Brasilien-GP: Analyse zum Rennen in Interlagos

Rosberg schlägt gegen Hamilton zurück

Sonntag, 09.11.2014 | 18:34 Uhr
Nico Rosberg hielt in Interlagos seinen Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton hinter sich
© getty
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Nico Rosberg hat den Kampf um die Formel-1-WM noch etwas spannender gestaltet. Der deutsche Mercedes-Pilot beendete beim Großen Preis von Brasilien mit seinem fünften Saisonsieg die Siegesserie seines Teamkollegen Lewis Hamilton und verkürzte den Rückstand in der Weltmeisterschaft auf 17 Punkte.

In Sao Paulo gelang den Silberpfeilen der elfte Doppelsieg in der Saison 2014 - der Uralt-Rekord von Alain Prost und Ayrton Senna bei McLaren ist überboten. Auch Ferrari verlor eine Bestmarke: Rosberg und Hamilton haben 30 Podestplatzierungen in einem Jahr gesammelt, zuvor lag die Scuderia mit 29 vorn.

Dritter wurde Lokalmatador Felipe Massa im Williams mit deutlichem Abstand. Weltmeister Sebastian Vettel belegte bei seinem vorletzten Rennen für Red Bull Rang 5 hinter McLaren-Pilot Jenson Button und hielt sich dabei das Ferrari-Duo Fernando Alonso und Kimi Räikkönen vom Leib.

Hinter den Scuderia-Fahrern holte Nico Hülkenberg dank einer alternierenden Boxenstoppstrategie für Force India Rang acht. Adrian Sutil startete nach technischen Problemen aus der Box und konnte den Rückstand nie wettmachen. Er überfuhr im Sauber als letzter Fahrer die Ziellinie.

Das gesamte Ergebnis im Überblick

Reaktionen:

Nico Rosberg (Mercedes): "Ich bin mit dem gesamten Wochenende super zufrieden. Ich konnte attackieren und die Lücke zu Lewis im Rennen kontrollieren. Als er näher gekommen ist, habe ich noch einmal angezogen. Es hat alles geklappt. Das ist großartig. Die Unterstützung war exzellent."

Lewis Hamilton (Mercedes): "Es war ein wunderbares Rennen, ich hatte Spaß. Ich habe einen riesigen Fehler zur Mitte des Rennens gemacht, aber sonst war das Auto super. Alle haben einen tollen Job gemacht. Der Dreher hat letztlich den Sieg gekostet: Ich war bis zu diesem Punkt deutlich schneller und etwa eine Sekunde vor Nico."

Felipe Massa (Williams): "Ich bin so glücklich! Ich habe in diesem Rennen so viele Fehler gemacht... Erst die Zeitstrafe und dann habe ich meinen Stopp bei McLaren gemacht! Aber das Auto war fantastisch. Ich bin so dankbar!"

Sebastian Vettel (Red Bull): "Schade, dass es nicht zu Platz vier gereicht hat. Wir dachten, wir kommen am McLaren noch vorbei. Das Manöver gegen Räikkönen? Ich habe gesehen, dass sich Button auf der Geraden schon schwer getan hat, vorbeizukommen. Deshalb musste ich es in der Kurve probieren. Ich habe es dort schon ein paar Mal außen überholt - das klappt natürlich nur, wenn der andere auch mitspielt."

SPOX-Spielfilm:

Vor dem Start: Für Daniil Kvyat geht es sieben Plätze nach hinten, die hatte er noch vom Motorenwechsel in Austin offen. Derweil muss Sergio Perez ebenso viele Plätze aufgrund seiner Kollision mit Adrian Sutil zurück. Der Deutsche wird allerdings selbst ganz am Ende fahren: Sauber musste seinen Ferrari-Turbo wechseln, er kam bis zum 15-Minuten-Vorstart-Signal nicht aus der Box und durfte deshalb nicht mehr in die Startaufstellung fahren.

RE-LIVE: Das ganze Rennen im Ticker

Start: Polesetter Rosberg verteidigt seine Führung mühelos gegen Teamkollege Hamilton, der während der Aufwärmrunde über eine rutschende Kupplung klagt. Auch sonst gibt es kaum Veränderungen. Lediglich Esteban Gutierrez verdrängt Kimi Räikkönen von Platz 10. Vettel kommt in der vierten Kurve zu weit raus, Magnussen und Alonso gehen vorbei.

Runde 5: Da ist schon der erste Reifenwechsel: Maldonado kommt rein und wird eine Runde später von Massa verfolgt, der zu schnell ist und beim nächsten Stopp fünf Sekunden warten muss. Dann kommen Bottas, Button und Vettel, in Runde 7 ist Rosberg dran, danach Hamilton. Die weichen Reifen halten nicht.

Runde 10: Nach den ganzen Stopps führt Hülkenberg plötzlich, weil er auf den härteren Medium-Slicks gestartet ist. Nach vier Runden hat ihn Rosberg aber ohne Gegenwehr wieder überholt. Drei Runden später geht der Force-India-Pilot an die Box.

Runde 25: Grosjean hatte schon mehrere Runden lang Probleme, seinen Lotus auf der Strecke zu halten. Er kommt zum ersten Stopp, während Vettel schon die zweite Runde eröffnet. Zwei-Stopp-Strategie beim Franzosen - einer weniger als der Rest.

Runde 27: Endloser Stopp von Bottas, ein Mechaniker hantiert da am Sicherheitsgurt des Finnen. Er fällt nach dem Stint hinter Button, Vettel, Magnussen und Alonso zurück. Massa ist weiter Dritter hinter den Mercedes.

Runde 28: Hamilton ist wieder in Führung, weil Rosberg an der Box war. Zwei Runden hat er, um den Rückstand aufzuholen. Erst setzt er die schnellste Rennrunde, dann verbremst er sich vor Turn 4 und dreht sich raus. Der Angriff ist gescheitert. Nach dem Hamilton-Stopp ist Rosberg sieben Sekunden vorn.

Runde 40: Ricciardo berichtet über Funk von Bremsproblemen und kommt an die Box. Die Mechaniker prüfen die Scheibe und können keinen Fehler feststellen. Erst die TV-Wiederholung zeigt, dass die Aufhängung beim Anbremsen des Senna-S nachgegeben hat. Das Rennen ist für den Australier beendet.

Runde 42: Bottas wird von Hülkenberg überholt. Der Deutsche geht vor dem Senna-S mit der Brechstange vorbei, der Finne muss in die Auslaufzone ausweichen. Dadurch schlüpft Räikkönen mühelos an seinem Landsmann vorbei.

Runde 45: Hamilton hat den Rückstand auf seinen Teamrivalen schon auf drei Sekunden reduziert. Unterdessen geht Alonso mit DRS-Unterstützung an Magnussen vorbei. Der Däne verteidigt innen, aber der Spanier kommt in der nächsten Kurve vorbei.

Runde 50: Dritter und letzter Stopp für Sebastian Vettel. Eine Runde später folgt Rosberg, der nur noch weniger als zwei Zehntel Vorsprung auf seinen Teamkollegen hatte. Eine Runde später kommt Hamilton, er verzichtet also diesmal auf einen Husarenritt.

Runde 53: Massa macht den Hamilton: Der Brasilianer steuert bei seinem Stopp die McLaren-Box an. Die Chrom-Jungs winken den Brasilianer hektisch durch, der dadurch aber ein wenig Zeit verliert.

Runde 54: Hamilton ist im DRS-Fenster und macht gleich wieder ordentlich Druck, aber Rosberg kontert mit einer schnellsten Runde, obwohl er kein DRS benutzen durfte.

Runde 55: Massa überholt Hülkenberg wieder für Platz 3, der Jubel auf den Tribünen ist groß.

Runde 62: Während Rosberg sich beim Überrunden gegen Hamilton verteidigt, stehen hinten drei Autos fast nebeneinander auf der Strecke: Räikkönen wird dabei von Button und auch von Vettel passiert. Hier geht es um den ersten Platz hinter dem Podium.

Runde 69: Nach rundenlangem Kampf kommt Alonso in der DRS-Zone bei Start und Ziel endlich an Ferrari-Kollege Räikkönen vorbei, der auf wesentlich älteren Reifen unterwegs ist.

Runde 70: Rosberg hat die Sache weiter unter Kontrolle. Setzt Hamilton noch eine ganz späte Aktion oder begnügt er sich mit den 18 Punkten für Platz 2, mit denen ihm ein zweiter Platz in Abu Dhabi zum Titelgewinn reichen würde?

Ziel: Rosberg gewinnt vor Hamilton, dahinter fährt Massa einsam auf den dritten Platz auf dem Podium. Die weiteren Punkte gehen an Button, Vettel, Alonso, Räikkönen, Hülkenberg, Magnussen und Bottas.

Mann des Rennens: Nico Hülkenberg. Von Rang 12 gestartet, machte der Emmericher schnell Jagd auf die großen Teams. Sicherlich hatte er meist einen Stopp weniger. Doch dass er nicht in der Anfangsphase zurückfiel, seine Position verteidigte und sich so mit der alternativen Strategie um vier Ränge nach vorn arbeitete, war eine gute Leistung. Zudem zeigte er einige schöne Überholmanöver - wie die Brechstange gegen Bottas.

Flop des Rennens: Sauber verabschiedete sich wieder von der verbesserten Form. Gutierrez kam über Rang 14 nicht hinaus, Sutil wurde 16. und damit Letzter, nachdem er aus der Box gestartet war. Ein bitteres Wochenende für das krisengeschüttelte Schweizer Team, das noch immer punktlos dasteht.

Manöver des Rennens: In der 62. Runde ging Jenson Button wieder seinem Hobby nach: Ferraris ärgern. In Austin musste er Alonso noch ziehen lassen, Räikkönen ließ er in Sao Paulo keine Chance mehr. Nach mehreren Umläufen im Zweikampf sammelte er vor dem Senna-S Schwung und schnappte sich Räikkönen fast, der Finne verteidigte aber exzellent. Nach Turn 4 war es dann soweit: Der Engländer ging vorbei und Vettel profitierte: Er schnappte sich seinen wahrscheinlichen neuen Teamkollegen auf der Außenbahn.

Das fiel auf:

  • Ruhiges Rennen in Sao Paulo: Keine Crashs, keine Berührungen, kein Safety Car und nur zwei technische Ausfälle. Der Brasilien-GP verlief ungewohnt ereignisarm.
  • Bei Mercedes bot sich ein ähnliches Bild wie in Austin: Rosberg war im ersten Stint auf weicheren Reifen der Schnellere, doch nach den ersten Stopps übernahm Hamilton die Kontrolle. Hätte der Engländer sich in der 29. Runde keinen Fehler geleistet, er hätte das Rennen in Interlagos wohl gewonnen.
  • Williams hatte eindeutig das zweitstärkste Auto. Zwischenzeitlich waren die Boliden schneller als die Werks-Mercedes. Doch das half nichts, weil Bottas durch seinen losen Gurt und Gummi-Teile im Frontflügel eingebremst wurde und Zeit verlor.
  • 53 Grad Asphalttemperatur zeigten die Thermometer an. Dabei war eigentlich Regen prognostiziert. Die hohe Temperatur war zu viel für die Pirelli-Slicks, gerade die soften Gummis grainten und warfen Blasen. Das Problem: Wegen des neuen Asphalts wurden die Italiener unter Druck gesetzt, die Reifennominierung zu ändern. Massa befürchtete etwa, dass bei Regen oder Mischverhältnissen die Slicks nicht auf Temperatur zu bringen sind. Die hohen Außentemperaturen im brasilianischen Winter zerstörten die Planung jedoch.
  • Kimi Räikkönen zeigte mal wieder seine Stärke: Er kam als einziger Pilot mit drei Reifensätzen aus und schickte sich so an, Fernando Alonso hinter sich zu lassen. Drei Runden vor Schluss war seine Gegenwehr allerdings beendet, weil seine alten Slicks nur noch wenig Leistung boten.

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