Soldos Abschied scheint bereits besiegelt

SID
Freitag, 16.04.2010 | 12:13 Uhr
Zvonimir Soldo ist erst seit dieser Saison Trainer des FC Köln
© Getty
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Der vorzeitige Abschied von Zvonimir Soldo beim 1. FC Köln scheint bereits beschlossen. Obwohl der Trainer noch einen gültigen Vertrag besitzt, gilt er als praktisch gescheitert.

Nehmerqualitäten kann man Zvonimir Soldo nicht absprechen. Seine Spieler beim 1. FC Köln foltern ihn immer wieder mit Grusel-Spielen, die Fans riefen zuletzt beharrlich "Soldo raus" und die Medien haben den Kroaten bereits zum Abschuss freigegeben. Dieser lässt sich jedoch kaum aus der Ruhe bringen und gewinnt immer dann, wenn öffentlich mal wieder ein Schicksalsspiel für den Coach ausgerufen wird.

Die "Bild" taufte ihn deshalb "das Stehaufmännchen der Liga", doch ob der 42-Jährige auch über die Saison hinweg seinen Job beim Bundesligisten behalten wird, scheint äußerst fraglich. Manager Michael Meier haben Gerüchte über einen angeblich beschlossenen Abschied zum Saisonende "schon erreicht. Ich empfinde das als zutiefst respektlos. Man muss einem jungen Trainer auch mal Zeit geben".

Mannschaft hat sich nicht weiterentwickelt

Fakt ist zwar: Der Klassenerhalt ist vor dem Spiel gegen den VfL Bochum schon so gut wie gesichert und Soldo hat noch einen Vertrag für die kommende Saison. Fakt ist aber auch: Außer dem sportlichen Mindestziel hat der frühere Mittelfeld-Stratege des VfB Stuttgart in seinem ersten Jahr als Bundesliga-Coach nahezu alle Vorgaben verpasst.

Die Mannschaft scheint sich nicht weiterentwickelt zu haben, der Heimkomplex wurde immer gravierender, die Fans immer unzufriedener und die Integration des als Heilsbringer empfangenen Rückkehrers Lukas Podolski auf dem Feld ist bisher gescheitert.

Was man bei Soldo vermisst, sind Variationen. Variationen in Aufstellung aus Ausrichtung seiner Mannschaft, Variationen im öffentlichen Umgang mit der Mannschaft. Das Urteil der Medien ist deshalb schnell gefällt: Soldo ist (zu) nett, (zu) brav. Der schon auf dem Spielfeld äußerst sachliche Kroate, der stets leise und meist monoton spricht, ist eben kein großer Kommunikator.

"Da kommen einem die Tränen"

Dies sorgte auch schon für Murren unter den Spielern, die den Medien zutrugen, dass ihnen Ansprachen zu kurz und nichtssagend seien. Und zu allem Überfluss fallen auch noch FC-Ikonen wie Pierre Littbarski über den Coach her.

"Ich will ja eigentlich nichts über Kollegen sagen, aber wenn ich Zvonimir Soldo da an der Linie sehe: Das ist null Leben. Da kommt nichts von außen. Da kommen einem die Tränen, wenn man da zusieht", sagte der beim FC Vaduz zu Wochenbeginn entlassene Litti Ende März dem Express.

Genau hier liegen aber auch neben den selbstverschuldeten die großen Probleme Soldos. Die von Grüppchen durchsetzte Mannschaft mit einigen launischen Stars ist äußerst schwierig zu führen, das Umfeld im stets von großen alten Zeiten träumenden Köln notorisch unruhig und der FC als kölsches Kulturgut ein Thema, zu dem nahezu jeder und überall seine Meinung kundgibt.

Meier bezeichnte die Fans als Hypothek

Meier bezeichnete die Fans nach dem 0:3 gegen Schlusslicht Hertha BSC Berlin als Hypothek und weiß auch um die Schwierigkeit der Teamführung. Es sei für Soldo "eine Sisyphus-Arbeit mit der Mannschaft". Der Coach selbst, der in seiner ersten Trainer-Saison mit Dinamo Zagreb das Double aus Meisterschaft und Pokal holte, erklärte vor wenigen Tagen: "Die machen mich fertig."

Dass beispielsweise Kapitän Milivoje Novakovic trotz schwacher Leistungen immer wieder gesetzt war, begründete er mit den verzweifelten Worten: "Wenn ich jetzt noch jemanden rausschmeiße, wen soll ich dann spielen lassen?"

Klar scheint: Selbst wenn der FC nicht mehr in Abstiegsnöte geraten sollte, kämpft Soldo in den nächsten Wochen um seinen Job. Aber zumindest wenn er vor "Schicksalsspielen" stand, konnte er sich in dieser Saison auf seine Spieler verlassen. Und das Hauptziel - 40 Punkte und damit einen mehr als Christoph Daum im Vorjahr - kann er noch erreichen.

Maniche wegen Stinkefinger-Affäre in der Kritik

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