Anerkennung von eSport als Sportart: Keine Annäherung zwischen DOSB und ESBD

SID
eSport ist ein kulturelles Phänomen.

In der Debatte um eine mögliche Anerkennung von eSport als Sportart haben sich die Fronten weiter verhärtet. Bei der Sitzung des Sportausschusses des Deutschen Bundestags am Mittwoch beharrten sowohl der Deutsche Olympische Sportbund als auch der eSport-Bund Deutschland auf ihren Standpunkten. Nach der dreistündigen Diskussion waren die DOSB-Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker und ESBD-Präsident Hans Jagnow weit von einem Konsens entfernt.

"Wir erkennen, dass es ein kulturelles Phänomen ist, das im Alltag inzwischen zunehmend verankert ist. Aber wir sehen eben nur eine ganz geringe Schnittmenge zu dem, was uns unter dem Dach des organisierten Sports bewegt", sagte Rücker dem SID nach der Sitzung: "Ich würde nicht behaupten, dass die Schnittmenge heute größer geworden ist." Bereits im Oktober hatte der DOSB seine Positionierung zum eSport, also dem wettkampfmäßigen Gaming, veröffentlicht.

Damals wie heute unterteilt der Dachverband die aktuell dominierenden Spieltitel in "virtuelle Sportsimulationen" (z.B. FIFA 19, NBA2K) und "eGaming" (League of Legends, Dota 2 etc.). Nur erstgenannte Spiele seien nach DOSB-Lesart förderungswürdig und auch nur im Rahmen der bislang im DOSB organisierten Sportverbände. Das stieß dem ESBD sauer auf. "Das ist für uns ein ganz klarer Bestandsschutz. Und wenig Offenheit für Neues. Da muss sich der DOSB an vielen Stellen noch bewegen", sagte Jagnow.

AfD-Fraktion positioniert sich klar gegen eSport

Bei der Sitzung waren unter anderem auch Sportwissenschaftler, Athletenvertreter, Vertreter des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) und der Electronic Sports League (ESL), dem weltweit größten eSport-Unternehmen, anwesend, um eine mögliche Legitimierung von eSport als Sportart zu bewerten. Die Stimmung unter den Abgeordneten war gemischt. Klar gegen die Anerkennung von eSport positionierten sich nur die Vertreter der AfD-Fraktion.

Die Vorsitzende des Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), tut sich nach eigener Aussage mit einer Anerkennung zwar schwer, hat aber "kein Problem damit, dass die eSport-Szene irgendwann eine Anerkennung als gemeinnützige Vereine bekommt, weil ich auch denke, wir haben uns neuen Entwicklungen zu öffnen". Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist die Anerkennung von eSport als Sportart festgeschrieben.

Freitag reagierte mit ihrer Äußerung auf eine wichtige Forderung Jagnows, die Arbeit von Amateurvereinen im eSport durch Anerkennung der Gemeinnützigkeit zu stärken. "Die Breitensportbewegung jetzt zu stärken, heißt, dass wir uns als starker eSport-Standort in den nächsten Jahren auch international positionieren können", sagte Jagnow.

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