"Kopfschütteln innerhalb der Formel 1"

SID
Montag, 08.11.2010 | 12:47 Uhr
Sebastian Vettel macht den Kampf um den WM-Titel spannend
© Getty
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Nach seinem Sieg in Sao Paulo hat Sebastian Vettel noch Chancen auf die WM-Krone. "Super Vettel!", titelte die "Gazzetta dello Sport". Viele wundern sich aber auch, dass Red Bull Vettel hat gewinnen lassen. "Kopfschütteln innerhalb der Formel 1", heißt es beim "Guardian". Die internationalen Pressestimmen zum Brasilien-GP.

Sebastian Vettel hat durch seinen Sieg in Sao Paolo den Kampf um die WM-Krone offen gehalten und wird von der Presse gelobt: "Wenn Vettel in Form ist, zeigt er sein außerordentliches Talent", schreibt Corriere della Sera.

Die spanischen und italienischen Zeitungen feiern hingegen WM-Spitzenreiter Fernando Alonso und sehen in ihm den kommenden Weltmeister. Dass Red Bull - wie angekündigt - auf eine Teamorder verzichtet, bringt den "Bullen" viel Lob ein. Die internationalen Pressestimmen zusammengestellt.

Italien

Gazzetta dello Sport: "Super-Vettel! Red Bull hilft nicht Webber, und Alonso bedankt sich. Doppelpack von Red Bull ohne Teamspiel. Das österreichische Team erobert den Konstrukteurstitel. Vettel fährt mit der Wut eines Piloten, der sich eines Titels beraubt fühlt, mit dem er schon gerechnet hatte, den er jetzt aber nur schwer erobern wird. Für Webber ist es nicht einfach, in einem Team zu fahren, das es ihm fast zur Last macht, dass er vor Vettel Tabellenführer ist. Das Klima bei Red Bull unterstützt ihn nicht, doch der Australier blickt nach vorne. Er weiß, dass ihn Red Bull in Abu Dhabi fördern muss, wenn das Team den Pilotentitel erobern will".

Corriere dello Sport: "Vorwärts Alonso, Du schaffst es! Bei Red Bull wird eine Meisterschaft innerhalb einer Meisterschaft bestritten. Vettel und Webber kämpfen um den Titel, und Alonso denkt an sich. Er hofft, dass Vettel an der Spitze bleibt. Alonso ist der König der Opportunisten. In Brasilien sollen sich die Red Bull-Piloten ruhig zerfleischen, damit er am kommenden Sonntag in Abu Dhabi gewinnen kann."

Tuttosport: "Ein Duell bis zum letzten Atemzug. Kräftemessen bei Red Bull, doch Alonso bleibt an der Spitze. Am Sonntag entscheidet sich in Abu Dhabi die Weltmeisterschaft. Die Harmonie zwischen den beiden Red-Bull-Piloten ist endgültig dahin. Es scheint fast, dass das österreichische Team glücklicher wäre, mit Vettel zu verlieren als mit Webber zu gewinnen. Webbers Selbstkontrolle ist beeindruckend. Man sieht, dass er auf Vettel wütend ist, doch er verzichtet auf jegliche Polemik."

Corriere della Sera: "Wenn Vettel in Form ist, zeigt er sein außerordentliches Talent. Er ist von Natur aus nervös und nicht ganz reif, doch er ist in einer einzigen Saison drei Mal wiederauferstanden und bestimmte Leistungen führen direkt in den Himmel. Webber wird zwar von seinem Team als zweitrangiger Pilot behandelt, doch er tut nicht sein Bestes, um die Weltmeisterschaft zu gewinnen."

Repubblica: "Vettel ist auf der Strecke perfekt, das ganze Team ist auf seiner Seite. Er kann noch in Abu Dhabi siegen. Alonso bewirkt wieder Wunder. Obwohl sei Auto nicht auf das Niveau der Red-Bull-Boliden ist, bleibt er im Rennen um den Titel. Er verliert nie den Mut und kann das Beste auch aus schwierigen Situationen machen."

England

The Sun: "Bull Fight! Vettel sorgt für Titelduell. Sebastian Vettel hat für einen Drei-Mann-Showdown in der Wüste am kommenden Sonntag gesorgt und damit Teamkollege Mark Webber geärgert. Vettel fuhr den Sieg in einem langweiligen Großen Preis von Brasilien vor Webber und dem Führenden der Fahrerwertung, Fernando Alonso, ein. Die sieben Punkte, die Alonso mitnahm, als Ferrari Felipe Massa in Deutschland anwies, für ihn Platz zu machen, könnten entscheiden. Die Geldstrafe, die sie für das rücksichtslose Brechen des Regelwerks zahlen mussten, ist nicht mehr als Klimpergeld, sollte Alonso dadurch tatsächlich in seinem ersten Jahr bei Ferrari den Titel holen."

The Times: "Vettels Sieg ebnet den Weg für Dreier-Titel-Showdown in Abu Dhabi. Hamilton braucht nach seinem vierten Rang schon ein Wunder. Da waren es noch drei. Neun Monate und 18 Rennen hat es gedauert, ehe sich in dieser erstaunlichen Formel-1-Saison die endgültige Liste der Titelkandidaten herauskristallisierte. Aber jetzt wissen wir, dass die letzte Vorführung ein packendes Nachspiel voller Intrigen wird. Fünf Männer waren nach Interlagos gekommen, um den vorletzten Großen Preis in dieser langen und ereignisreichen Saison zu bestreiten. Aber nun liegt es an Fernando Alonso, die Red Bulls von Mark Webber und Sebastian Vettel anzugreifen. Die britischen Titelhoffnungen sind verblasst. Nicht mal einen Moment lang wird Vettel darüber nachgedacht haben oder sein Team ihn dazu ermutigt haben, die Karte zu spielen, die in solchen Situationen zum Repertoire Ferraris gehört. Webber liegt in der Fahrerwertung acht Punkte hinter Alonso, der gestern Dritter wurde. Der Australier, der selten ein Blatt vor den Mund nimmt, wird sich fragen, was er denn noch tun muss, damit er den gleichen Status genießt wie sein spanischer Rivale. Sieben von Alonsos Punkten stammen aus einer Aktion, die überall auf der Welt verurteilt worden war, als Ferrari Felipe Massa beim Großen Preis von Deutschland anwies, Platz für Alonso zu machen. Ferrari musste 100.000 Dollar dafür zahlen, den Sport in Verruf gebracht zu haben. Aber diese sieben Punkte, die die Differenz zwischen dem ersten und dem zweiten Platz in Hockenheim ausmachen, sehen immer entscheidender aus, je weiter man die möglichen Konstellationen im Titelkampf auf dem Taschenrechner durchspielt."

Daily Mail: "Seb bricht aus! Siegreicher Vettel bleibt angesichts der Frage nach einer Teamorder ganz cool. Fernando Alonso konnte nur halbwegs ein Lächeln unterdrücken, als nach dem Großen Preis von Brasilien die wichtigste Frage an Sebastian Vettel, den Gewinner des Rennens ging. Er wurde gefragt, ob er in der letzten Runde von Abu Dhabi für seinen Tamkollegen Mark Webber Platz machen würde, sollte der Australier dadurch Weltmeister vor Alonso werden können. Das Schicksal des wichtigsten Titels im Motorsport mag an der wahren Antwort auf diese Frage hängen. Oder vielleicht ist es auch schon zu spät, da Vettel sich ja bereits am Sonntag in einem nüchternen Rennverlauf dazu entschied, nicht Platz für Webber zu machen."

Daily Telegraph: "Sechs Jahre nach dem Einstieg in die Formel 1 als freche und junge Getränkemarke hat Red Bull am Sonntag in Brasilien den ersten Weltmeistertitel gewonnen. Ob es ihnen jetzt auch noch gelingen wird, sich neben dem Konstrukteurstitel die wichtigste Krone, den Fahrertitel, zu schnappen, wird in Abu Dhabi am kommenden Sonntag entschieden. Die Rechenspiele sind unglaublich kompliziert, aber Sebastian Vettels kontrollierter Sieg vor Mark Webber in Interlagos - das vierte Mal in dieser Saison, dass Red Bull einen Doppelsieg feierte - hinterlässt vier Fahrer in Reichweite des Titels. Aber eigentlich sind es nur drei."

The Guardian: "Sollte Alonso sich in einer Woche den Titel schnappen, wäre es nicht unangemessen, ein paar Kisten Champagner ins Hauptquartier von Red Bull nach Milton Keynes zu schicken. Während Red Bull aufrichtigen Applaus dafür verdient hat, den Konstrukteurstitel gewonnen zu haben, löst die offensichtliche Akzeptanz der Tatsache, dass Ferrari den wichtigeren Titel holen dürfte, Kopfschütteln innerhalb der Formel 1 und seiner mitreisenden Anhänger aus. Die Weigerung des Teams, Webber das Leben zu erleichtern, der die meiste Zeit der Saison vorne lag und noch immer sieben Punkte vor Vettel liegt, hat zum Ergebnis, dass Alonso jetzt ein zweiter Platz reicht, um zum dritten Mal Weltmeister zu werden."

Spanien

AS: "Alonso hat den Titel selbst in seinen Händen."

Marca: "Alonso entgeht der Falle und hat die WM selbst in der Hand. Fernando Alonso ist dem Titel mehr als nah."

El Pais: "Ein Pilot gegen zwei Boliden. Die deutliche Überlegenheit von Vettel und Webber in Interlagos zwingt Alonso dazu, in Abu Dabi Zweiter zu werden, um sich sicher die Krone aufzusetzen."

El Mundo: "Red Bull verhindert den Titelgewinn in Brasilien."

Brasilien

Lance: "Vettel siegt in Brasilien und wächst im Titelkampf. Der Doppelsieg garantiert Red Bull den Konstrukteurstitel und bringt Feuer in die Meisterschaft."

Folha de Sao Paulo: "Sebastian Vettel lässt den Gegnern nicht den Hauch einer Chance. Red Bull gelingt beim Großen Preis von Brasilien ein Doppelsieg, und der Titel wird in Abu Dhabi vergeben."

Estado de Sao Paulo: "Pure Freude bei Sebastian Vettel: Sieg in Sao Paulo und reale Chancen auf den Titelgewinn im letzten Rennen."

Globo: "Die erwartete Übermacht des Red-Bull-Teams ist eingetroffen. Alonso muss nun eine Woche warten, um zu versuchen, seinen dritten WM-Titel einzufahren."

Estado de Minas: "Die überraschende Pole Position von Nico Hülkenberg war nur eine Illusion. Mit dem Sieg in Brasilien hat Vettel wieder reale Chance, Weltmeister 2010 zu werden."

Sieg! Vettels WM-Traum lebt noch

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