Nach WM-Debakel

DEL-Verantwortliche fordern Konsequenzen

SID
Dienstag, 05.05.2009 | 15:08 Uhr
Bundestrainer Uwe Krupp steht in der Kritik
© Getty
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Nach dem schwachen Auftreten der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft bei der WM in der Schweiz hagelt es Kritik von allen Seiten. Vor allem der DEB gerät in die Schusslinie.

Nach dem WM-Debakel von Bern haben die Verantwortlichen in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) die Kritik an den Klubs zurückgewiesen und Konsequenzen beim Verband gefordert.

"Es kann nicht sein, dass nach jeder WM immer die Generalschelte kommt", sagte Max Fedra, Manager der Augsburger Panther, in einer Umfrage des "Sport-Informations-Dienstes" (SID) und kritisierte den Deutschen Eishockey-Bund (DEB):

Kritik an DEB-Chefetage

"Das Ganze beginnt oben am Kopf. Da sind die Positionen fest zementiert. Woanders würden Manager und Trainer ihren Job verlieren. Aber beim DEB gibt es keine Konsequenzen."

Dabei richtet sich der Unmut der DEL-Bosse weniger gegen Bundestrainer Uwe Krupp, sondern vielmehr gegen die Chefetage um DEB-Generalsekretär Franz Reindl.

"Die seit gefühlten Jahrzehnten bestehende sportliche Leitung und der Trainerstab des DEB werden trotz ständiger Misserfolge nicht mal ansatzweise in Frage gestellt", meinte Charly Fliegauf, Manager des EHC Wolfsburg: "Außer dem A-Bundestrainer scheinen das Jobs auf Lebenszeit zu sein."

Auch Marco Stichnoth, Geschäftsführer der Hannover Scorpions, sieht das Hauptproblem in der Führungsetage. "Der DEB ist mit den jetzigen Leuten überfordert", sagte der ehemalige Nationalmannschaftsmanager: "Sie haben nicht die Mittel und Kapazitäten für Reformen." Die DEL müsse mehr Verantwortung übernehmen.

Ausländerquote nicht der Weg zum Erfolg

DEB-Generalsekretär Reindl hatte nach dem miserablen WM-Abschneiden mit Platz 15 und dem Klassenerhalt am Grünen Tisch als Gastgeber der WM 2010 erklärt, alle Strukturen müssten durchforstet und die Nachwuchsarbeit der Klubs weiter verbessert werden. Kapitän Andreas Renz hatte erneut eine weitere Reduzierung der Ausländerstellen in der DEL gefordert.

"Wir haben als einzige Sportart in Deutschland eine ernsthafte Ausländerbeschränkung, derzeit nur noch 35 Prozent Ausländeranteil", entgegnete Fliegauf: "Die deutschen Nationalspieler verdienen wegen dieser Ausländerquote ein Vielfaches der Spieler aus den Ländern, gegen die bei den letzten Turnieren verloren oder mit Hängen und Würgen gewonnen wurde."

Die Defizite in der Nachwuchsarbeit schreiben die Manager dem DEB zu. Das Fehlen einer Junioren-Bundesliga machte Karsten Mende von den Iserlohn Roosters als größtes Problem aus.

Der Sprung mit 18 Jahren aus der Deutschen Nachwuchs-Liga (DNL) in den Profibereich sei nach wie vor zu hoch, "denn selbst in der Oberliga bekommen die jungen Spieler doch zu wenig Einsatzzeit".

Imageschaden droht

Fedra verwies auf die Nachwuchsprojekte in Berlin, Mannheim und Köln. Mannheims Manager Marcus Kuhl merkte auch selbstkritisch an: "Wenn wir den Nachwuchs nicht besser fördern, geht der Absturz weiter." Konsequenzen aus dem WM-Debakel erwarten die Klubs auch in ihren Kassen."

"Wenn die Nationalmannschaft weiter so schlecht spielt, entsteht ein Imageschaden, und dadurch verlieren wir viel Geld", meinte Stichnoth.

Kritik gab es aber auch an Bundestrainer Krupp. "Ein klares System ist nicht zu erkennen", sagte Stichnoth, stellte aber auch fest: "Wir haben alle Krupp gewollt, wo ist denn die Alternative?"

Ex-Nationalspieler Dieter Hegen regte an, dem ehemaligen NHL-Star und Wahl-Amerikaner einen "Beistand oder Berater" zur Seite zu stellen, der "mehr Kontakt zu den Vereinen hat und die Spieler öfter beobachtet".

Ohnehin ist der ehemalige Weltklassestürmer der Meinung, dass "der Bundestrainer nach Deutschland gehört". Er sollte von 52 DEL-Spieltagen "45 bis 50 sehen, um zu erkennen, wer gut drauf ist und wer nicht".

Einige Personalentscheidungen Krupps habe er nicht verstanden, sagte Hegen: "Ich hätte mehr Spieler von den Finalisten Berlin und Düsseldorf mitgenommen."

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