Nach der "Weichei"-Kritik

Der Psycho-Flüsterer

Von Stefan Moser
Montag, 15.10.2007 | 17:27 Uhr
© Getty
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München - Der Burgfrieden: Eine beliebte Metapher unter Fußballern, die immer dann zum Einsatz kommt, wenn zwei Hauptdarsteller sich nicht leiden können, in der Presse aber beteuern: "Wir ziehen an einem Strang."

Aktuell stammt das Zitat aus Dortmund, wo derzeit Sportdirektor Michael Zorc und Trainer Thomas Doll eifrig "an einem Strang ziehen". Die Frage ist nur: Ziehen sie auch in die dieselbe Richtung?

Schon vor der Partie der Borussia in Karlsruhe soll ein bis dahin schwelender Konflikt auf dem Dortmunder Flughafen zum handfesten Streit eskaliert sein. "Das ging soweit, dass wir dachten, beide gehen sich gleich an die Wäsche", zitieren die "Ruhr Nachrichten" einen namentlich nicht genannten BVB-Spieler.

"Man muss doch kontrovers diskutieren dürfen", so Zorcs kurzer Kommentar - versehen mit der Fußnote: "Dazu muss man sich nicht lieben."

Notorisch mittelmäßiger "Weicheier-Fußball"

Im Zentrum der Kontroverse steht vor allem der öffentliche Umgang mit der notorischen Mittelmäßigkeit des Dortmunder Fußballs. Trotz vereinzelt guter Resultate und ambitionierter Zielsetzungen (internationaler Wettbewerb und "attraktiver Tempofußball") dümpelt der BVB auch in dieser Saison im grauen Niemandsland der Tabelle vor sich hin.

Nach der 0:3-Niederlage gegen Hamburg platzte Zorc dann offenbar der Kragen. Er fand den Auftritt seiner Angestellten "peinlich" und sprach vor gezückten Mikrofonen von "Weicheier-Fußball". In Thomas Doll musste eine derart massive öffentliche Kritik natürlich den Beschützerinstinkt wecken.

Fast reflexartig stellt sich der 41-Jährige immer wieder demonstrativ vor seine "Jungs". Spielerschelte gehört für den Trainer nicht ins Fernsehen, sondern allenfalls in die Kabine. Inzwischen habe Doll seinen Sportdirektor auch darauf hingewiesen "wie ich mir so was vorstelle". Und das heißt: Kritik immer erst "intern absprechen".

Fremdbestimmt vom Mentaltrainer?

Ob das allerdings zum endgültigen Schulterschluss reicht, ist fraglich. Zumal es zwischen Zorc und Doll noch einen zweiten - womöglich weit größeren - Zankapfel gibt. Der hört auf den Namen Jürgen Lohr, ist 49 Jahre alt und als Mentalcoach im Trainerstab der Borussen beschäftigt.

Die Dortmunder Chef-Etage ist offenbar der Meinung, Lohr vernachlässige die Arbeit mit der Mannschaft, nehme dafür aber zu großen Einfluss auf die Meinungsbildung und das Auftreten von Trainer Doll.

"Lohrs Einfluss ist weder auf die Spieler noch auf mich groß. Unglaublich, was da zusammengetragen wird", weist Doll jedoch den Vorwurf der Fremdbestimmtheit energisch von sich.

Fakt ist, dass Doll auch schon während seiner Zeit in Hamburg mit dem Mentaltrainer zusammen gearbeitet hat. Und auch beim HSV regten sich Zweifel und Misstrauen gegen Lohrs permanente Präsenz. Nach anderthalb Jahren musste er gehen.

Auffällige Parallelen zu Schalke

In vielen Facetten erinnert die derzeitige Situation in Dortmund frappierend an die des Erzrivalen aus Gelsenkirchen vor ziemlich genau einem Jahr.

Nach durchwachsenem Saisonstart der Schalker trat damals Mentaltrainer Peter Boltersdorf zurück, um Coach Mirko Slomka aus der Schusslinie der Vereinsführung zu nehmen.

Auch Slomka galt damals als zu nett, zu weich - und zu sehr fremdbestimmt von seinem "Psycho-Flüsterer". Auf die permanente Kritik der "Bild"-Zeitung reagierten die Schalker Spieler damals mit einem geschlossenen Presseboykott.

Zorc auf der Kippe

Die Maßnahme wirkte in der Tat Team bildend, die Mannschaft rappelte sich wieder auf und wurde am Ende Zweiter. Weshalb die Dortmunder, die sich völlig ohne Störfeuer selbst in die Klemme manövriert haben, nach dem Sieg gegen Bochum in kollektives Schweigen verfallen mussten, erschließt sich dagegen nicht einmal den eigenen Anhängern. Von der offensichtlichen Reminiszenz an "Herne West" ganz zu schweigen.

Und so muss sich mittlerweile auch Susi Zorc, seit 25 Jahren beim BVB und "Borusse durch und durch", ernsthafte Sorgen um seinen Job machen. Die Unzufriedenheit der Fans ist dabei im Moment noch eher ein vages Hintergrundrauschen.

Sehr konkret ist dagegen die Vertragssituation. Der Kontrakt des 45-Jährigen läuft am Ende der Saison aus. Die BVB-Bosse wollen nur verlängern, wenn bis zur Winterpause eine klare Tendenz nach oben zu erkennen ist. Bis dahin herrscht fürs Erste Burgfrieden.

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