Formel 1

Felipe Massa schaut mit Wehmut zu

SID
Zuschauerrolle in der Heimat: der elfmalige Formel-1-GP-Sieger Felipe Massa
© Getty

Felipe Massa wäre gerne beim Heim-Grand-Prix in Brasilien schon wieder gestartet. Seinen schweren Unfall hat er verarbeitet: "Ich bin der alte Bastard von früher", so Massa.

An den Horror-Unfall, der ihn fast das Leben gekostet hätte, erinnert nur noch die Narbe über dem Auge. Überall gab es ein großes Hallo, als Felipe Massa in Sao Paulo durch die Boxengasse schlenderte.

Landsmann Rubens Barrichello umarmte ihn innig, Formel-1-Boss Bernie Ecclestone klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter, die Fans rissen sich um Fotos und Autogramme.

Massa: "Comeback in Brasilien wäre ein Traum gewesen"

85 Tage nach dem verheerenden Unfall von Budapest durfte Massa am Ort seiner bittersten sportlichen Stunde zumindest wieder die Zielflagge schwenken. Doch die Rückkehr an die Rennstrecke steigerte bei dem Brasilianer auch die Wehmut.

"Es ist nicht leicht, herumzustehen und nichts tun zu können außer zu reden", sagte er: "Am liebsten würde ich im Auto sitzen, vor allem hier in Brasilien. Es wäre ein Traum gewesen, hier mein Comeback zu feiern."

Whitmarsh: "Massa wird wieder ganz stark sein"

Dass der 28-Jährige schon am Montag zuvor die ersten Runden im Formel-1-Boliden von 2007 gedreht hatte, rang allen großen Respekt ab.

"Was für ein tapferer, kleiner Kerl", sagte McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh und zeigte sich von Massas Entschlossenheit beeindruckt: "Man muss ihn nur 30 Sekunden beobachten, um zu wissen: Er wird im nächsten Jahr wieder ganz stark sein."

Hamilton: "Sport hat Massa vermisst"

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton, der im Vorjahr in Sao Paulo das spannendste WM-Finale der Formel-1-Geschichte gegen Rennsieger Massa für sich entschieden hatte, freute sich ebenfalls über die Rückkehr des Rivalen.

"Es ist toll, ihn hier zu sehen", sagte der Brite: "Der Sport hat ihn vermisst. Und ich habe die Duelle mit ihm vermisst."

Wäre es nach Massa gegangen, hätte er nach der Diagnose "keine bleibenden Schäden" schon am Sonntag sein Comeback gegeben. "Im Auto kam es mir vor, als wäre mir niemals etwas geschehen. Ich bin der alte Bastard von früher", sagte er nach den ersten Runden zu Wochenbeginn in Maranello.

Massa: "Klüger, auf nächstes Jahr zu warten"

Zähneknirschend gab der Vize-Weltmeister, der am 25. Juli beim Qualifying in Budapest von einer rund 800 Gramm schweren Stahlfeder am Kopf getroffen worden war und zwischenzeitlich sogar im künstlichen Koma gelegen hatte, dem Rat der Ärzte nach.

"Ich kann alles machen, was ich vorher auch getan habe. Aber weil unser Sport ein Risikosport ist, muss ich alles zu 100 Prozent machen können", sagte er.

Denn Massa weiß: "Es kann ein zweiter Unfall passieren - ich hoffe es nicht, aber es könnte sein. Dann ist es besser, dass man hundertprozentig gesund ist, um einen zweiten Unfall auch wegstecken zu können. Darum warten wir noch ein bisschen, und darum ist es klüger, auf nächstes Jahr zu warten."

Alonso kommt nicht, um Massas bester Freund zun werden

Dort wird er sich dann mit dem neuen Teamkollegen Fernando Alonso ein heißes Duell um die Nummer eins bei Ferrari liefern. "Er kommt bestimmt nicht, um mein bester Freund zu werden", sagte Massa.

Nach seinen Behauptungen, Alonso müsse in den Unfall-Skandal um Nelson Piquet Jr. bei Renault eingeweiht gewesen sein, ruderte er aber schnell zurück: "Der FIA-Weltrat hat erklärt, dass es keinerlei Hinweise gibt, die darauf hindeuten könnten, dass Fernando von den Vorgängen wusste. Das respektiere ich."

Massa: "Loch im Helm beeindruckend"

Auch dass ihn diese als Crashgate in die Formel-1-Geschichte gegangene Affäre letztlich entscheidende Punkte und vielleicht den Titel kostete, ist abgehakt: "Ich habe oft genug gesagt, was ich darüber denke. Jetzt ist es aber Zeit, nach vorne zu schauen."

Das ist ohnehin Massas Motto. Als ihm der Automobil-Weltverband FIA am Wochenende den Original-Helm vom Unfall überreichte, nahm der Brasilianer ihn gelassen entgegen.

"Das Loch ist beeindruckend", sagte er und versprach: "Ich werde ihn so aufbewahren, mit Blut und allem, was kaputt gegangen ist." So spricht nur jemand, der den schlimmsten Tag seines Lebens verarbeitet hat.

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