Fussball

Viel Talent - und was dahinter?

Von Oliver Wittenburg
Der englische Junioren-Nationalspieler Michael Mancienne ging schon mit acht Jahren zum FC Chelsea
© Getty

Sportchef Frank Arnesen deutet beim Hamburger SV an, was man sich unter einer strategischen Partnerschaft mit dem FC Chelsea vorzustellen hat. Michael Mancienne, Jacopo Sala und Gökhan Töre sind als Neuzugänge fix, in Jeffrey Bruma soll mindestens ein weiterer Blues-Youngster noch kommen. Doch was können die vier Youngster?

Wie wird der neue Hamburger SV aussehen? Ganz anders jedenfalls als der alte, das ist jetzt schon klar.

Hört man Trainer Michael Oenning zu, dann bekommt man den Eindruck, dass beim Bundesliga-Dino kein Stein auf dem anderen bleibt: "Wir planen derzeit nicht nur den Umbau unseres Teams, sondern auch des Trainingszentrums. Wir wollen in allen Bereichen Dinge verändern, alte Mauern einreißen, neue Reize setzen."

Kooperation mit Chelsea

Gut erkennen kann man schon, was der neue Sportchef Frank Arnesen unter seiner angekündigten Zusammenarbeit mit seinem Ex-Klub FC Chelsea versteht. Mit Michael Mancienne (23), Jacopo Sala (19) und Gökhan Töre (19) hat der Däne schon drei Spieler der Blues nach Hamburg geholt. Jeffrey Bruma (19) soll folgen.

Auch wenn noch nicht abzusehen ist, welche Rolle den Neuen zugedacht ist, so lässt sich doch erkennen, dass der HSV versucht, Spieler zu holen, die sowohl das Team für die kommende Saison als auch den Unterbau verstärken sollen.

 

Gökhan Töre

Den 23. Mai 2011 wird er wohl nie vergessen, denn da stand er erstmals im Kader der türkischen A-Nationalmannschaft.

Guus Hiddink hatte ihn, den Mann aus der Reserve des FC Chelsea, für das EM-Qualifikationsspiel gegen Belgien nominiert. Dass er beim 1:1 in Brüssel dann nicht zum Einsatz kam, dürfte ihn nicht gestört haben.

Im Unterschied zu den anderen kennt er sich bestens in Deutschland aus.

Geboren in Köln ging es über Dellbrück schnell nach Leverkusen, wo er sich zum türkischen Jugendnationalspieler - mit 17 Jahren spielte er schon U 21 - mauserte. Schließlich ging es 2009 nach London, wo er für die zweite Mannschaft der Blues spielte.

Beim HSV dürfte er zunächst für die U 23 und erst mittelfristig für den Bundesliga-Kader vorgesehen sein. Töre ist ein Offensivallrounder, der dribbelstark und torgefährlich ist und mit beiden Füßen nahezu gleich stark mit dem Ball umgehen kann.

Deshalb ist er auf keine Position im offensiven Mittelfeld festgelegt, sondern kann auf beiden Flügeln oder hinter einem Stoßstürmer agieren. Nachgesagt wird ihm ein feuriges Temperament, so flog er etwa bei der U-17-EM 2009 im Auftaktmatch gegen Deutschland vom Platz.

Es mangelt ihm auch nicht an Selbstbewusstsein. In einem Interview mit dem Online-Magazin des FC Chelsea bezeichnete er seine Chancen, Florent Malouda aus der ersten Mannschaft zu verdrängen als gar nicht so schlecht. Schließlich sei er, Töre, schneller und technisch stärker als der französische Nationalspieler.

Auf seinen Spielstil angesprochen, sagte der damals noch 17-Jährige: "Ähnlich wie Lionel Messi und Sergio Agüero."

 

Michael Mancienne

Der englischen Juniorennationalspieler ist der erfahrenste der Chelsea-Bubis. Bereits mit acht Jahren ging er zu den Blues.

2006 unterschrieb er seinen ersten Profi- Vertrag, ohne aber den Durchbruch zu schaffen (nur vier Premier-League-Einsätze).

Stattdessen schickte ihn Chelsea zu den Queens Park Rangers und zu den Wolverhampton Wanderers.

46 Premier-League-Spiele absolvierte er für die Wolves, dazu kommen fast 60 Spiele für QPR in Liga zwei. Für einen Innenverteidiger fehlt es ihm mitunter an Physis und Wucht, wobei er das mit seiner Schnelligkeit und technischen Finesse aufzuwiegen versteht.

Die Abwehrzentrale ist seine Lieblingsposition, sowohl bei QPR und Wolverhampton hat er aber schon den Rechtsverteidiger gegeben und im defensiven Mittelfeld agiert - ein Defensivallrounder eben. "Er ist ein sehr guter Spieler", lobt ihn Chelsea-Kapitän John Terry, "und hat eine glänzende Zukunft vor sich."

Neben Terry im Herzen der Chelsea-Viererkette, gab Mancienne mal als seine Traumrolle an. Doch alles der Reihe nach, beim HSV muss er erst mal zeigen, ob er sich in der Bundesliga durchsetzen kann. Davon ist Arnesen überzeugt: "Ich kenne Michael seit sechs Jahren und weiß daher, dass er uns sofort weiterhelfen wird."

Jacopo Sala

Die Voraussetzungen sind mit Sicherheit gut: Sala kommt aus der Jugendschule von Atalanta Bergamo, der vielleicht besten Italiens.

Riccardo Montolivo, Giampaolo Pazzini oder Roberto Donadoni sind nur drei der hochkarätige Namen, die einst aus der Atalanta-Talentschmiede hervorgingen.

"Jacopo ist ein Spieler mit Zukunft", begründete HSV-Sportchef Frank Arnesen die Verpflichtung.

"Er hat alle Jugendnationalmannschaften Italiens durchlaufen und besitzt hervorragende körperliche und spielerische Eigenschaften", so Arnesen.

Mit 15 holte Chelsea sich den Offensivspieler, der in der abgelaufenen Saison hauptsächlich auf der rechten Mittelfeldposition in Chelseas zweiter Mannschaft zum Einsatz kam. Der Wechsel des 15-Jährigen sorgte damals für große Empörung in Italien, da die Blues ihn gegen den Willen Atalantas verpflichteten.

Chelsea soll damals rund 350.000 Euro gezahlt haben, Atalanta-Präsident Ivan Ruggeri dementierte diese Summe allerdings: "Das wäre schön gewesen..." Sala kam bei der Blues-Reserve auch als rechter Flügelstürmer im 4-3-3 oder als rechter Offensivpart im 4-2-3-1 zum Zuge und trug sogar die Kapitänsbinde.

 

Jeffrey Bruma

Hinter dem 19-jährigen Niederländer ist der HSV nicht erst seit gestern her.

Schon vor zwei Jahren hatte Ex-Manager Dietmar Beiersdorfer seine Fühler nach ihm ausgestreckt und im letzten Winter unternahm man einen erneuten Vorstoß.

Doch Chelsea hatte andere Pläne. Bruma wurde an Leicester City verliehen und nahm die viermonatige Lektion in Sachen Abhärtung und Tempodrill in der Championship dankend an: "Für meine Entwicklung war das optimal."

Angesichts gewaltiger Konkurrenz schaffte er bei Chelsea nicht den Sprung in die erste Mannschaft, wenngleich er es auf vier Premier- und zwei Champions-League-Einsätze bringt.

Dagegen feierte er schon im vergangenen Jahr sein Debüt in der niederländischen Nationalmannschaft und stand auch im Kader für das Länderspiel gegen Brasilien (0:0) am Wochenende.

Bereits mit 15 Jahren zog es Jeffrey K. van Homoet Bruma nach London, wo er hauptsächlich für Chelseas Reserve auflief. Bruma gilt als sehr spielstarker Verteidiger, der sowohl innen als auch auf der rechten Seite der Viererkette eingesetzt werden kann.

Ex-Sportchef Bastian Reinhardt schwärmt in höchsten Tönen von Brumas technischen Fähigkeiten, die man bei einem Spieler seines Alters nur selten finde.

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