"Das war mein schwierigstes Jahr"

Von Alexander Mey
Montag, 27.10.2008 | 22:36 Uhr
heidfeld, bmw, helm
© Getty
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Nick Heidfeld hat rein nach Punkten gesehen eines der besten Jahre seiner Formel-1-Karriere hinter sich. Aber nicht nur das: Probleme im Qualifying, ein bärenstarker Teamkollege bei BMW-Sauber und die Hängepartie in Sachen Vertragsverlängerung haben das Jahr auch zu einem echten Härtetest gemacht.

Heidfelds Saison in Zahlen: 60 WM-Punkte in bisher 17 Rennen, Platz fünf in der Fahrerwertung, vier zweite Plätze, zwei schnellste Rennrunden. Heidfeld fehlt nur noch ein Punkt bei Saisonfinale in Brasilien, um seinen Rekord aus dem Vorjahr zu brechen.

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Was wiegt nun schwerer, die stattliche Punktzahl oder die zahlreichen Probleme?

"Im Bezug auf das, was ich aus dem Auto herausholen konnte, war es sicher mein schwierigstes Jahr", sagte Heidfeld am Wochenende im Gespräch mit SPOX. "Und zwar nicht nur in der Formel 1, in meiner ganzen Motorsport-Karriere. Ich kann mich nicht daran erinnern, mich irgendwo einmal so schwer getan zu haben."

4:13-Pleite im Quali-Duell

Heidfelds Probleme lagen in erster Linie im Qualifying. Er hat es lange Zeit nicht geschafft, dass diffizile Spiel mit der Temperatur der Reifen richtig zu spielen. Mal hatten sie zu wenig Grip, mal waren sie zu heiß und bauten schon während der schnellen Runde ab.

Ergebnis: Quick Nick liegt im Qualifying-Duell gegen Teamkollege Robert Kubica nach 17 Rennen 4:13 hinten. Insgesamt fünf Mal scheiterte der Deutsche an den Top Ten. Und das mit dem drittschnellsten Auto im Feld.

Hier geht's zum Interview mit Robert Kubica

"Ich hatte das beste Auto, das ich je fahren durfte, und ausgerechnet in diesem Jahr habe ich es nicht hinbekommen. Das ist natürlich ärgerlich", sagte Heidfeld.

 

Der lange Schatten von Alonso

Sehr viel ärgerlicher wäre es gewesen, hätten ihn seine Schwächen den Job gekostet. Denn lange Zeit sah es nicht danach aus, als würde BMW-Sauber den Vertrag noch einmal verlängern. Zwischenzeitlich galt eine Ablösung durch Fernando Alonso schon fast als sicher.

Es ist anders gekommen, besser für Heidfeld. Was dazu führt, dass der 31-Jährige letztlich versöhnlich und nicht ohne Stolz auf die Saison 2008 zurückblicken kann.

"Ich habe nie den Kopf verloren"

"Ich bin jetzt am Ende der Saison zufrieden, weil ich aus der schwierigen Situation herausgekommen bin, auch wenn es länger gedauert hat als erwartet", sagte Heidfeld. "Außerdem bin ich zufrieden mit der Art und Weise, wie ich mit meiner Situation umgegangen bin. Obwohl ich im Qualifying offensichtlich große Probleme hatte, habe ich in den Rennen nie den Kopf verloren und das Maximum herausgeholt."

Stimmt: Heidfeld fiel in diesem Jahr immer wieder mit spektakulären und sehr gut vorbereiteten Überholmanövern auf. Zu seinem Glück, denn für Gondeln im Mittelfeld hätte es sicher keinen neuen Vertrag gegeben.

So hat er aber bestmögliche Schadensbegrenzung betrieben. "Das zeigt sich jetzt auch an der Punktzahl, die ich habe. Die Probleme, die ich hatte, hätten auch in einer wesentlich schlimmeren Position in der Fahrerwertung enden können", sagte Heidfeld.

Glock und Vettel sitzen im Nacken

Viel gelernt habe er in diesem Jahr. Zum einen über sich. Zum anderen aber auch über die Tatsache, dass ihm seine ehemaligen Thronfolger bei BMW-Sauber teilweise ganz schön um die Ohren gefahren sind.

Timo Glock, 2007 noch BMW-Testfahrer hinter Heidfeld, fuhr im langsameren Toyota einen zweiten und zwei vierte Plätze heraus.

Und Sebastian Vettel? Auch er war 2007 noch Testpilot bei den Weiß-Blauen, bevor er mitten in der Saison zu Toro Rosso wechselte. Dort gewann er in Monza 2008 seinen ersten Grand Prix. Einfach so, im ersten kompletten Jahr, als jüngster Pilot aller Zeiten.

"Ich habe ihm den Sieg gegönnt"

Heidfeld ist zehn Jahre älter als Vettel, hat 124 Rennen mehr Erfahrung - und wartet auch im neunten Jahr in der Königsklasse noch auf seinen ersten Sieg.

Neid? "Ich glaube, von mir sagen zu können, dass ich völlig neidfrei bin", behauptete Heidfeld. "Ich habe ihm den Sieg herzlich gegönnt."

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