"Ich werde gerne gescheucht"

Von Interview: Haruka Gruber
Donnerstag, 13.08.2009 | 19:25 Uhr
Zwei Spielmacher im Vergleich: Rakitic gelangen letztes Jahr sieben Vorlagen, Misimovic deren 20
© Imago
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Inter, Juve oder Barca sollen angefragt haben - doch Ivan Rakitic sieht seine Zukunft auf Schalke. Als Führungsspieler und Spielmacher - auch wenn er nach seinem Außenbandriss in der Vorbereitung erst auf dem Weg zur Topform ist und beim 2:1-Auftaktsieg in Nürnberg nach der ersten Halbzeit ausgewechselt wurde. Rakitic über Diättipps, Vorbild Zvjezdan Misimovic und Felix Magaths Jugendwelle.

SPOX: Zwei Wochen nach Ihrem Außenbandriss standen Sie im Pokal gleich in der Startelf - worauf bereits von einer Wunderheilung die Rede war. Zu welchem Guru gehen Sie?

Rakitic: Mit einem Wunder hatte es wenig zu tun. Vielmehr mit etwas Glück - und sehr viel Disziplin. Ich habe alles, wirklich alles unternommen, um so schnell wie möglich zurückzukommen. Ich war jeden Tag stundenlang in Behandlung und habe mich mit allen erdenklichen Methoden therapieren lassen. Und wenn ich nach Hause kam, habe ich mich komplett ausgeruht und außer Beine hochlegen gar nichts gemacht, um die Heilung ja nicht zu gefährden.

SPOX: Das geduldige Nichtstun fiel Ihnen besonders schwer?

Rakitic: Ja, weil ich so brenne auf die neue Saison. Ich will Felix Magath unbedingt beweisen, dass er voll auf mich zählen kann...

SPOX: ... und haben deswegen im Urlaub schon derart hart trainiert, dass Sie drei Kilo abnahmen. Haben Sie Diättipps?

Rakitic: Ganz einfach: Während des Urlaubs nicht faul rumgammeln, sondern was machen (lacht). Ich war viel laufen und habe mit meinem Bruder Dejan Fußball gespielt. Zwar war ich zuvor schon ein ehrgeiziger Typ, der immer mehr und mehr trainieren wollte - aber der Trainerwechsel im Sommer hat für einen zusätzlichen Motivationsschub gesorgt.

SPOX: Ist das die nette Umschreibung dafür, dass Sie aus Angst vor Schleifer Magath so fleißig waren?

Rakitic: Nicht aus Angst, sondern aus tiefem Respekt. Ich bin nicht blind und habe genau beobachtet, welche Erfolge Magath mit seinen Methoden in Wolfsburg, bei den Bayern und in Stuttgart erreicht hat. Deswegen wollte ich soviel wie möglich von Magaths Trainingseinheiten für mich herausziehen und von Anfang an sein vorgegebenes Tempo mitgehen, um während der Saison davon zu profitieren.

SPOX: Haben Sie sich etwa auf Magaths Schinderei gefreut?

Rakitic: In der Vorbereitung war es - zugegeben - richtig happig, andererseits lasse ich mich gerne scheuchen, wenn es einen Sinn hat. Wenn ein solch erfolgreicher Mann wie Magath sagt, dass sich harte Arbeit rentiert und ich alles zurückbekomme, kann man mehrmals den inneren Schweinehund besiegen.

SPOX: Es klingt, als hätten Sie eine besondere Beziehung zu Magath aufgebaut.

Rakitic: Das nicht, denn Felix Magath ist ja bekannt dafür, sich zu den Spielern generell eher reservierter zu verhalten - was jedoch nichts daran ändert, dass der Trainerwechsel nicht nur für den Verein, sondern auch für mich persönlich sehr wichtig war. Er fordert mich und zeigt mir, dass ich mehr leisten kann und muss. Daher ist seine Verpflichtung für mich ein Glücksfall.

SPOX: Weil Sie von Magath auch auf Ihrer erklärten Lieblingsposition hinter den Spitzen eingesetzt werden?

Rakitic: Ich sehe mich nicht als reinen Zehner und kann in der Mittelfeld-Raute halbrechts oder halblinks spielen. Aber es stimmt schon: Ich lenke gerne ein Spiel und suche selbst den Abschluss.

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SPOX: Dennoch hat Schalkes Ex-Manager Andreas Müller gesagt, dass Sie kein echter Spielmacher seien.

Rakitic: Was ja auch stimmt. Ich bin kein klassischer Spielmacher wie Zvjezdan Misimovic, sondern eher ein Mittelfeldspieler, der über seine Vielseitigkeit kommt. Für die kroatische Nationalmannschaft läuft es beispielsweise auf links sehr gut. Das entscheidende Kriterium ist, dass die Spielweise der Mannschaft zu mir passt.

SPOX: Denken Sie darüber nach, dass sich Misimovic erst unter Magath zu einem herausragenden Regisseur entwickelt hat?

Rakitic: Natürlich hoffe ich, dass ich im gleichen Maße von Felix Magath profitieren kann wie Zwetschge. Es ist ein zusätzlicher Anreiz, im Training das Doppelte zu geben. Zwetschges Aufstieg muss ich mir als Vorbild nehmen.

SPOX: Was fehlt noch?

Rakitic: Schwer zu sagen. Offensive Mittelfeldspieler sind nur bedingt miteinander zu vergleichen, weil jeder Fußball anders interpretiert. Aber vielleicht sollte ich noch konsequenter und mit mehr Vehemenz versuchen, meine Stärken in die Mannschaft einzubringen.

SPOX: Letzte Saison spielten Sie allerdings nur eine Nebenrolle.

Rakitic: Es war die bisher schwerste Zeit als Fußball-Profi, obwohl ich einen guten Kontakt zu Fred Rutten hatte. Ich habe jedoch daraus gelernt und verstanden, was es heißt, wenn es in der Karriere nicht immer nach oben geht.

SPOX: Noch vor einem halben Jahr wollten Sie einen Weggang aus Schalke nicht ausschließen.

Rakitic: Ich habe immer betont, wie glücklich ich in Gelsenkirchen bin. Nur: Nach einem solchen Jahr musste etwas passieren - und es ist ja etwas passiert. Ich bin froh, dass die vergangene Saison damit abgeschlossen ist und ein Abschied von mir nicht einmal ansatzweise in Frage kommt.

SPOX: Obwohl in der Vergangenheit Klubs wie Inter Mailand, Juventus Turin, FC Barcelona oder der FC Chelsea an Ihnen interessiert gewesen sein sollen?

Rakitic: Das weiß ich nicht, aber ich habe mitbekommen, dass der eine oder andere Verein ein Gespräch gesucht hat. Es ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass ich mich bei S04 am besten entwickeln kann und hier meine Zukunft sehe.

SPOX: Immerhin sind Sie auf Schalke trotz Ihrer 21 Jahre als Führungsspieler gefragt. Ist Ihnen bewusst, welche Verantwortung auf Ihnen lastet?

Rakitic: Vielleicht hätte Felix Magath gerne etwas mehr Geld für Transfers gehabt, mich jedoch freut es, dass wir den Weg eingeschlagen haben, junge Spieler wie Levan Kenia oder Carlos Zambrano zu fördern. Ich kann mich voll mit der neuen Philosophie identifizieren und stelle mich natürlich der Verantwortung. Ich könnte zwar noch in der U 21 auflaufen, aber mittlerweile war ich bei einer EM dabei und habe in der Champions League und im UEFA-Cup gespielt. Diese Erfahrung will ich weitergeben.

Ein Kroate aus der Schweiz auf Schalke: Alle Infos zu Ivan Rakitic

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