Felski: "Mit Gipsarm antreten geht nicht"

Von Florian Regelmann
Mittwoch, 30.11.2011 | 13:44 Uhr
Sven Felski gewann zwar mit den Eisbären in Nürnberg, einfach war die Geschichte aber nicht
© Imago
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Es fehlen nur noch wenige Spieltage, dann ist die Hälfte der Regular Season in der DEL absolviert - Zeit für die nächste Zwischenbilanz. Wieder hat SPOX alle Teams gerankt, sich diesmal aber zusätzlich prominente Unterstützung geholt. Eisbären-Kultstürmer Sven Felski nimmt Stellung zur Lage der Liga.

Von 4 auf 1. Die Freezers haben keinen Spieler in den Top 30 der Scorerliste. John Curry hält gut, gehört aber statistisch in Sachen Gegentorschnitt nicht zu den Top 10 der Liga. Das Power Play ist okay (Platz 6), aber nicht spitze. Das Penalty Killing ist höchstens Mittelmaß (Platz 9). Aber entscheidend ist nur eine Statistik: Hamburg hat sieben Spiele in Folge (8 Gegentore in 6 Spielen) gewonnen und ist extrem hot! Die Flaake-Festerling-Wolf-Reihe macht Spaß.

Das sagt Sven Felski: "Ich freue mich ja, dass es in Hamburg mal funktioniert, nachdem es in den letzten Jahren permanent nicht so erfolgreich war. Sie haben ein schönes Stadion, alle Voraussetzungen sind da. Freut mich, dass es bei denen mal klappt."

Von 3 auf 2. Die Grizzly Adams haben vier Spiele in Folge gewonnen und dabei wahnsinnige 25 Tore geschossen (Highlight: Die 10:2-Vernichtung von Krefeld). Die Top 3 der DEL-Scorerliste heißen: Kai Hospelt (13 Punkte in 5 Spielen), Matt Dzieduszycki, Tyler Haskins. Wolfsburg. Wolfsburg. Wolfsburg. Und auf dem geteilten 4. Rang folgt Norm Milley. Wolfsburg. Unfassbar.

Das sagt Sven Felski: "Wolfsburg hat ja auch jetzt gegen uns gewonnen, die waren schon sehr, sehr gut. Kann man schon auf Rang zwei setzen, ist einfach eine gute Truppe."

Von 12 auf 3. Respekt, Straubing! Die Tigers haben einen überragenden November hinter sich gebracht. Straubing landete sieben Siege nacheinander (u.a. Berlin, Mannheim, Düsseldorf), bis Wolfsburg die Serie stoppte. Wieder mal ein perfektes Beispiel dafür, was man mit harter Arbeit und Team-Eishockey erreichen kann. Angeführt von Daniel Sparre haben schon neun Spieler mindestens 10 Scorerpunkte auf dem Konto.

Das sagt Sven Felski: "Die gehören im Ranking auf jeden Fall nach ganz weit oben. Schon sehr erstaunlich, wie viel Energie die Straubinger Jungs haben. Sehr beachtlich, was da so passiert. Ich ziehe meinen Hut."

Von 5 auf 4. Man kann sich nicht beschweren in Ingolstadt. Vier Siege in den letzten fünf Spielen, es läuft bestens. Hauptgarant für den Erfolg ist neben Oldie-but-Goodie-Keeper Ian Gordon ein Super-Duo: Tyler Bouck und Jared Ross harmonieren prächtig. So verschmerzt man es sogar, dass Thomas Greilinger komischerweise aktuell gar nicht mehr trifft (15 Spiele ohne Tor!). Heimlicher Star: Verteidiger Timothy Hambly (+15, DEL-Topwert).

Das sagt Sven Felski: "Man darf es nicht von einem Spieler abhängig machen. Ingolstadt ist allgemein eine sehr gute Mannschaft. Wenn Greilinger nicht trifft, treffen eben andere. Das ist ja auch immer unser Bestreben, dass der Gegner am besten nie weiß, wer heute zusticht."

Von 13 auf 5. Düsseldorf ist nach miesem Start aufgewacht. 11 Siege in 12 Spielen landete die DEG, ehe es zuletzt mal wieder zwei Pleiten setzte, darunter ein seltsames 4:8 zuhause gegen Straubing. Grundsätzlich ist Düsseldorf aber in Fahrt gekommen. Stark: Die Kreutzer-Kaufmann-Reimer-Linie. Story der Saison: Der famose Bobby Goepfert (Netto-Gehalt: angeblich 30.000 Euro) hat J.-S. Aubin als Nummer eins abgelöst.

Das sagt Sven Felski: "Dass sie jetzt auch mal wieder zwei Spiele verloren haben, ist nur normal nach der irren Serie. Es freut mich sehr für Coach Jeff Tomlinson, weil ich weiß, dass er ein guter Trainer ist."

Von 1 auf 6. Mannheim zog zu Beginn der Saison einsam seine Kreise an der Tabellenspitze, jetzt sind die Adler aber die Tabellenführung auch schon wieder los. Grund: Eine üble Schwächephase, in der man aus dem Nichts sechs von sieben Spielen verlor. Zuletzt hat man aber immerhin wieder viermal in Serie Punkte eingefahren. Top: Adam Mitchell, Chris Lee (punktbester DEL-Defender) und die Special Teams.

Das sagt Sven Felski: "Über Mannheim brauchen wir gar nicht groß zu reden. Die sind qualitativ immer sehr gut und werden immer ein Wörtchen mitreden."

Von 2 auf 7. Formkrise beim Meister. Zuletzt gab es sogar ein 0-Punkte-Wochenende, da wird es in Berlin sofort etwas ungemütlich. Der Meister stürmt gerne extrem offensiv nach vorne und lässt viel zu viele Breaks zu. Die RUM-Reihe (Rankel-Ustorf-Mulock), auf dem Weg zum Titel so außerirdisch gut, produziert nicht. Und: Während das Power Play (Platz 2) stark ist, ist das Penalty Killing (14. Platz!) ein schlechter Witz.

Das sagt Sven Felski: "Man muss auch mal ein bisschen ruhig bleiben. Wenn wir an einem Wochenende keinen Punkt holen, ist sofort die große Krise da. Klar, der Erwartungsdruck ist sehr hoch, aber es gibt immer eine Phase, in der es nicht läuft. Vielleicht haben wir die gerade, das glaube ich aber nicht mal. Wir werden uns schon wieder in die richtige Richtung ziehen."

 

Von 6 auf 8. Die Haie sind nach vier Siegen in den letzten sechs Spielen bei der Musik dabei. Die Pre-Playoffs schaffen sie sicher, aber ob es für die Top 6 reicht? Fraglich. Das Goalie-Duo (Aus den Birken, Ziffzer) ist zwar erste Sahne, aber der Offense fehlt nun mal Firepower. Es liegt viel Last auf Philip Gogulla (schon 10 Saisontore). Dass Felix Schütz (7 Punkte in 6 Spielen) so eingeschlagen hat, ist ein Segen für die Mannschaft von Uwe Krupp.

Das sagt Sven Felski: "Felix Schütz ist ein guter Spieler, er hilft den Haien natürlich. Man sieht einfach auch bei Köln, wie eng die Liga insgesamt ist. Das hört sich doof an, ist aber eben so."

Von 11 auf 9. Ganz klar, das 2:10 in Wolfsburg war peinlich. Trotzdem gilt: Krefeld kommt (5 Siege in 8 Spielen). Vor allem der Erfolg in Berlin hat aufhorchen lassen. Super-Goalie Scott Langkow hatte nach dem Tod seiner Mutter eine schwere Zeit, ist jetzt aber wieder zurück. Das Power Play ist zwar nicht existent, aber dafür ist das Penalty Killing das beste der Liga. Wenn erst mal Herberts Vasiljevs fit ist... Aufgepasst auf die Pinguine!

Das sagt Sven Felski: "Die Pinguine waren gegen uns sehr, sehr gut. Sie haben mich wirklich positiv überrascht."

Außer Nürnberg schießt kein Team so wenige Tore wie München. Die Offensive ist das ganz große Problem beim EHC. Im Prinzip muss Eric Schneider häufig alles alleine machen - Martin Buchwieser ist abgekühlt. Grausam: Mit Bryan Adams fällt jetzt auch noch einer der Schlüsselspieler bis Ende März aus. Großer Trumpf ist wenig überraschend Jochen Reimer (2,01 GAA, 94,1 SV%), der mal wieder der beste Torwart der DEL ist.

Das sagt Sven Felski: "Zu München kann ich gar nicht viel sagen, es ist schon eine Weile her, dass wir gegen sie gespielt haben. Ich weiß, dass wir gegen München verloren haben. Sagt ja auch was."

Von 7 auf 11. Nur drei Siege in den letzten acht Spielen - es ist schon ein wenig enttäuschend, was der Geheimtipp so zeigt. Michael Wolf hat in den letzten vier Saisons 134 Tore (33,5 im Schnitt) geschossen, aktuell steht er bei 5 und wir haben bald Halbzeit. Wolf, Hock, York und Co. können aber eh nicht so viele Tore schießen, wie man hinten trotz eines Top-Goalies wie Sebastien Caron rein bekommt. Nur Nürnberg bekommt mehr Tore.

Das sagt Sven Felski: "Im Moment sind sie zwar irgendwo im Mittelfeld, aber das ist doch scheißegal. Ich glaube, dass Iserlohn ganz lange dabei sein wird. Richtig gute Truppe."

Von 9 auf 12. Der Trend zeigt nach unten, zuletzt setzte es fünf Niederlagen in Folge, auch wenn man dreimal immerhin einen Punkt ergatterte. Penaltys? Kann man in Augsburg einfach nicht (0-5 in Shootouts). Problem insgesamt: Das Toreschießen. John Zeiler (90 NHL-Spiele für die L.A. Kings) hält bei 2 Saisontoren... Weiteres Problem: Zuhause sind die Panther eine Macht (Platz 3), aber auswärts geht gar nichts (noch kein einziger Dreier).

Das sagt Sven Felski: "In Augsburg setzen sie ihr Geld immer gut ein, das muss man wirklich sagen. Sie stellen immer eine kampfstarke Truppe aufs Eis."

Von 8 auf 13. Die Saison der Scorpions geht total den Bach runter. Das Krinner-Team hat trotz großen Kampfes die letzten sieben Spiele verloren. Fünfmal nur mit einem Gegentor, aber es nützt ja nichts. Die Defensive, früher einmal stark, hat in 13 Spielen in Folge mindestens 3 Tore zugelassen. Und: Sascha Goc, den man ja eigentlich für so um die 20 Tore einplanen kann, trifft in dieser Saison nicht (erst 4 Saisontore).

Das sagt Sven Felski: "Erstaunt mich etwas, was in Hannover los ist. Ich hoffe es nicht für die Jungs, aber das könnte wirklich schwierig werden. Weiß nicht so recht, wie es da weitergeht."

Mit Peter Draisaitl an der Bande schlägt sich Nürnberg wacker und ist zumindest fast immer bis zum Schluss im Spiel, verliert aber weiter (5 Pleiten en suite). Es gab auch mal gute Siege gegen Düsseldorf oder Mannheim, aber die Saison ist natürlich dennoch lange gelaufen. Nürnberg ist praktisch überall das mieseste Team der Liga. Besonders mies: Das Verteidiger-Pärchen Kemp/Traynor (gemeinsames Plus-Minus-Rating: -25!).

Das sagt Sven Felski: "Wir haben auch gegen die gespielt, die sind nicht so schlecht. Wenn du so früh so weit hinten bist, ist es einfach doppelt schwer, wieder ranzukommen. Wenn man nur auf die Tabelle schaut, denkt man, man könnte mit einem Gipsarm antreten, aber das geht nicht. Noch mal: Nürnberg ist nicht so schlecht. Es ist eine schwere Situation und ich wünsche dem Draisaitl, Pete alles Gute."

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