Kleines Experiment mit großer Wirkung

Von SPOX
Thomas Müller machte in den letzten zwei Jahren alle Liga-Spiele für Bayern
© Getty

2009 machte Thomas Müller beim Audi Cup erstmals auf sich aufmerksam. Bei der zweiten Auflage (Di., 18 Uhr im LIVE-TICKER) zählt der 21-Jährige nun zu den Stars. Der Nationalspieler zeigte in den letzten zwei Jahren vieles - nur keine Schwäche.

Es ist immer wieder das Gleiche an der Säbener Straße. Kurz bevor die Vorbereitung auf die neue Saison beim FC Bayern startet, werden die größten Talente des Rekordmeisters unruhig. Sie warten auf ein Zeichen.

Darauf dass Sie von Hermann Gerland, Nachwuchskoordinator Werner Kern oder gar vom Cheftrainer höchstpersönlich kontaktiert werden. Darauf dass einer kommt und sagt: Du darfst dieses Mal in der Vorbereitung bei den Profis mittrainieren und dein Können zeigen.

In diesem Jahr gingen die Bayern-Verantwortlichen zu Cüneyt Köz und Bastian Müller. Die beiden Youngster hatte Coach Jupp Heynckes ausgewählt, so wie es Vorgänger Louis van Gaal im Vorjahr mit Maximilian Haas und Nicolas Jüllich gemacht hatte.

Jüllich überzeugte gegen Ronaldo

Der damals 20-jährige Jüllich begeisterte van Gaal besonders. Im Testspiel gegen Real Madrid hatte der Defensiv-Mann Philipp Lahm als Rechtsverteidiger ersetzt und gegen Superstar Cristiano Ronaldo eine richtig gute Figur abgegeben. Die Bayern schienen plötzlich eine passende Alternative zu Lahm zu besitzen.

Doch sein Auftritt gegen Real war bis heute Jüllichs Highlight im Bayern-Trikot. Kein einziges Mal setzten ihn van Gaal oder Interimscoach Andries Jonker anschließend in der Bundesliga ein. Jüllich blieb ein kleines Experiment.

Erster großer Auftritt beim Audi Cup

Aus einem anderen kleinen Experiment ist dagegen inzwischen ein großer Star geworden. Ähnlich wie Köz und Müller heute oder Haas und Jüllich vor Jahresfrist, durfte vor zwei Jahren Thomas Müller bei den Profis reinschnuppern.

Schnell fand van Gaal Gefallen am unbekümmerten Auftreten des Offensiv-Mannes. Und kurz vor dem Start in die Saison 2009/2010 durfte sich auch Müller - ähnlich wie später Jüllich gegen Real - mit den ganz Großen der Branche messen.

Zur Premiere des Audi Cups waren damals Manchester United, die Boca Juniors und der AC Milan nach München gekommen. Gegen die Italiener stand Müller in der Startelf, schoss die Bayern mit zwei Treffern ins Finale und verwandelte dort beim Sieg gegen ManUnited im Elfmeterschießen sicher.

Keine Liga-Partie verpasst

Damit hatte Müller die letzten Zweifel seines Trainers beseitigt. Plötzlich war der damals 19-Jährige mittendrin - und für die Bayern unverzichtbar. Zum Beleg: Seit seinen starken Auftritten beim Audi Cup 2009 stand Müller in allen 68 Bundesliga-Partien auf dem Platz. Noch beeindruckender ist seine Ausbeute in den letzten zwei Spielzeiten. An 49 Liga-Toren der Bayern war Müller unmittelbar beteiligt (25 Tore/24 Vorlagen).

Dazwischen spielte der 21-Jährige noch eine furiose Weltmeisterschaft in Südafrika, wo er sich mit fünf Treffern den Goldenen Ball des besten WM-Torschützen sicherte. Und während sich die Kollegen anschließend schwer taten, in Tritt zu kommen (Lahm) oder nie an die starken Leistungen der Vorsaison anknüpfen konnten (Schweinsteiger, Bastuber), fand Müller schnell zurück zu seinem Top-Niveau - und legte sogar nochmal einen drauf im Vergleich zu seinem Premieren-Jahr.

Torgefährlichster Mittelfeldspieler

Mit zwölf Treffern war Müller in der zurückliegenden Spielzeit torgefährlichster Mittelfeldspieler, mit 26 Scorer-Punkten insgesamt ligaweit die Nummer zwei. In insgesamt 48 Pflichtspielen war er an 38 Toren beteiligt (19 Tore, 19 Vorlagen). Vom berüchtigten schwierigen zweiten Jahr war bei ihm nichts zu spüren.

Nun geht Müller in seine dritte Profi-Saison. Mit Jupp Heynckes ist ein neuer Trainer da und Förderer van Gaal ("Müller spielt bei mir immer") endgültig Vergangenheit. In Ivica Olic ist ein Konkurrent um den Platz hinter der einzigen Spitze wieder fit.

Eine Stammplatzgarantie gibt es für Müller von Heynckes deshalb nicht. Probleme hat der Nationalspieler damit allerdings keine. "Qualität setzt sich am Ende immer durch", sagt er. "Ich fühle mich so, dass wenn ich meine Leistung bringe, kein Weg an mir vorbeiführt." So war es schließlich bislang stets. Eben immer wieder das Gleiche.

Thomas Müller im Steckbrief

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