Button wird zum Schumi-Klon

Von Alexander Mey
Montag, 25.05.2009 | 09:35 Uhr
Seht her, ich bin der King! Jenson Button hatte in Monaco allen Grund zu lässigen Gesten
© Getty

Jenson Button und Brawn GP sind für ihre Leistung beim Monaco-GP und während der gesamten bisherigen Saison zu bewundern. Aber die Überlegenheit der Truppe von Ross Brawn wird langsam auch zu einer Gefahr. Die "Formel Langeweile" aus Zeiten totaler Dominanz von Michael Schumacher und Ferrari könnte zurückkehren.

Felipe Massa hat es von Anfang an gewusst. "Wenn sie so weitermachen, dann werden sie die WM Mitte des Jahres gewinnen", hatte der Ferrari-Pilot schon vor dem ersten Rennen über Brawn GP gesagt.

Damals haben viele an Fatalismus geglaubt, um das eigene Team und die Öffentlichkeit aufzurütteln. Sechs Rennen und fünf Button-Siege später ist klar: Massa hatte Recht. Vielleicht nicht mit der Mitte der Saison, wohl aber mit der Feststellung, dass Brawn GP aller Voraussicht nach im Titelkampf nicht zu schlagen sein wird.

Schumi war 2002 und 2004 zuletzt so dominant

Nach seinem Triumph in Monaco hat Jenson Button sagenhafte 51 von 55 möglichen Punkten geholt. Fünf Siege in sechs Rennen schaffte zuletzt ein gewisser Michael Schumacher in den Saisons 2002 und 2004. Danach wurde er jeweils überlegen Weltmeister. Jeder Fahrer, der in der Geschichte bisher fünf der ersten sechs Rennen gewann, wurde später Champion.

Jetzt nachlesen: So lief das Rennen in Monaco

Trotzdem ist das Gerede vom Weltmeister im Hause Brawn GP von höchster Stelle nach wie vor untersagt. "Ich möchte darüber nicht sprechen. Wir nehmen jedes Rennen, wie es kommt, und wir wollen natürlich solche Resultate wie heute noch möglichst oft zeigen. Wenn uns das gelingt, dann ist viel möglich", wand sich Teamchef Ross Brawn um ein Bekenntnis zur WM-Chance.

Erinnerungen an "Formel Langeweile"

Dabei müsste gerade er eine ganze Menge Parallelen zu alten Schumi-Zeiten entdecken. Schließlich war es Brawn selbst, der als Ferrari-Technikchef für die dominanten Saisons 2002 und 2004 mitverantwortlich zeichnete.

Es waren sportlich glorreiche, für den neutralen Formel-1-Zuschauer aber zuweilen auch langweilige Zeiten. Angesichts von WM-Entscheidungen nach zwei Dritteln der Saison und sagenhaften zwölf Schumi-Siegen in 13 Rennen 2004 war der Begriff "Formel Langeweile" in aller Munde.

Brawn GP schreibt Cinderella-Story

2009 droht eine ähnliche Entwicklung, auch wenn der Hauptdarsteller Brawn GP im Gegensatz zum F-1-Giganten Ferrari eine traumhafte Cinderella-Story schreibt. Kaum jemand würde dem vor der Saison schwer gebeutelten Team den WM-Titel missgönnen, aber etwas spannender als im Moment dürfte es schon werden.

Beim Blick auf den Punktestand könnte am ehesten Buttons Teamkollege Rubens Barrichello dafür sorgen. Aber Monaco hat wieder einmal gezeigt, dass Rubinho nicht zufällig als ewiger Zweiter gilt. Er ist schnell, aber immer, wenn es wirklich darauf ankommt, ist sein Teamkollege schneller. Das war in den bereits erwähnten Jahren 2002 und 2004 gegen Schumacher bei Ferrari nicht anders.

Eigene Fehler werden Vettel zum Verhängnis

Die Hoffnung auf eine spannende WM ruht somit eher auf Sebastian Vettel. Umso bitterer, dass der Deutsche nach Australien und Malaysia schon zum dritten Mal nach einem eigenen Fehler ausgeschieden ist.

Es mag ihn vielleicht etwas trösten, dass er nach dem verhältnismäßig schwachen Monaco-Qualifying und den großen Problemen mit den weichen Hinterreifen in den ersten Rennrunden wahrscheinlich ohnehin höchstens Sechster oder Siebter geworden wäre, aber der Fakt bleibt, dass ihm nun 28 Punkte auf Button fehlen.

Vettel gibt WM-Kampf noch nicht auf

Ein riesiges Handicap, trotzdem gibt Vettel den Titelkampf noch nicht auf. "Es gibt noch genug Rennen und noch genug Punkte. Es ist ja auch nicht gesagt, dass die anderen immer ins Ziel kommen. Meiner Meinung nach darf man die Hoffnung nur wegen eines schlechten Resultats nicht aufgeben", sagte Vettel im Premiere-Interview. Er fügte allerdings hinzu: "Man muss ja nur auf die Ergebnisse schauen, um zu wissen, wer der Favorit ist."

Alles wird darauf ankommen, wie sich weitere Verbesserungen am Red Bull für den Türkei-GP bemerkbar machen. Denn der in Monaco sichtbare Trend, dass Brawns Vorsprung auf die Konkurrenz wieder etwas größer wird, muss unbedingt umgekehrt werden.

Ferrari hat Red Bull eingeholt

Im Fürstentum wirkte sogar Ferrari stärker als Red Bull. Ein gutes Zeichen für die Konkurrenzfähigkeit der Scuderia und ein Hoffnungsschimmer für spannende Rennen in der Zukunft. Aber der Abstand von Kimi Räikkönen und Felipe Massa in der Fahrerwertung ist mit 42 und 43 Punkten schon viel zu groß.

So steht's in der WM

"Die Brawns sind im Augenblick ganz klar die Besten. Aber wir holen auf und kommen immer näher heran. Das ist positiv", sagte Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. Von der WM ist aber mit keinem Wort die Rede.

Diese WM scheint für Jenson Button und sein Brawn-Team reserviert zu sein. Wer daran noch etwas ändern und die "Formel Langeweile" verhindern will, muss schnell damit anfangen.

Am besten schon beim nächsten Rennen in der Türkei.

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