Fussball

Stefan Effenberg und die "Fußball-Bank" - das steckt dahinter

Stefan Effenberg wird Banker.
© getty

Stefan Effenberg als Banker: Der 50 Jahre alte Ex-Nationalspieler ist neuer Mitarbeiter der Volksbank-Raiffeisenbank Bad Salzungen Schmalkalden in Thüringen. Die kleine Genossenschaftsbank ist in der Fußball-Szene gut vernetzt - und hat offenbar schon mindestens einem großen Klub einen Millionenkredit verschafft.

SPOX erklärt, wieso "Effe" jetzt plötzlich Banker wird und in Zukunft bei großen Transfers mitreden könnte - und warum das Geschäftsmodell der Bank einige Fragen aufwirft.

Was macht Effenberg bei der VR-Bank?

Die Trainerkarriere des Tigers ist erst einmal auf Eis gelegt. Effenberg bekommt bei der Bank einen Vertrag und wird ab sofort das sogenannte "Firmenkunden-Kompetenzteam Fußball" der Bank in Thüringen unterstützen. "Er wird ein regulärer Mitarbeiter unserer Bank, was zum Beispiel bedeutet, dass er einen ganz normalen Vertrag erhält und ganz normal in unserem Organigramm geführt wird." So erklärte es die Bank gegenüber Finanz-Szene.de.

"Es geht um Finanzierung und Zwischenfinanzierung von Transfers oder beispielsweise einem Stadionumbau", sagte Effenberg t-online.de. "Mit meiner Erfahrung und meinen Kontakten im Sport will ich helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wenn es darum geht, wo wir finanziell unterstützen." Er werde "oft vor Ort sein", ansonsten aber mobil arbeiten. Und: "Es ist megaspannend, weil es eben nicht komplett weg ist vom Sport. Im Gegenteil."

Auf Nachfrage von SPOX und Goal verwies Pressesprecher Mike Helios auf das offizielle Statement, in dem es unter anderem heißt: Mit der Einstellung dieses Kompetenzträgers und unserem Finanz-Know-how denken wir, unsere Bank in einem wichtigen Bereich auf einem effektiven Weg in die Zukunft zu führen."

Helios bestätigte aber auch, dass Effenberg nicht der einzige Fußballer sei, mit dem die Bank zusammenarbeite: "Er ist mit Sicherheit nicht der Erste, das ist kein Geheimnis."

Genossenschaftsbank und trotzdem im Fußballgeschäft?

Schließlich ist das beschauliche Kreditinstitut schon längere Zeit im Fußballbereich tätig: Nach der Finanzkrise 2008 orientierte man sich um und erschloss im Zuge der eigens erstellten "Agenda 2025" neue Branchen. "Fußball ist ein lohnendes Geschäft", sagte der Vorstandsvorsitzende Stefan Siebert gegenüber der Zeitung Freies Wort im Jahr 2016. "Und es ist sicher."

Das sieht übrigens auch Effenberg so: "Die Sportart Nr. 1 weltweit. Und Fußball wird auch in Hunderten von Jahren noch gespielt."

Nur: Bei der VR-Bank handelt es sich um keine "normale", sondern um eine Genossenschaftsbank. Seit Football Leaks ist klar, dass private Banken und Investoren großen Klubs kurzfristig Geld leihen - und zwar immer häufiger. Genossenschaften sind jedoch zuallererst dem Fördergedanken verpflichtet. Es geht nicht in erster Linie darum, Geld zu verdienen.

Also eine fragwürdige Praxis? Zumindest steht die VR-Bank hier noch allein auf weiter Flur: Auf Anfrage von SPOX und Goal teilte das Handelsblatt mit, dass bislang keine weitere Genossenschaftsbank bekannt sei, die im Bereich Fußballkredite tätig ist.

Gab die VR-Bank Atletico Madrid einen Millionenkredit?

Mittlerweile ist der Fußball neben Grundstücken und Wohnungen der zweitgrößte Batzen im Kreditbuch der VR-Bank: 13,4 Prozent machten diese Engagements im Bereich "Organisationen ohne Erwerbszweck/Fußball" aus, insgesamt fast 58 Millionen Euro.

Die Bank soll in Deutschland, Spanien, Portugal und Italien gut vernetzt sein. Zu den Kunden gehören auch absolute Topklubs: Nach Informationen des Spiegel hat das Institut dem hoch verschuldeten spanischen Klub Atletico Madrid einen Kredit über zehn Millionen Euro gegeben, bei bis zu zehn Prozent Zinsen. Aktuell habe der Klub bei der Bank keinen Kredit, sagte die Bank zwar dem Handelsblatt, aber es wurden keine Angaben darüber gemacht, ob es in der Vergangenheit einen gegeben habe.

Sicher ist: Nationale und internationale Vereine arbeiten mit der Bank zusammen. Man schätze bei der VR-Bank "die kurzen Wege zu den Ansprechpartnern und Entscheidern, aber auch das praxisbezogene Handling im Tagesgeschäft", erklärte etwa Kölns Geschäftsführer Alexander Wehrle im "Mitgliederbrief Herbst 2018" der Bank.

1. FC Köln: Kein Kredit bei der VR-Bank

Auf Anfrage von SPOX und Goal betonte der 1. FC Köln allerdings, dass man kein Kreditkunde der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden sei. Vielmehr habe man wie viele Bundesligisten bei mehreren Banken, darunter auch der VR-Bank, eine sogenannte "Kontokorrentlinie", erläuterte Tobias Kaufmann, Leiter Medien & Kommunikation beim Effzeh.

Heißt: Die Banken räumen dem Verein eine gewisse Summe ein, auf die man zugreifen kann, sollte etwa ein Sponsor später als vereinbart zahlen. Braucht der Verein das Geld, kann er darüber verfügen - wenn nicht, dann nicht. Es handelt sich also explizit nicht um einen Kredit. In dieser Hinsicht arbeitet der 1. FC Köln ohnehin mit Sparkassen aus der Region zusammen.

Zusammenarbeit mit Investmentfirma und Ex-Politiker

Wie kommt die Bank aus der Provinz überhaupt an die großen Klubs heran? Offenbar über eine Verbindung zur Münchner Investmentfirma Score Capital. Die hat sich laut Eigenbeschreibung auf "Working-Capital-Finanzierung von Profifußballvereinen" spezialisiert.

Dort ist der frühere thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus Aufsichtsratschef. Gleichzeitig ist Althaus in einem weiteren Aufsichtsrat vertreten: dem der VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden.

Und hier kommt wohl die Personalie Effenberg ins Spiel.

Stefan Effenberg auf Fortbildung

Wann und wie der Kontakt zwischen der Bank und dem 50-Jährigen zustande kam, wollte das Bankinstitut nicht erläutern. "Seit längerer Zeit steht unser Bankinstitut in einem gedanklichen Austausch" mit dem ehemaligen Nationalspieler, ließ man verlauten. Nun sei Effenberg ein ganz normaler Angestellter, "kein Berater oder dergleichen".

Und der hat sich schließlich schon in der Vergangenheit an der Finanzszene interessiert gezeigt. So nimmt er seit April an einem bis September 2019 angesetzten Managementprogramm an der Akademie Deutscher Genossenschaften ADG in Montabaur teil, das Führung in Bezug auf das Bankenwesen vermitteln soll. "Das sind Lehrgänge rund ums Banking. Ich habe vier Module absolviert und die waren ganz schön anstrengend", sagte Effenberg der Heimatzeitung.

T-Online sagte er im Frühjahr: "Während einer Karriere hast du immer wieder mit Vermögensberatung und Geldanlagen zu tun, bekommst da sehr viel mit. Für mich ist das ein Grund gewesen, zu sagen: Ich möchte in dem Bereich noch mehr Verständnis haben, die Materie auch im Detail durchblicken und in die Tiefe gehen."

Effenbergs Einstieg in den Bankensektor schon lange geplant?

Wurde der Kontakt zur VR-Bank also erst in diesen Lehrgängen geknüpft? Die Aufnahmebedingungen der ADG legen etwas anderes nahe: So ist das Programm, das Effenberg absolviert, eigentlich Führungskräften vorbehalten. Teilnehmen könnten auch "branchenfremde Interessierte", bestätigte die ADG dem Handelsblatt. Unter einer Bedingung: Man müsse von einem genossenschaftlichen Institut angemeldet werden, das gleichzeitig die Kosten trage.

Es ist also zumindest möglich, dass Effenbergs Einstieg in den Finanzsektor schon vor langer Zeit feststand. Was ihn für das Institut so wertvoll macht, sind dabei sicherlich nicht die Lehrgänge, die ihm kaum mehr als die Grundzüge des Geschäfts näherbringen können.

Schließlich hat er auch kein Büro in Thüringen, in dem er über Verträgen und Zinssätzen brütet. Vielmehr sind Kontaktpflege und Kundenakquise sein Job, er stellt das Bindeglied zwischen den Vereinen und der Bank dar.

Was er dafür bekommt, darüber vereinbarten beide Seiten Stillschweigen. Aber es ist ein lohnendes Geschäft: Im vergangenen Jahr machte die VR-Bank Bad Salzungen Schmalkalden fast fünf Millionen Gewinn. Gerade für eine Genossenschaftsbank eine enorme Summe.

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