Formel 1

Geht Hülkenberg komplett leer aus?

Italienische statt indische Kraft? Nico Hülkenberg gilt als möglicher Nachfolger für Kimi Räikkönen
© getty

Die Überraschung war groß. Als erstes Team nach Mercedes bestätigte Sauber seine Fahrerpaarung für die Formel-1-Saison 2016. Das Karussell dreht sich, doch die Kettenreaktion beginnt erst, wenn Ferrari sich entscheidet. Es könnte ein böses Ende für Nico Hülkenberg geben.

Kimi Räikkönen, Formel-1-Weltmeister 2007, Iceman, Multimotorsporttalent - und zu Saisonende 2015 Rentner? Immer mehr Anzeichen deuten darauf hin. War bis zu Jules Bianchis schwerem Unfall klar, dass der Franzose das Cockpit des Finnen übernehmen sollte, hat Ferrari nun die Qual der Wahl: Räikkönen per Option behalten, die am 31. Juli verstreicht? Ein etablierter Pilot oder eine Überraschung?

Klar ist: Eine Beförderung der eigenen Talente ist ausgeschlossen. Topkandidat Raffaele Marciello liegt in der Nachwuchsserie GP2 in seiner ersten Saison in der Gesamtwertung auf Rang 7, Antonio Fuoco fährt in der GP3, Lance Stroll unfallt in der Formel-3-EM herum, Guan Yu Zhou macht in der italienischen Formel 4 seine allerersten Fahrten im Monoposto.

Bottas spricht schon distanziert von Williams

Dass die Testfahrer Esteban Gutierrez und Jean-Eric Vergne aufrücken - ebenso unwahrscheinlich. Also: ein etablierter Pilot. Die Kandidaten: Valtteri Bottas von Williams oder Le-Mans-Sieger Nico Hülkenberg von Force India. Die Scuderia hat sich nach übereinstimmenden Medienberichten festgelegt und will ihren Finnen mit einem weiteren Finnen ersetzen, indem sie Williams eine Ablöse bezahlt. Bis zu 17 Millionen Euro soll sie betragen.

"Ich glaube an die Zukunft von Williams. Es ist ein gutes Team, das schon oft an der Spitze stand. Aber ich habe noch keine Bestätigung, ob ich Teil davon sein werde oder nicht", sagte Bottas vor dem Österreich-GP. Das von PR-Strategen in der Formel 1 etablierte "wir" bei Äußerungen zum eigenen Rennstall vermeidet er mittlerweile.

Hülkenberg ginge damit abermals leer aus, nachdem ihm Ferrari schon 2013 einen Korb gab. Damals sagte der mittlerweile geschasste Teamchef Stefano Domenicali dem Deutschen per SMS ab, nachdem ein Vertrag schon ausgehandelt war und zog Räikkönen vor.

Wo führt Hülkenbergs Weg hin?

Wo der Weg für Hülkenberg hingeht? Unklar. "Es wird im Moment so viel spekuliert. Die ganzen Bottas-Gerüchte - bestätigt ist da noch nichts. Ich glaube, in den kommenden Wochen werden die Würfel endgültig fallen. Dann werden wir sehen, wohin die Reise geht", sagt der Emmericher im ZDF Sportstudio: "Bei Ferrari sagt kein Fahrer nein. Ich habe an die Tür geklopft."

Und wenn es nicht reicht? Wenn Ferrari die Entscheidung neben der fahrerischen Leistung auch aufgrund von Marketing-Aspekten fällt? Zwei Deutsche in einem Team wären schließlich suboptimal.

Williams wäre eine Alternative. Der 27-jährige Ausnahmepilot kennt das Team, weil er von 2008 bis 2009 als Testfahrer von Frank Williams' Truppe für die Formel 1 aufgebaut wurde und mit ihnen in der Saison 2010 in der Königsklasse des Motorsports debütierte, bevor er Platz für die Petrodollar von Pastor Maldonado machen musste. "Es hängt davon ab, was alles passiert. Was ist mit Kimi? Wo geht Bottas hin? Wenn einmal die Initialzündung geschehen ist, dann gibt es einen Dominoeffekt", sagt auch Hülkenberg.

Allein, es gibt ein Problem: Sobald sich Ferrari für den neuen Partner von Sebastian Vettel entschieden hat, bietet Williams das begehrteste freie Cockpit. Der Emmericher hat namhafte Konkurrenz.

Button statt Hülkenberg bei Williams?

Selbst Jenson Button, der im Jahr 2000 als Nachfolger von Alex Zanardi bei Williams in der Formel 1 debütierte, gilt als Kandidat. Der Grund ist einfach: McLaren braucht ein Cockpit für sein Toptalent Stoffel Vandoorne. Der Belgier führt die GP2-Gesamtwertung mit 85 Punkten Vorsprung an. Als Meister dürfte er dort in der Saison 2016 nicht mehr starten. Und: Mit Kevin Magnussen ist ein weiterer talentierter Fahrer schon jetzt nur Ersatzfahrer beim Team aus Woking.

Zurück zu Hülkenberg. Für den Emmericher bliebe im schlimmsten Falle abermals nur ein Mittelfeldteam. Force India kennt seine Stärken. Doch nicht mal dort ist ihm sein Cockpit sicher, weil Mercedes sein Toptalent beim Kundenteam unterbringen könnte.

Verliert der Hülkster auch sein Force-India-Cockpit?

Pascal Wehrlein fährt seit den Testfahrten vor dem Saisonauftakt zweigleisig für das Werksteam und den Rennstall von Vijay Mallya. Doch bei ihm gibt es ein Problem: Die Kriterien für die Ausstellung einer Superlizenz, der F1-Fahrerlaubnis, wurden nach dem Debüt des minderjährigen Max Verstappen beginnend mit der Saison 2016 verschärft.

In den drei vorangegangenen Jahren müssen neue Formel-1-Piloten 40 Punkte in anderen Serien gesammelt haben, um in die Superlizenz zu bekommen. Wehrlein fuhr in dieser Zeit ausschließlich in der DTM. Für Platz 8 in der Saison 2014 bekommt er einen Punkt - selbst wenn er in diesem Jahr Meister wird, kämen nur 15 hinzu. Es würden also immer noch 24 Zähler fehlen.

Eine mögliche Lösung: Wehrlein fährt eines der ausstehenden Saisonrennen für ein Mercedes-Kundenteam. Unter den aktuell geltenden Regularien würde er aufgrund seiner abgespulten Testkilometer die Lizenz ohne Probleme erhalten.

Die andere Variante: Mercedes pocht auf eine Ausnahmeregelung. Der World Motor Sport Council hat bei seiner letzten Sitzung in Mexiko am 10. Juli neben der neuen Punktetabelle eine Lücke für F1-Testfahrer eingebaut, die so ebenfalls die Superlizenz erhalten können.

Arge Probleme für kleine Teams

Diese Entscheidung bedeutet auch, dass besonders die auf finanzielle Unterstützung angewiesenen Teams Probleme bekommen. Die ersten fünf Plätze der Liste belegen Audi-Werksfahrer aus dem WEC-Projekt, Andre Lotterer thront durch seine Starts in der japanischen Super Formula mutterseelenallein mit 145 Punkten über allen. Zudem unter den Top 10: Will Power und Scott Dixon aus der Indycar-Serie, Vandoorne, Marciello und mit Allan McNish ein weiterer Ex-Audi-Mann.

Die weiteren Nachwuchsfahrer, die ohne Erfolge in der laufenden Saison aufsteigen dürften: Sam Bird, Alex Lynn, Jolyon Palmer, Esteban Ocon und Fabio Leimer. Der GP2-Champion der Saison 2014 wurde erst am 3. Juni bei Manor als neuer Reservefahrer vorgestellt. Fliegen Roberto Merhi oder Will Stevens raus, hat er gute Chancen auf ein Stammcockpit.

Die bestätigten F1-Fahrer der Saison 2016:

Team

Fahrer 1

Fahrer 2

Mercedes

Lewis Hamilton

Nico Rosberg

Ferrari

Sebastian Vettel

???

Williams

???

???

Red Bull

Daniel Ricciardo

???

Force India

???

???

Lotus

???

???

Sauber

Felipe Nasr

Marcus Ericsson

Toro Rosso

???

???

McLaren

Fernando Alonso

???

Manor

???

???

Haas

???

???

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