Formel 1

Manor verpflichtet Renault-Ingenieure

SID
Bob Bell war unter anderem für Mercedes, Benetton und McLaren aktiv
© getty

Das Hinterbänkler-Team Manor hat sich überraschend mit drei namhaften Ingenieuren verstärkt. Das Pikante: Zwei von ihnen arbeiteten zuletzt für Renault, einer machte Mercedes zum Weltmeister. Wird das Ex-Marussia-Team jetzt das Werksteam der Franzosen? Renault bestätigt Gespräche mit Bernie Ecclestone über die eigene Zukunft. Derweil gibt es Gerüchte um ein McLaren-Kundenteam.

Manor holt Renault-Ingenieure: Die Rede ist von Bob Bell, der als Technischer Direktor die Konzenptions des W05 verantwortete, mit dem Lewis Hamilton die Fahrer-WM 2014 gegen seinen Teamkollegen Nico Rosberg gewann. Der frühere Benetton-, Jordan- und McLaren-Ingenieur steht Teamchef John Booth und Sportdirektor Graeme Lowdon bei der Umstrukturierung des früheren Marussia-Teams als Berater beiseite.

Bell hatte sich nach der Saison 2014 von Mercedes verabschiedet und hatte anschließend für Renault vier Formel-1-Teams überprüft. Der französische Hersteller überlegte, ob er Sauber, Force India, Lotus oder Toro Rosso übernehmen sollte, um wieder mit einem eigenen Werksteam in der Königsklasse zu starten. Statt als Red-Bull-Anhängsel sollen Erfolge so auf das Image der eigenen Marke transferiert werden.

Neben Bell galt auch Gianluca Pisanello als Kandidat für das neue Werksteam. Der Italiener, früher bei Caterham und Toyota angestellt, wird nun neuer Chefingenieur bei Manor. Zudem wird Ex-Toro-Rosso- und McLaren-Mann Luca Furbatto Chef der Designabteilung. Die Frage bei so vielen Neuverpflichtungen aus dem Renault-Lager: Übernehmen die Franzosen jetzt Manor? Oder haben sie vom Comeback Abstand genommen und die Mitarbeiter freigegeben?

Renault-Motorsportdirektor Cyril Abiteboul bestätigte bei Autosport zumindest ein Gespräch mit Formel-1-Chefpromoter Bernie Ecclestone in Monaco. Dabei ging es um die Zukunft des Herstellers: "Wir wollen sehen, ob e seine Option für uns gibt, mehr Ertrag für das zu bekommen, was wir in der F1 tun." Demnach stehe auch ein kompletter Ausstieg am Ende der Saison 2016 weiter zur Debatte.

Steigt ART als McLaren-Kundenteam ein? Der Automobilweltverband FIA hat überraschend zwei weitere Startplätze für ein neues Formel-1-Team ab der Saison 2016 ausgeschrieben. Die Bewerbungsfrist endet am 1. September 2015. Bisher war das US-amerikanische Haas-F1-Team der einzige Neuling für die kommende Saison. Wer also soll in so kurzer Zeit knapp 100 Millionen Euro auftreiben und einen neuen Rennstall aufbauen?

Geht es nach Auto Motor und Sport könnte der Grund ein anderer sein, das Team schon bestehen. Angeblich ist der Bewerber ART GP. Die Franzosen bilden in den Nachwuchsklassen seit Jahren erfolgreich Spitzenpiloten wie Lewis Hamilton, Nico Rosberg und Nico Hülkenberg aus. Aktuell fahren McLaren-Nachwuchsmann Stoffel Vandoorne und Honda-Zögling Nobuharu Matsushita in der GP2 für ART.

Den Gerüchten zufolge könnte McLaren-Honda seinen Partner als Kundenteam in der Formel 1 etablieren. Die Strategiegruppe hat bereits beschlossen, diesen Vorschlag genauer zu prüfen. Dann könnten Mercedes, Ferrari, Red Bull und Williams je einen kleinen Rennstall beliefern, McLaren hätte ART und Manor würde ohne Partner dastehen - oder auf Renault bauen... Nur was passiert dann mit Haas?

Force India erklärt Abneigung gegen Kundenautos: Dass das Team von Nico Hülkenberg und Sergio Perez die Kundenauto-Idee nicht gerade liebt, ist bekannt. Der stellvertretende Teamchef jetzt erklärt, warum. Er fürchtet den Rückzug eines Teams.

"Wenn eines von ihnen versagt oder sich wegen einer Laune des Vorstands zurückzieht, dann würde man nicht nur zwei Autos verlieren, sondern vier oder vielleicht noch mehr", so Rob Fernley: "Noch schlimmer wäre, dass man keine Möglichkeit hätte, sie zu ersetzen, weil man dann schon die ganze Infrastruktur, die es zuvor gab, losgeworden wäre."

Was er damit meint: Wird ein aktueller Konstrukteur zum Kundenteam, wären viele technische Anlagen wie Windkanal oder Fertigungsanlagen unnötig. Sie würden verkauft. Die dort arbeitenden Ingenieure müssten sich ebenso einen neuen Job suchen. "Die DNA und die Stärke der Formel 1 sind die unabhängigen Teams. Sie sind das Rückgrat der Formel 1", glaubt Fernley deshalb.

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