Formel 1

Formel-1-Änderung ab 2021: Budgetdeckelung und billigere Motoren sollen kommen

Von SPOX
Die Formel 1 hat seit dieser Saison ein neues Logo.
© getty

Am Rande des Großen Preises von Bahrain hatte Formel-1-Besitzer Liberty Media seine Pläne für die Zukunft der Königsklasse präsentiert. Ab 2021 soll es eine Budget-Obergrenze sowie günstigere Motoren geben. Ziel ist es, das Kräfteverhältnis ausgewogener zu gestalten. Strategiegruppe und Formel-1-Kommission gehen den Weg mit.

Formel 1 mit mehr Benzin ab 2019

Wie Strategiegruppe und die Formel-1-Kommission am 17. April mitteilten, soll das Benzinsparen ab der nächsten Saison Geschichte sein. Demnach wird die zulässige Menge von 105 auf 110 Kilogramm erhöht werden. Damit soll es den Fahrern möglich sein, wieder mehr Vollgas geben zu dürfen.

Budgetdeckelung in der Formel 1 ab 2021

Der gravierendste Einschnitt, den Formel-1-Chef Chase Carey und Sportdirektor Ross Brawn den zehn Teams am Freitag offenbart haben, ist die geplante Budgetdeckelung. Ab 2021 darf ein Rennstall nur noch maximal 150 Millionen Dollar pro Jahr ausgeben. Demnach müsste ein kleineres Team nur noch 30 Millionen Dollar von Sponsoren auftreiben, um auf demselben Niveau wie die Großen des Geschäfts zu liegen.

Aktuell kostet ein Formel-1-Engagement mindestens 100 Millionen Dollar im Jahr. Die Big Names der Szene - Mercedes, Ferrari und Red Bull - geben allerdings um die 300 Millionen Dollar aus. Geld, das Privatteams nicht haben. Und Geld, das den Wettbewerb vorhersehbar macht. Zeiten, in denen die Kleinen die Großen ernsthaft ärgern können, sind längst vorbei. Mit den geplanten Änderungen soll sich das Bild entsprechend wieder ändern.

Ausgenommen von der Obergrenze sind die Gehälter an Fahrer und führende Angestellte. Auch die Marketingausgaben darf jedes Team selbst bestimmen.

Neue Geldverteilung an die Formel-1-Teams

Doch nicht nur die Deckelung der Ausgaben ist geplant. Auch die Geldverteilung an die Teams soll neu geregelt und damit gerechter werden. Bonuszahlungen gehen nur noch an die Motorenhersteller (10 Millionen Dollar) und Ferrari, das allerdings statt 100 Millionen Dollar künftig nur noch die Hälfte an Prämien erhält. "Die Formel 1 soll für alle Teams ein Geschäft werden, an dem sie verdienen können", zitiert auto motor und sport Liberty Media.

Der Clou am neuen Gerüst: Die Werksteams dürfen die zusätzlichen Einnahmen nicht in die Entwicklung ihrer Autos stecken, sondern diese lediglich als Gewinn in ihre Bilanz schreiben.

Formel 1 2017: Das Budget der Teams

TeamBudget in Euro*
Mercedes310 Millionen
Ferrari260 Millionen
Red Bull250 Millionen
McLaren212 Millionen
Renault172 Millionen
Williams120 Millionen
Toro Rosso115 Millionen
Haas115 Millionen
Sauber109 Millionen
Force India103 Millionen

*Quelle: motorsport-total.com

Formel 1: Günstigere und einfachere Motoren ab 2021

Wie bereits Ende Oktober 2017 vorgeschlagen, sollen ab 2021 1,6-Liter-Turbomotoren ohne MGU-H eingeführt werden. Den Wegfall des sehr komplexen und damit sehr teuren Energie-Rückgewinnungssystems wird eine stärkere MGU-K kompensieren.

Außerdem soll die Maximal-Drehzahl um 3.000 Umdrehungen pro Minute erhöht werden. Dadurch sollen die Antriebe wieder lauter werden. Darüber hinaus wird das Spritlimit erhöht.

Und: Um die Kosten für einen neuen Motor zu senken und damit potenzielle Interessenten anzulocken, sollen mehr Einheitsteile im Motorenbereich eingeführt werden - innere Bauteile eines Getriebes sollen beispielsweise standardisiert werden. Ein Schritt, den Porsche, Ilmor, Lamborghini und Aston Martin, also begrüßen dürften.

Formel 1: Plan für sportliche und technische Regeln

Grundsätzlich ist das Motto: Mehr Einheitsteile, ohne die Individualität der Fahrzeuge dabei zu liquidieren. Dementsprechend sollen Motoren, die Aerodynamik und Radaufhängungen immer noch von jedem Team in Einzelarbeit entwickelt werden.

Im Fokus liegt darüber hinaus, die Autos so zu gestalten, dass der Fahrer wieder mehr im Mittelpunkt des Geschehens liegt. Auch soll das Überholen wieder einfacher gemacht werden. Beim diesjährigen Saisonauftakt in Australien zählten die Statistiker lediglich fünf Überholmanöver.

Einfachere Entscheidungsfindung

Die geplanten Änderungen sind bislang nicht ins Regelwerk festgeschrieben. Vielmehr sollen sie eine Grundlage für Diskussionen bieten und den Weg in die Zukunft weisen. Apropos Regelwerk: Sollte eine neue Regel geplant sein, soll die Umsetzung künftig leichter beschlossen werden können. Statt der Strategiegruppe und F1-Kommission sollen je zehn Vertreter der FIA, des Formel-1-Managements und der Teams mögliche Änderungen besprechen.

Für die Absegnung neuer Regeln reicht dann eine einfache Mehrheit, bei entscheidenden Regelanpassungen braucht es eine 75-Prozent-Mehrheit. Aktuell braucht es bei kurzfristigen Änderungen ein einstimmiges Votum.

Wie reagieren die Formel-1-Teams?

Die kleineren Teams wie Williams, Force India und Co. haben die Ideen von FIA und Liberty Media mit Freude aufgenommen . Auch Red Bull und McLaren stehen einer Budgetdeckelung grundsätzlich positiv entgegen.

Anders sieht es da bei Ferrari und Mercedes aus. Die Spitzenreiter der Branche sehen ihren Status in Gefahr, entsprechend kritisch wird man die Geschehnisse verfolgt haben. Vor allem Ferrari-Präsident Sergio Marcionne drohte immer wieder mit einem Ausstieg, sollte die Scuderia ihren Sonderstatus verlieren.

Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda warnte gegenüber der Bild: "Die Obergrenze ist so für uns nicht machbar. So schnell kann man kein Budget herunterkürzen."

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