Club vor dem nächsten Existenzkampf

SID
Montag, 17.05.2010 | 16:49 Uhr
Der Club ist doch kein Depp: Zum zweiten Mal in Folge setzt sich Nürnberg in der Relegation durch
© Getty
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Nach dem Existenzkampf ist vor dem Existenzkampf: Nach dem geglückten Klassenerhalt in der Relegation gegen den FC Augsburg beginnen beim 1. FC Nürnberg die Planungen für die kommende Saison. Es fehlt am Geld und am Personal.

Die Relegations-Könige vom 1. FC Nürnberg gönnten sich nach dem Klassenerhalt in letzter Minute ein paar Bier, doch tags darauf ging es schon wieder um Personal und Geld für den Existenzkampf in der nächsten Saison.

Dieter Hecking, der bis 2011 als Trainer bestätigt wurde, forderte vehement "qualitative Verstärkungen". Doch stattdessen muss der Verein einen personellen Umbruch meistern und in den nächsten zwei Wochen offenbar ein Millionenloch stopfen.

"Brauchen noch einige Euro"

"Am 2. Juni haben wir wie viele Vereine einen Termin bei der DFL und müssen Liquidität nachweisen. Bis dahin brauchen wir noch einige Euro", sagte Club-Präsident Franz Schäfer nach dem souveränen 2:0 (1:0) im Relegations-Rückspiel beim FC Augsburg: "Vielleicht gibt es noch ein, zwei Wechsel. Aber nur wenn die Preise gut sind. Für vier Cent geben wir keinen ab."

Als erste Verkaufskandidaten gelten der vom bulgarischen Topverein Schwarzmeer Burgas umworbene Marek Mintal und der griechische Nationalstürmer Angelos Charisteas.

Routiniers gibt's nicht

Auf eine Millionensumme im "mittleren einstelligen Bereich" bezifferte Schäfer das Minus, das der Verein schon länger mit sich rumschleppt.

Deshalb bremste Sportdirektor Martin Bader auch Trainer Hecking ein, der die Verpflichtung von routinierten Profis gefordert hatte: "Die wirtschaftlichen Gegebenheiten in Nürnberg sind traditionell nun mal so, dass wir eher nach unten schauen müssen. Deshalb werden wir unseren erfolgreichen Weg mit den jungen Spielern weiter beschreiten und vielleicht den einen oder anderen erfahrenen dazuholen."

Schäfer: Kein Bock auf Nervenkitzel

Schließlich waren es dem 19 Jahre jungen Ilkay Gündogan (34.) und dem 21-jährigen Eric-Maxim Chuopo-Moting (62./Foulelfmeter) auch zwei Youngster, die den Club in Augsburg letztendlich die Klasse retteten. Und damit auch den Verlust von über zehn Millionen Euro verhinderten.

Ein Jahr, nachdem Nürnberg über die Hintertür Relegation gegen Energie Cottbus den Sprung in die Eliteklasse geschafft hatte, wurde über den gleichen Weg die Klasse gehalten.

Ein Novum im deutschen Fußball, auf das aber nicht nur Torhüter Raphael Schäfer in Zukunft gern verzichten würde: "Vielleicht sind wir die Relegations-Könige, aber im nächsten Jahr würde ich mit dem sicheren Klassenerhalt gern im Fernsehen bei den Spielen zuschauen." Obwohl die vier Siege ohne Gegentor in vier Relegationsspielen eigentlich ein überzeugender Beweis für die Nervenstärke des neunmaligen deutschen Meisters sind.

Leihspieler wandern ab

Das unter Hecking zu einer Einheit zusammengewachsene Team wird allerdings auseinanderfallen. Drei Abgänge stehen bereits fest, zudem stehen bei den Leih-Leistungsträgern Andreas Ottl, Breno (beide Bayern München), Chuopo-Moting (Hamburger SV), Marcel Risse (Bayer Leverkusen) und Havard Nordtveit (FC Arsenal) die Zeichen derzeit auf Abschied.

Immerhin soll der Kontrakt mit Publikumsliebling Javier Pinola noch diese Woche verlängert werden. Präsident Schäfer versprach bis zu seiner geplanten Amtsübergabe im Herbst eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzukaufen: "Ich werde mit Dieter Hecking und Martin Bader eine Mannschaft zusammenstellen, die in der nächsten Saison drei, vier Plätze höher endet."

"Wir greifen wieder an"

Beim FC Augsburg hielt sich die Trauer über den verpassten Erstliga-Aufstieg in Grenzen. Nach der besten Saison der Vereinsgeschichte mit dem Einzug ins Pokal-Halbfinale und Platz drei in Liga zwei wollen die Schwaben eben im nächsten Jahr in die Eliteklasse.

"Was hier auf den Weg gebracht wurde, ist aller Ehren wert. Wir brauchen uns keine Sorgen um die Zukunft machen und greifen wieder an", sagte Manager Andreas Rettig.

Allerdings wurden in den Spielen gegen Nürnberg, bei denen die Augsburger keine echte Torchance herausspielten, auch die Mängel deutlich.

Noch lange keine Feierbiester

"Das war ein Klassenunterschied. Und bei uns war die Geilheit auf die Bundesliga größer", formulierte der Nürnberger Dominik Maroh treffend. Dieter Hecking will deshalb in den nächsten Wochen trotz aller wirtschaftlichen Probleme viele Spieler überzeugen, dass in Nürnberg "Aufbruchsstimmung herrscht."

Zum Feierbiest wie Bayern-Trainer Louis van Gaal will der Coach allerdings erst werden, wenn aus den Relegations-Königen deutsche Meister geworden sind: "Und bis dahin ist es noch ein langer Weg."

Analyse: Souveräner Club bleibt oben

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