Deutscher Meister - wer macht das Rennen?

Wolfsburg hat zwei - Bayern keinen

Von Daniel Börlein
Montag, 04.05.2009 | 13:20 Uhr
Grafite und Edin Dzeko: Wolfsburgs Sturmduo bringt es mittlerweile auf 42 Treffer
© Getty
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Allmählich wird's heiß. Vier Spieltage stehen in der Bundesliga noch auf dem Programm - und immer noch haben fünf Teams die Chance auf den Meistertitel. Die besten Chancen hat derzeit freilich Tabellenführer Wolfsburg.

Doch was ist sonst los beim VfL, in München, Berlin, Stuttgart und Hamburg und was spricht für und gegen die jeweiligen Teams.

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Das Bundesliga-Top-Quintett im SPOX-Check:

1. VfL Wolfsburg (60 Punkte, 66:36 Tore)

Das spricht für Wolfsburg: Der Rückschlag in Cottbus wurde gut weggesteckt, von den Gerüchten um Felix Magath ließ sich das Team nicht beeindrucken - um die Nerven der Wölfe ist es bislang gut bestellt. Verlass ist auch auf die beiden Torjäger: Grafite und Edin Dzeko bringen es gemeinsam auf 42 Treffer. Der große Vorteil im Vergleich zur Konkurrenz: Man hat zwei Spieler, die regelmäßig Partien entscheiden können. Kleines Plus: In Sachen Tordifferenz liegt der VfL derzeit sieben Treffer vor den Bayern und uneinholbar vor den anderen Verfolgern. Und: Mittlerweile demonstriert der VfL auch das Selbstbewusstsein eines Champions. "Wir hatten in Cottbus unseren Ausrutscher. Das Ziel ist nun die Meisterschaft", sagt Magath.

Das spricht gegen Wolfsburg: Die anhaltenden Gerüchte um die Zukunft von Magath sind keinesfalls förderlich. Selbst wenn der 55-Jährige seinen Wechsel demnächst bestätigen sollte, wird dies die Unruhe im Verein wohl kaum beenden. Was dem VfL zudem fehlt: Erfahrung im Titelkampf. Außer Christian Gentner (mit dem VfB) kämpfte noch kein Spieler im Kader bis zum Schluss um die deutsche Meisterschaft. Handicap: Mit Josue und Grafite sind zwei Schlüsselspieler mit vier gelben Karten vorbelastet.

Das Restprogramm: Stuttgart (A), Dortmund (H), Hannover (A), Bremen (H)

2. Bayern München (57 Punkte, 61:38 Tore)

Das spricht für Bayern: Die Stimmung im Verein, bei der Mannschaft und den Fans hat sich gewandelt. Die "Belastung" Jürgen Klinsmann ist weg, der Glaube an die eigene Stärke zurück. Miroslav Klose steht vor der Rückkehr ins Mannschaftstraining und könnte in Cottbus wieder im Kader stehen. Sicher mit dabei ist dann auch wieder Franck Ribery, der seine Gelb-Rot-Sperre abgesessen hat. Auch wenn Bayern bislang noch kein einziges Mal an der Tabellenspitze stand: Die Münchner haben mit Abstand die meiste Erfahrung im Titelkampf und haben vergleichbare Drucksituationen schon oft erlebt und gemeistert.

Das spricht gegen Bayern: Eine Offenbarung war auch das erste Spiel unter Heynckes nicht. In den letzten vier Partien warten mit Cottbus und Leverkusen zwei Gegner, gegen die der FC Bayern in der Vergangenheit nicht immer gut aussah. Am letzten Spieltag kommt dann der VfB. Nicht unbedingt ein Vorteil, denn die letzten direkten Duell mit der unmittelbaren Konkurrenz gingen allesamt verloren (0:1 in Hamburg, 1:2 in Berlin, 1:5 in Wolfsburg). Schlecht im Endspurt: Ein Knipser fehlt. Klose braucht nach seiner Pause noch, Podolski fehlt der Rhythmus und Toni traf zuletzt trotz bester Chancen eher selten.

Das Restprogramm: Cottbus (A), Leverkusen (H), Hoffenheim (A), Stuttgart (H)

3. Hertha BSC Berlin (56 Punkte, 44:36 Tore)

Das spricht für Berlin: Das Restprogramm wirkt machbar, zumal die Hertha ihre Schwächephase mit drei Niederlagen in Folge hinter sich zu haben scheint. In den letzten Partien zeigte die Tendenz bei den Berlinern wieder nach oben. Gegen Bochum kehrt nun auch Torjäger Andrej Woronin nach seiner Rotsperre wieder in die Mannschaft zurück. Kleiner Vorteil: Die Hertha hat irgendwie noch immer keiner richtig auf der Rechnung.

Das spricht gegen Berlin: Der Big Point gegen den HSV wurde verpasst, wodurch der Rückstand auf den VfL schon vier Punkte beträgt. Das Restprogramm ist zwar durchaus machbar, doch tut sich die Hertha gegen jeden Gegner gleichermaßen schwer, ob nun Top-Team oder Abstiegskandidat. Gefährlich: Mit Drobny und Simunic droht den beiden Defensivsäulen eine Gelbsperre. Beide sind für die Berliner nicht eins zu eins ersetzen.

Das Restprogramm: Bochum (H), Köln (A), Schalke (H), Karlsruhe (A)

4. VfB Stuttgart (55 Punkte, 54:39 Tore)

Das spricht für Stuttgart: Dass der VfB überhaupt noch vom Titel träumen darf, grenzt nach dem schwachen Saisonstart schon an eine Sensation. Von daher ist alles, besser als Platz fünf, eine Zugabe. Dadurch können die Schwaben befreit und ohne Druck aufspielen, ähnlich wie beim Titelgewinn 2007. Umso erstaunlicher, dass die VfB-Akteure nach dem 2:2 in Bielefeld äußerst geknickt wirkten und fürs Spiel gegen Wolfsburg Wiedergutmachung ankündigten. Die Stuttgarter sind richtig heiß!

Das spricht gegen Stuttgart: Serdar Tasci fehlt verletzungsbedingt, womöglich sogar bis zum Saisonende, Abwehrchef Matthieu Delpierre sah gegen Bielefeld die 5. Gelbe. Heißt: Gegen Wolfsburg muss der VfB mit der B-Innenverteidigung Boulahrouz/Niedermeier ran. Weiteres Manko für den Schlussspurt: Auch Lehmann, Gomez, Lanig und Khedira droht noch eine Gelbsperre. Bei fünf Punkten Rückstand muss der VfB für den Titel eigentlich alles Spiele gewinnen - bei diesem Restprogramm nicht ganz einfach.

Das Restprogramm: Wolfsburg (H), Schalke (A), Cottbus (H), FC Bayern (A)

5. Hamburger SV (55 Punkte, 43:41 Tore)

Das spricht für Hamburg: Die Moral stimmt bei den Norddeutschen, das bittere Pokal-Aus gegen Werder ist längst weggesteckt, die Euphorie in Hamburg scheint noch immer ungebrochen. Um allerdings überhaupt noch eine Chance zu haben, müssten die Konkurrenten patzen und der HSV seinerseits alle Spiele gewinnen. Hilfreich dabei: die Tiefe im Kader, die eine Rotation ermöglicht und die Ausfälle zumindest einigermaßen wettmacht.

Das spricht gegen Hamburg: Fünf Punkte Rückstand auf Platz eins sind eine ganze Menge, noch dazu hat der HSV das schlechteste Torverhältnis aller Top-Teams. Gut möglich, dass man das Thema Meisterschaft in Hamburg schon abgehakt hat und sich nun voll auf den UEFA-Cup konzentriert. Dennoch: die Doppelbelastung bleibt. Dadurch hat der HSV auch einige verletzte oder angeschlagene Spieler, unter anderem so wichtige Stützen wie Petric, Silva oder Guerrero.

Das Restprogramm: Bremen (A), Bochum (H), Köln (H), Frankfurt (A)

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