Internationaler Laureus-Austausch

Kickformore-Jugendliche besuchen Israel

Von Laureus
Donnerstag, 22.09.2011 | 11:37 Uhr
Gruppenbesprechung beim Laureus--Straßenfußball-Workshop in Israel
© Getty

Am besten schmecken Mili die Käsespätzle. Die 16-jährige Israelin nimmt vom 12. bis 18. September 2011 gemeinsam mit deutschen und palästinensischen Jugendlichen an einem Straßenfußball-Workshop in Israel teil, den Laureus Sport for Good ermöglicht hat.

Insgesamt eine Woche lang diskutieren die knapp 20 Jugendlichen über Regeln, Fairness und Teamgeist, planen ein trilaterales, internationales Fairplay-Turnier und bauen nebenbei kulturelle Barrieren und Vorurteile ab. Dazu gehört auch, dass alle Jugendlichen die Gerichte aus ihrem Heimatland zu einem gemeinsamen Mittagessen beisteuern müssen - die drei Stuttgarter Helga, Michaela und Marcel vom Laureus Projekt KICKFORMORE bringen Käsespätzle mit. Und probieren nun ihrerseits Hummus, Fatoush und Datteln.

Trotz der kulturellen, sprachlichen und religiösen Unterschiede verfolgen alle Workshop-Teilnehmer ein Ziel: Sich besser kennenzulernen und gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Geleitet wird der Workshop von den deutschen Jugendlichen, die in ihrem Projekt bereits als Teamer und Mediatoren fungieren und ihre Erfahrungen der letzten Jahre an die jüngeren Teilnehmer weitergeben. Auch für sie eine Herausforderung - doch nicht die erste in ihrem Leben.

"In dem Projekt steckt ein Riesenpotential"

Michaela besuchte die Hauptschule, als sie anfing, Straßenfußball zu spielen. "In der Hauptschule habe ich gedacht, aus mir wird eh nichts. Ich kann nichts, ich bin dumm. Und dann habe ich mit dem Fußball angefangen." Mittlerweile studiert die 26-Jährige soziale Arbeit an der Universität. Die Erfahrung, Verantwortung zu tragen und Projekte in die Tat umzusetzen, haben sie motiviert, erst auf die Realschule und anschließend auf das Gymnasium zu wechseln, um das Abitur zu machen.

Ein Weg, der Mut macht, aber kein Einzelfall ist. Auch Marcel kam von der Hauptschule und beendete seine Schullaufbahn mit einem 1,0er-Abitur. Mittlerweile absolviert er ein Freiwilliges Jahr bei KICKFAIR, der Trägerorganisation von KICKFORMORE.

Für David, Leiter von KICKFORMORE, ist der Erfolg des Projekts bestätigend, aber nichts Ungewöhnliches: "In dem Projekt steckt ein Riesenpotential, denn wir geben den Kindern und Jugendlichen im Laufe der Zeit immer mehr Verantwortung. In der 5. und 6. Klasse lernen sie den Straßenfußball kennen, in der 7. und 8. Klasse organisieren sie selber Turniere und ab der 9. Klasse geben die Teilnehmer ihre Erfahrungen als Mentoren an die Jüngeren weiter. Unser Ziel ist es, den Jugendlichen zu vermitteln, dass sie etwas bewegen und ihren Lebensraum aktiv gestalten können."

Eine Erfahrung, die auch Mili bei ihrem Projekt in Israel macht - obwohl ihr Leben ein ganz anderes ist. Milis Mutter kommt aus Russland, ihr Vater aus Marokko. Aus Platzgründen lebt Mili bei ihren Großeltern in Qiriat Gat, besucht ihre vier Jahre alte Halbschwester und ihren russischen Stiefvater aber täglich.

Israelis und Palästinenser spielen gemeinsam

Seit fünf Jahren trainiert sie regelmäßig im Peres Center for Peace in Tel Aviv und spielt gemeinsam mit Palästinensern Straßenfußball. Über ihren Trainer im Viertel ist sie auf die Organisation aufmerksam geworden, die es israelischen und palästinensischen Jugendlichen ermöglicht, sich über den Sport kennenzulernen und Vorurteile abzubauen.

"Im Peres Center for Peace habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Palästinenser getroffen. Vor dem Projekt habe ich gedacht, alle Palästinenser wollen mich umbringen und gegen uns kämpfen. Während des Projekts habe ich gemerkt, dass sie auch nur Menschen sind. Sie haben dieselben Wünsche und Träume und wollen auch nur den Frieden - wie wir. Inzwischen ist meine Trainingsgruppe für mich eine Familie geworden", erklärt Mili. Nachdenkliche Worte für ein 16-jähriges Mädchen in Israel, das ein Leben im Frieden nicht kennt.

"Ich wünsche mir Frieden für diese Region. Aber mein ganzes Leben habe ich mit diesem Konflikt verbracht. Ich kann meine Freizeit nicht mit meinen palästinensischen Freunden verbringen - im Gegenteil: Ich werde misstrauisch, wenn ich in unserem Viertel Araber sehe. Ich kenne es nicht, im Frieden zu leben." Doch die Hoffnung aufgeben will sie nicht. "Wenn die Politik es nicht schafft, für Verständigung unter den beiden Völkern zu sorgen, dann vielleicht wir mit unserem Fußball."

Im Juli gab es den Erstbesuch in Stuttgart

Genau das ist das Ziel des internationalen Austauschs zwischen den deutschen Jugendlichen des Laureus Sport for Good Projekts KICKFORMORE und den israelischen und palästinensischen Teilnehmern an den Sportprogrammen des Peres Center for Peace. Sich gegenseitig kennenlernen, Vorurteile abbauen und Freundschaften knüpfen.

Bereits im Juli reiste eine Delegation des Peres Center zum KICKFORMORE-Festival nach Stuttgart, das die Laureus Jugendlichen in Eigenregie auf die Beine gestellt hatten. Nach Fußballspielen en masse gab es Workshops, in denen ebenfalls der Fußball im Mittelpunkt stand - als friedenstiftendes Mittel zwischen verschiedenen Völkern und Religionen.

"Die Reise nach Deutschland zum KICKFORMORE-Festival war für die Jugendlichen eine tolle Chance und eine ganz besondere Gelegenheit", erklärt Tami Hay, Sportdirektorin des Peres Center. "Der Austausch hat sogar dazu geführt, dass Israelis, Palästinenser und Deutsche gemeinsam über den Holocaust gesprochen haben. Das war davor undenkbar."

Für Marcel hat der Sport seine Kraft längst bewiesen. "Sport kann wirklich die Welt verändern. Durch KICKFORMORE habe ich nicht nur gelernt, selbst Turniere zu organisieren, sondern auch Verantwortung zu übernehmen und an meinen Aufgaben zu wachsen."

Auf Mili hingegen warten noch schwierige Herausforderungen - besonders, wenn sie nach dem Schulabschluss den in Israel verpflichtenden Militärdienst antritt: "Wie kann ich Palästinenser töten, jetzt, wo ich sie kenne? Ich hoffe, dass diese Entscheidung nie von mir verlangt wird, denn durch den Fußball sind die Palästinenser zu meinen Freunden geworden."

Laureus-Benefizspiel bringt 100.000 Euro ein

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