Wie überlegen ist Red Bull wirklich?

Von Alexander Mey
Dienstag, 23.03.2010 | 12:30 Uhr
Sebastian Vettel rettete seinen Red Bull in Bahrain auf Platz vier ins Ziel
© Getty

Red Bull hat vor dem zweiten Saisonrennen in Australien nur ein Ziel: Das Rennen gewinnen und so das Pech von Sebastian Vettel beim Auftakt in Bahrain vergessen machen. Die Chancen stehen gut, immerhin hält die Konkurrenz den Red Bull teilweise für haushoch überlegen. Ärger gibt es hinter den Kulissen dennoch - wegen des Motors.

Sebastian Vettel muss in Australien aufholen. 13 Punkte auf Fernando Alonso, die er beim Saisonauftakt verloren hat. Die er aber nicht verlieren musste, schließlich gibt es keine zwei Meinungen darüber, dass der Red Bull in Bahrain das schnellste Auto war. Nur die Technik streikte eben. Motorprobleme warfen Vettel auf Rang vier zurück.

Ein einmaliger Rückschlag, hofft der Deutsche. "Ich glaube, es kommt diese Saison sehr viel Positives. Unser Auto funktioniert - im Qualifying und im Rennen. Und das stimmt mich optimistisch", sagte Vettel.

Und wie der Red Bull funktioniert. Das Streckenlayout in Bahrain passte mit wenigen schnellen Kurven noch nicht einmal perfekt auf die aus dem vergangenen Jahr bekannten Stärken des Autos und trotzdem dominierte Vettel den Speed in Qualifying und Rennen.

Hamilton: Red Bulls Überlegenheit ist "verrückt"

Eine Tatsache, die McLaren-Pilot Lewis Hamilton gegenüber britischen Medien sogar schon zum Schwenken der Weißen Fahne animierte: "Der Red Bull ist so viel schneller als alle anderen Autos, dass es schon fast lächerlich ist. Es ist verrückt."

Hamilton bezieht sich dabei in erster Linie auf den Abtrieb, den der Red Bull generiert. Der sei in der vergangenen Saison teilweise doppelt so groß gewesen wie der von McLaren. Und auch jetzt sei der Unterschied noch immens. "Vettel und Webber haben mit ziemlichem Abstand das beste Auto. Sie sollten grundsätzlich ein ganzes Stück weg sein", sagte Hamilton.

Ferrari sieht sich in Schlagdistanz

Bei Ferrari sieht man das freilich anders. Der Doppelsieg von Bahrain hat in Maranello für viel Selbstvertrauen gesorgt. Da ist man für Fatalismus a la Hamilton nicht so empfänglich. "Red Bulls Speed in Bahrain war für uns keine Überraschung. Aber alles in allem waren wir in Reichweite", sagte Felipe Massa und stellte sogar die These auf, man sei mit den harten Reifen im Rennen schneller gewesen. Ein Vergleich, der hinkt, da Vettel kurz nach seinem Reifenwechsel technische Probleme bekam.

Trotz Massas Aussage bleibt Hamilton bei seiner Meinung: "Im Rennen war Ferrari zwar ein bisschen näher an Red Bull dran als im Qualifying, aber sie hatten immer noch einen Rückstand von rund einer halben Sekunde."

Das ist Hamiltons Eindruck, den die Zeitentabellen allerdings nicht voll unterstützen. So haushoch überlegen wirkte Vettel nicht, wenngleich niemand sagen kann, wie nah er und seine Verfolger in der ersten Rennhälfte am Limit waren. Die Rundenzeiten waren von niemandem allzu beängstigend schnell.

Horner fordert Verbesserungen am Renault-Motor

Red Bull lässt sich von den Lobeshymnen einiger Gegner jedenfalls nicht einlullen. Im Gegenteil. Das Team fühlt sich offenbar unsicherer als auf den ersten Blick angebracht. Kaum anders ist das Fass zu erklären, dass man in Sachen Motor aufgemacht hat.

Teamchef Christian Horner fordert schon seit Saisonbeginn kontinuierlich, dass die FIA Renault erlauben muss, die Motorleistung zu erhöhen, um zumindest halbwegs zu Mercedes aufzuschließen.

Sein Argument: "Wenn man nicht eine gewisse Entwicklung erlaubt, dann friert man einen Vorteil für ein Team oder einen Nachteil für ein anderes Team ein. Das ist in meinen Augen das Problem. Wenn man das Kräfteverhältnis nicht ausbalanciert, gewinnen die Autos mit Mercedes-Motor am Ende alle Rennen. Das wäre nicht gut für die Formel 1, denn es könnte andere Hersteller veranlassen auszusteigen."

Renault durfte Motor bereits nachbessern

Nun ja. Das erste Rennen hat schon einmal kein Auto mit Mercedes-Motor gewonnen, und auch in Australien sind weder McLaren noch Mercedes ernsthafte Siegkandidaten.

Also wohl doch erst einmal nur Pfeifen im Walde - das immerhin schon einen Effekt gehabt hat. Renault durfte Modifikationen am Motor vornehmen, allerdings nur zur Verbesserung der Haltbarkeit und nicht, wie zunächst kolportiert, zur Steigerung von Leistung oder Sparsamkeit.

"Wie jeder andere Hersteller haben auch wir die Erlaubnis, unseren Motor etwas zu modifizieren, um dadurch eine bessere Integration in das Chassis zu erzielen", erklärte Renault-Teamchef Eric Boullier. "Manche unserer Anfragen waren etwas kompliziert, sodass sie die FIA zurückgewiesen hat. Die meisten wurden allerdings akzeptiert."

Dennis glaubt an Benzinmangel bei Vettel in Bahrain

Zum Thema Anpassung des Motors ins Chassis hat übrigens Ex-McLaren-Teamchef Ron Dennis eine ganz eigene Meinung. Er hat die These aufgestellt, dass Vettel in Bahrain keine defekte Zündkerze eingebremst hat sondern Benzinmangel.

Dennis vermutet, dass Designer Adrian Newey, mit dem er viele Jahre zusammengearbeitet hat, den Benzinverbrauch beim Design des Tanks unterschätzt hat. Vielleicht sei der Renault-Motor doch nicht so viel sparsamer als die Konkurrenz.

Fakten, die diese Theorie bestätigen, gibt es keine. Offenbar hat Dennis einfach nur eine andere Art als sein Zögling Hamilton, mit der Stärke von Red Bull verbal umzugehen.

Ziel: Red Bull aus dem Konzept bringen

Letztlich versuchen beide nur, die Bullen durch ihre Äußerungen vielleicht ein kleines bisschen aus dem Konzept zu bringen.

Zählbares gibt es ohnehin ausschließlich in Form von Zehntelsekunden auf der Rennstrecke. Zum nächsten Mal schon in wenigen Tagen. Beim Australien-GP in Melbourne.

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