größte Comeback seit Elvis 1968." (Ex-Bundesligaprofi Jan-Aage Fjörtoft zum Trainer-Comeback von Otto Rehhagel)
© Getty
5/13
"Das größte Comeback seit Elvis 1968." (Ex-Bundesligaprofi Jan-Aage Fjörtoft zum Trainer-Comeback von Otto Rehhagel)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=5.html
"In Köln gibt es nie Ruhe, das ist Teil des Vereins." (Ex-Sportdirektor Volker Finke über den 1. FC Köln)
© Getty
6/13
"In Köln gibt es nie Ruhe, das ist Teil des Vereins." (Ex-Sportdirektor Volker Finke über den 1. FC Köln)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=6.html
"Jede Bezirksportanlage in Wattenscheid hat einen besseren Platz." (Dortmunds Sportdirktor Michael Zorc über die Bodenverhältnisse in der Schalker Arena)
© Getty
7/13
"Jede Bezirksportanlage in Wattenscheid hat einen besseren Platz." (Dortmunds Sportdirktor Michael Zorc über die Bodenverhältnisse in der Schalker Arena)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=7.html
"Viel mehr haben mich die drei von der Muppet Show geärgert, da bei Sky." (Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler über die Sky-Experten Markus Merk, Steffen Freund und Jan-Age Fjörtoft)
© Getty
8/13
"Viel mehr haben mich die drei von der Muppet Show geärgert, da bei Sky." (Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler über die Sky-Experten Markus Merk, Steffen Freund und Jan-Age Fjörtoft)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=8.html
"Da geht dir das Zäpfchen ab!" (Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic nach dem legendären 4:4 bei Borussia Dortmund)
© Getty
9/13
"Da geht dir das Zäpfchen ab!" (Stuttgarts Sportdirektor Fredi Bobic nach dem legendären 4:4 bei Borussia Dortmund)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=9.html
"Oh, das ist meine Frau. Die will fragen, ob ich morgen noch eine Arbeit habe." (Kölns Ex-Trainer Stale Solbakken als während einer Pressekonferenz sein Handy klingelte)
© Getty
10/13
"Oh, das ist meine Frau. Die will fragen, ob ich morgen noch eine Arbeit habe." (Kölns Ex-Trainer Stale Solbakken als während einer Pressekonferenz sein Handy klingelte)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=10.html
"Ich kann seinen Namen nicht richtig aussprechen, er heißt ab sofort Paradise." (Hertha-Trainer Otto Rehhagel über seinen Spieler Fanol Perdedaj)
© Getty
11/13
"Ich kann seinen Namen nicht richtig aussprechen, er heißt ab sofort Paradise." (Hertha-Trainer Otto Rehhagel über seinen Spieler Fanol Perdedaj)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=11.html
"In Euro." (Schalkes Manager Horst Heldt auf die Frage, in welcher Sprache er Raul das Vertragsangebot vorgelegt habe)
© Getty
12/13
"In Euro." (Schalkes Manager Horst Heldt auf die Frage, in welcher Sprache er Raul das Vertragsangebot vorgelegt habe)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=12.html
"Da würden sich auch die Kühe auf der Viehweide beschweren." (Mainz-Manager Christian Heidel über den Zustand des Augsburger Platzes)
© Getty
13/13
"Da würden sich auch die Kühe auf der Viehweide beschweren." (Mainz-Manager Christian Heidel über den Zustand des Augsburger Platzes)
/de/sport/diashows/bundesliga-besten-sprueche-der-saison-2011-2012/bundesliga-die-besten-sprueche-der-saison-2011-2012,seite=13.html
 

Von mySPOX-User midget

Der 1. FC Köln bekam das vom gequälten Fußballgott zurück, was er sich innerhalb der Saison kontinuierlich erarbeitete beziehungsweise verweigerte: einen Hauch von Nichts. Oder knallhart im Fußballer-Jargon: Die Blutgrätsche mitten ins kölsche Herz, den fünften Abstieg innerhalb von 15 Jahren.

Der VfL Bochum musste immer als Vorzeigeklub unter den Fahrstuhlmannschaften herhalten. In Zukunft wird sich das ändern, der FC ließ kein Fettnäpfchen aus für den Award "Most ridiculous company". Er bettelte um die Schmach. Er war der traurige Clown in der Manege, den niemand mehr - wirklich niemand - vor lauter Mitleid witzig fand.

Es ist ja müßig, die letzte Saison nochmal durchzukauen, wer wann was falsch gemacht hat, welche Ecke des Sandkastens nun neuverteilt wurde und warum man etwas kaufte, wofür man gar keine Verwendung fand. Die ganzen Finke-Solbakken-Horstmann-Overath-Schaefer-Storys sind zur Genüge durchgekaut worden.

Frankfurt 2.0

Ein Verein schiffte führungslos ein halbes Jahr lang durch die Bundesliga. Ohne Präsident, danach ohne Sportdirektor und zum Schluss auch ohne etablierten Lizenztrainer, dafür mit einer gespaltenen Anhängerschaft. Die beste Hinrunde seit Urzeiten wurde von der Rückrunde in den Arsch getreten. Frankfurt 2.0 am Rhein.

Blutleer spulten die Profis um "The Cologne Wunderkind" Lukas Podolski, den es ins Königreich zieht, ihr Pensum runter, was da hieß: keinen Zweikampf führen, keinen Biss zeigen, kein Engagement für den Verein und seine Fans aufkommen lassen. Erfolgreich!

Man findet sich nach vier Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit in den Niederungen des deutschen Fußballs wieder. Ob Sandhausen, Aue, Aalen oder Union Berlin das RheinEnergieStadion füllen werden, bleibt abzuwarten.

Guter Vorstand

Voraussetzung hierfür ist ein wohldurchdachtes Konzept. Ein Konzept, welches man sowohl den Sponsoren, den Fans als auch den Mitgliedern vermitteln kann. Und das kann nicht heißen, wieder mal die Millionen in den Wind zu schießen für Altstars aus Portugal, Tunesien, der Türkei oder Kolumbien.

Kluge Köpfe braucht der 1.FC Köln in diesen Wochen. Hierfür steht der neue Vorstand um Herrn Spinner, Herrn Ritterbach und Toni Schumacher. Ein Anfang ist gemacht, aber das Kölner Dreigestirn ist um seine Aufgaben nicht zu beneiden.

Schnellschüsse bei der Kaderplanung sind endlich mal zu vermeiden. Auch mit einem um 30 Prozent geringeren Etat!

Der 1.FC Köln braucht Kontinuität. Kontinuität, die der Klub seit über 20 Jahren nicht mehr hatte.

Der 1.FC Köln braucht handelnde Personen, die in einem hektischen Umfeld Ruhe ausstrahlen und intelligent handeln.

Der 1.FC Köln braucht darüber hinaus - und das ist wohl das wichtigste - einen Lizenzspielerkader, der homogen ist. Elf Individualisten garantieren keinen Erfolg.

2. Liga als Chance

Nur wenn man sich als Einheit präsentiert, hier müssen sich die Fans mit angesprochen fühlen, wird man in Zukunft wieder erfolgreich sein. Der neue Vorstand wird sich in diesem Zusammenhang auch um die vermehrte Gewalt im Zeichen des Geißbocks kümmern. Guter Vorstand!

Erfolg ist in Köln Auslegungssache. Ein Anfang wäre gemacht, wenn man als FC-Fan nach einem Spiel endlich wieder sagen könnte: "Nä, wat hat dat widder Spass jemacht!"

Vielleicht ist das in der 2. Liga eher möglich. Eine Chance ist es allemal.

Alles zu 1. FC Köln

SPOX

Diskutieren Drucken Startseite
13. Spieltag
14. Spieltag

Bundesliga, 13. Spieltag

Bundesliga, 14. Spieltag

Die Bundesliga in Zahlen - Alle Opta-Daten zur Saison 2015/2016
Trend

Mats Hummels wechselt vom BVB zum FC Bayern. Richtige Entscheidung?

Ja
Nein

www.performgroup.com

Copyright © 2016 SPOX. Alle Rechte vorbehalten.