Formel 1

Vettel: "Der Zweite ist der erste Verlierer"

SID
Sebastian Vettel war nach dem Rennen in Brasilien untröstlich
© Getty

Als der neue Formel-1-Weltmeister Jenson Button auf seiner Jubel-Party die Puppen tanzen ließ, saß Sebastian Vettel traurig im Hubschrauber auf dem Weg zum Flughafen in Sao Paulo.

Der 22-Jährige kämpfte immer wieder mit den Tränen und wollte nach dem geplatzten Titeltraum nur noch schnell weg. Dass er nach dem vierten Platz in Brasilien auf Rang zwei der WM-Wertung geklettert und damit Kronprinz des neuen Formel-1-Königs Button ist, konnte Vettel nicht trösten.

"Wir haben nicht gewonnen, mir ist es egal, ob ich jetzt Zweiter oder Dritter bin. Der Zweite ist der erste Verlierer", sagte der Red-Bull-Pilot nach dem für ihn enttäuschenden Rennen. Dann drehte er sich um und wischte sich verstohlen die Tränen aus den Augen.

Bevor er den Ort seiner persönlichen Niederlage verließ, zeigte sich Vettel als fairer Sportsmann und gratulierte Button zum Titel und seinem australischen Teamkollegen Mark Webber zum Triumph von Sao Paulo. "Glückwunsch, Jenson ist jetzt uneinholbar. Sie haben dieses Jahr die beste Arbeit geleistet. Mehr gibt es da nicht zu sagen", meinte Vettel mit stockender Stimme. Trost erhielt er am Montag von Rekordweltmeister Michael Schumacher.

Vettel hat das Zeug zum Weltmeister

"Schade für Sebastian, aber er hat noch viel Zeit. Er hat eine tolle Saison hingelegt und gezeigt, dass er das Zeug zum Weltmeister hat. Das darf er bei all der Enttäuschung jetzt nicht vergessen", schrieb Schumacher auf seiner Homepage.

Vettel merkte schnell, dass er im Titelkampf keine Chance haben würde. "Ich bin clever genug, um zu sehen, dass Jenson genau vor mir oder hinter mir war", sagte der Hesse.

Und da war ihm klar, dass er nicht mehr viele Punkte aufholt und es nicht reicht. Als sich dann auch noch der Wettergott von ihm abwendete, war das Rennen gelaufen.

Vettel: "Ich betete um Regen, es roch danach, aber er kam leider nicht." In den nächsten Tagen stürzt sich Vettel wieder in die Arbeit, um seine Enttäuschung zu verdrängen.

Vettel: "Mit Sieg verabschieden"

Während Champion Button jetzt von einem PR-Termin zum nächsten eilt, tüftelt der Herausforderer noch einmal in der Red-Bull-Fabrik in England an einem Siegerauto.

Denn Vettel will sich mit einem Erfolgserlebnis beim WM-Finale am 1. November in der Wüste in die Winterpause verabschieden: "Ich werde in Abu Dhabi einfach mein Bestes geben. Das Ziel ist es natürlich, das Rennen zu gewinnen."

Wo hat er den WM-Titel dieses Jahr verloren? "Es waren einfach zu viele Rennen dabei, in denen es nicht ganz gepasst hat. Manchmal hat das Team Fehler gemacht, manchmal ich", sagte Vettel offen und ehrlich.

Er sei fünfmal ausgefallen, das treffe einen natürlich hart. Red-Bull-Teamchef Christian Horner nahm Vettel in den Arm und versuchte, seinen Fahrer zu trösten. "Sebastian hat alles gegeben. Ich bin nicht nur auf seine heutige Leistung stolz, sondern auf seine ganze Saison. Er hat eine großartige Weltmeisterschaft hingelegt", sagte der Brite voller Anerkennung.

Horner lobt seinen Fahrer

Vettel habe bis zur letzten Runde gekämpft, und das zeichne einen großen Champion aus, lobte Horner. "Wir haben alles gegeben und Button so gut es ging unter Druck gesetzt. Wenn schon keiner unserer Fahrer gewinnen kann, dann freue ich mich für ihn am meisten", sagte Vettels Teamchef.

Ob Vettel 2010 noch einmal so eine große Chance zum Titelgewinn bekommt, steht derzeit in den Sternen. Die in dieser Saison kläglich gescheiterten Top-Teams Ferrari und McLaren-Mercedes werden sicher zurückschlagen.

"Wir haben noch viel zu lernen, aber diese Saison war für uns schon sehr, sehr gut - darauf lässt sich aufbauen", sagte Vettel. In der Tat: Red Bull hat den Durchbruch von einer Party-Truppe zu einem Formel-1-Spitzenteam geschafft.

Der Rennstall sammelte 2009 schon bisher mehr Punkte (135,5) als in der gesamtem Teamgeschichte in den vier Jahren zuvor (103). Horner: "Ich bin stolz auf das, was unsere beiden Fahrer und das Team erreicht haben. Wir haben jetzt den Rückenwind, um nächstes Jahr noch stärker zu sein."

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