Dienstag, 30.09.2008

8+1-Lösung

Neun Städte werden Damen-WM austragen

In neun deutschen Städten rollt der Fußball bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 - und Angela Merkel ist schon 1000 Tage vor dem Anpfiff mit dem Herzen dabei. Bestens gelaunt zeigte sich die Bundeskanzlerin bei der Präsentation der Spielstätten in Berlin.

Fußball, Frauen, Theo Zwanziger, Silvia Neid
© dpa

"Ich empfehle allen Männern, die nicht so viel Ahnung haben und nur die Aufstellung der Männer-Nationalmannschaft runter rattern können, jetzt mal schnell zu lernen", sagte die Regierungschefin und zollte der Entscheidung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und des Weltverbandes FIFA Respekt.

Die WM wird in Augsburg, Berlin, Bochum, Dresden, Frankfurt/Main, Leverkusen, Mönchengladbach, Sinsheim und Wolfsburg gespielt. "Das verteilt sich ja gut über Deutschland", meinte Merkel.

Magdeburg und Bielefeld gehen leer aus

Durchs Sieb für das Turnier mit dem Gastgeber als Titelverteidiger fielen Bielefeld und Magdeburg. Bielefeld musste der massiven Konkurrenz im Westen Tribut zollen.

Mit herber Kritik reagierte Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) darauf, dass seine Stadt leer ausging und reiste erst gar nicht ins Bundeskanzleramt an. "Ich bin darüber enttäuscht - und da kann man sich abrackern wie man will -, dass man im Osten keinerlei Chance hat, wahrgenommen zu werden", kritisierte er in den Radiosendern SAW und MDR.

Der DFB verwies allerdings darauf, dass die Magdeburger alleine für temporäre Medien-Maßnahmen ihr Stadion für drei Millionen Euro hätten umbauen müssen.

Aber "im Gegensatz zu Magdeburg waren andere Bewerberstädte in der Lage, ein Angebot abzugeben, ohne gleichzeitig Geld von der Landesregierung zu fordern", meinte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU). Zudem ist Dresden als ostdeutscher Vertreter bei der WM dabei.

Ruhrpott-Duell

Mit Enttäuschung hat Bielefeld auf die Nichtberücksichtigung reagiert. "Das tut schon weh", sagte Bielefelds Oberbürgermeister Eberhard David (CDU).

Die Stadt habe zusammen mit Arminia Bielefeld eine hervorragende Präsentation abgegeben. Zu der Entscheidung beigetragen habe, dass auch Bochum angetreten sei. "Die beiden Westfalen haben sich blockiert", sagte Eberhard.

Eröffnungsspiel in Berlin

Der DFB hatte seine "8 + 1"-Lösung durchgesetzt: acht Spielorte plus Berlin als Schauplatz des Eröffnungsspiels am 26. Juni 2011.

In der Hauptstadt, wo 2006 das Sommermärchen mit dem Finale Italien - Frankreich abgepfiffen wurde, ist der Anstoß für die erste Frauen-WM in Deutschland.

"Das war das Äußerste, was zu erreichen war", sagte DFB-Präsident Theo Zwanziger. "Natürlich ist das für zwei Städte bitter, aber wir müssen so viele Faktoren berücksichtigen. Auf jeden Fall ist das ein Fortschritt gegenüber den Weltmeisterschaften in den vergangenen Jahren." 2007 in China wurde in fünf Stadien gespielt, 2003 in den USA in sechs.

Finale in Frankfurt

Das Endspiel findet am 17. Juli in Frankfurt/Main statt, wo der deutsche Meister, Pokalsieger und UEFA-Cup-Gewinner 1. FFC Frankfurt zu Hause ist.

Das Turnier umfasst 16 Mannschaften und 32 Spiele. An jedem Spielort finden maximal vier Begegnungen statt. Die Auslosung ist erst im Dezember 2010, der Ticketverkauf beginnt allerdings bereits im kommenden Jahr.

Bielefeld scheitert an Leverkusen

Im Westdeutschen Fußball- und Leichtathletik-Verband (WFLV) sei die Situation besonders schwierig gewesen, teilte der DFB mit.

Das Ruhrgebiet als klassische Fußball-Hochburg mit Bochum sollte nicht unberücksichtigt bleiben. Letztlich fiel die Entscheidung zwischen Bielefeld und Leverkusen.

Nach Abwägung aller wesentlichen Argumente hätten sich Vorteile für Leverkusen ergeben, das bei der WM 2006 leer ausgegangen war.

DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte zu, dass in Bielefeld in naher Zukunft ein Länderspiel der Nationalmannschaft auf dem Weg zur WM 2011 stattfinden werde.

"Top-Elf für 2011"

Eine ganze Mannschaft von Prominenten soll unter "Teamchefin" Merkel für die WM trommeln. Ex-Nationalspielerin Steffi Jones wird als Präsidentin des Organisationskomitees in den nächsten Jahren von der "Top-Elf für 2011" unterstützt.

Dort kicken die Schauspielerinnen Ulrike Folkerts, Renan Demirkan und Maria Furtwängler, Biathlon-Star Magdalena Neuner, Popsängerin Nena, Ex-Schwimmerin Franziska van Almsick, Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann, Wirtschaftswissenschaftlerin Beatrice Weder di Mauro sowie die Moderatorinnen Monica Lierhaus, Shary Reeves und Dunja Hayali.

Bessere Bezahlung für Frauen

"Die Männer verdienen verdammt viel Kohle im Fußball. Ich wünsche es den Frauen, dass sie ähnlich honoriert werden", sagte "Tatort"- Kommissarin Folkerts und gab damit gleich eine Steilvorlage.

Bei FIFA-Präsident Joseph Blatter stieß die Forderung auf offene Ohren. "Es ist wichtig, dass wird den Frauenfußball mitten in Europa zeigen. Und es ist auch wichtig, dass die Männer etwas vom Markt hergeben", sagte der Schweizer und wiederholte eine These, die er bereits vor Jahren gesagt hatte: "Die Zukunft des Fußballs ist weiblich."

Besucherrekord erwartet

Die Organisatoren der WM hoffen auf eine Zuschauer-Bestmarke beim Eröffnungsspiel in Berlin. "Ein ausverkauftes Olympiastadion mit 75.000 Zuschauern wäre im Frauenfußball Europarekord. Diesen peilen wir klar an", sagte Wolfgang Niersbach, der Generalsekretär des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), bei der Präsentation der Spielorte in Berlin.

Der Gastgeber darf bei dem Turnier nach Angaben von DFB-Vizepräsidentin Hannelore Ratzeburg in der Regel die erste Partie bestreiten.

Die bisher meisten Zuschauer weltweit gab es beim WM-Finale 1999 zwischen USA und China mit 90.000 Zuschauern im Rose Bowl Stadion von Los Angeles.

Die Rekordkulisse in Europa beansprucht der 1. FFC Frankfurt für sich, der im Mai 2008 vor 27.640 Zuschauern in der Commerzbank-Arena den UEFA-Cup gewann.

Die neun Stadien der Fußball-WM 2011 im Überblick!


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