Mittwoch, 02.11.2011

Das Beste aus den Sport-Blogs

"Gewalt gehört zum Fußball dazu"

Die Aufregung über die jüngsten Fan-Ausschreitungen im deutschen Fußball waren groß. Doch die ehrlichste Erkenntnis der letzten Tage wird verschwiegen: Gewalt gehört zum Fußball dazu. Weil er ihr eine Bühne bietet. Meinen die Blogger von "Schwatzgelb". Der Blick in die Sport-Blogs Deutschlands.

Der Anblick von Polizisten in schwerer Montur ist in deutschen Stadien keine Seltenheit
© Getty
Der Anblick von Polizisten in schwerer Montur ist in deutschen Stadien keine Seltenheit

Wie immer gilt: Nicht nur hier kommentieren, sondern auch in den einzelnen Blogs. Jeder hier zitierte Ausschnitt ist nur ein Schmankerl eines längeren, grandioseren und tolleren Textes.

Gewalt gehört zum Fußball dazu

"Glück gehabt, kann man da nur sagen. Die aktuelle Berichterstattung zeichnet schließlich das Bild von prügelnden Ultra-Horden, die dem normalen Stadionbesucher ans Leder wollen. Zugegeben, niemand hätte wohl gerne dicht neben dem Dynamo-Block gestanden. Und doch mutet es aberwitzig an, wie sehr die einzelnen Vorfälle in Frankfurt und Dortmund in dieser Woche die mediale Diskussion geprägt haben. Kaum ein Trainer oder Fußballfunktionär, der in der Folge nicht genötigt wurde, seine Sicht der Dinge zu Protokoll zu geben. Die ehrlichste Erkenntnis blieb dabei leider unausgesprochen: Die Gewalt gehört zum Fußball dazu.

Ja, der Fußball besitzt eine Anziehungskraft auf gewaltbereite Menschen, weil er eben auch eine ideale Bühne dafür bietet. Aber auch wenn sich vielleicht die Art der Angriffe in ihrer Qualität verändert haben, war der Fußball in den vergangenen Jahrzehnten doch selten anders und übt trotzdem (oder gar deswegen?) eine so große Faszination auf Millionen Menschen aus. Und ein Großteil dieser Menschen übersteht einen Besuch eines Fußballstadions völlig unversehrt - allen Horrorszenarien der Polizeigewerkschaften zum Trotz."

Schwatzgelb: Wir waren beim Fußball - und haben es überlebt

 

Favres Rückkehr nach Berlin

"Insofern ist es Lucien Favre, der am 2. November seinen 54. Geburtstag feiert (Alles Gute dazu!), wahrscheinlich eher ein bisschen unangenehm, mit dieser Ikone der Gladbacher Fußballgeschichte verglichen zu werden. Favre ist ein Meister des Understatements. "Es liegt an nichts" hat er in Berlin einmal gesagt, als seine Hertha knappen Sieg an knappen Sieg reihte und sogar die Meisterschaft zeitweise nicht unrealistisch erschien. In Berlin wusste damals jeder (bis auf Marko Pantelic), dass es an Favre lag. Die Entwicklung in der Saison danach gehört immer noch zu den größten Missverständnissen in der jüngeren Geschichte von Hertha BSC.

Am Samstag nun trifft dieses Missverständnis mit seiner neuen Mannschaft auf seinen alten Verein. Favre kehrt zum ersten Mal seit dem 0:4 gegen den SC Freiburg am 20. September 2009 ins Berliner Olympiastadion zurück.

Seitdem ist viel passiert in Berlin, auch wenn die Mannschaft an entscheidenden Stellen noch seine Sprache spricht."

Hertha BSC Blog: Markus "Fiffi" Babbel?

 

Der van-Gaal-Konjunktiv

"Mit der heutigen Leistung der Clubberer hätten diese sogar gegen unsere B-Elf vom Pokalspiel Probleme gehabt. Aber ich wollte es ja auf die Stärke der Bayern schieben.

Nein, nein, das hat schon etwas, wenn man sieht, wie da ein Rädchen in das andere greift - gar unter Pressing noch Kombinationen oder Pässe wie vor den ersten beiden Toren stattfinden. Das ist richtig gut. Und eben der große Unterschied zur Vorsaison. Eigentlich wollte ich das Thema van Gaal ja ruhen lassen, aber was wäre wohl mit Herrn Badstuber im nächsten Training passiert, wenn dieser die vielen, teilweise sensationellen Diagonalpässe vomHolger über das halbe Feld mehr oder weniger direkt zum Mitspieler gesaust gesehen hätte? Die noch dazu einen Schweinsteiger vor dem 1:0 erreichten, der da eigentlich gar nicht stehen dürfte weil er seine Quadrat- oder Dreieck-Einteilung sträflich und mutwillig verlassen hätte?!"

Breitnigge: Die bayerische Katze und das fränkische Wollknäuel

 

Horst, der Baumeister

"Elf Spiele sind in der Bundesliga gespielt, die Gruppenphase der Europa League ist zur Hälfte rum und die zweite Runde des DFB-Pokals abgeschlossen. Zeit, für einen ausführlicheren Blick auf die bisherigen Leistungen der Königsblauen nach dem ersten Drittel der Saison. Dieses Fazit kann eigentlich nur positiv ausfallen, denn der S04 liegt in allen drei Wettbewerben absolut im Soll. Im DFB-Pokal gab man sich keine Blöße, auch wenn die Leistung gegen den KSC eher durchschnittlich war. Danach kräht am Ende aber kein Hahn mehr. Mit einem Sieg am Donnerstag gegen Larnaka kann Schalke bereits das Ticket für die Zwischenrunde der Europa League buchen. Die Chancen dafür stehen mehr als gut, wenn man die Leistung des Hinspiels auf Zypern als Maßstab nimmt. Auch in der Bundesliga hätten die wenigsten Experten prophezeit, dass der FC Schalke nach dem ersten Drittel der Spielzeit ganz oben mitmischt und vor allem vor dem Rivalen aus dem Revier, den Unaussprechlichen, steht.

Dabei hatte Schalke vor und während der Saison so einige Baustellen offen."

Blogundweiss: Alles im Lack

 

Duisburger Kommunikationsprobleme

"Die Entlassung von Milan Sasic stimmt traurig und erleichtert zugleich. Diese Entlassung ist richtig. Manchmal passt es nicht mehr zusammen. Vor diesem Abschied sind Spieler und Trainer an ihre Grenzen gestoßen. Ich meine damit nicht nur Leistungsgrenzen sondern auch Grenzen der Persönlichkeit. In diesem Fall, sollte es nicht darum gehen, Schuld zu verteilen. Mich erinnert die Zeit vor dieser sehr speziellen Trainerentlassung an die Paul Wazlawikschen Beschreibungen einer gestörten Kommunikation. Der eine meint, auf den anderen nur zu reagieren und bemerkt nicht, dass sein eigenes Verhalten vom Gegenüber ebenfalls als Ursache angesehen wird. Dabei befinden sich alle in einem endlosen Kreissystem, in dem Reaktion immer auch gleich Aktion bedeutet. Eine Folge von etwas ist zugleich auch Grund für etwas. Alles nur eine Frage der Perspektive, der "Interpunktion", wie Watzlawick gesagt hat. Ich hatte das Gefühl, Finger zeigten in den letzten Wochen immer nur auf andere. Da wurden zur eigenen Entlastung Schuldige gesucht. Der Trainer sagt, ihr!, Spieler, und die Spieler machten indirekt deutlich: du!, Trainer."

Fakten und Gerüchte aus dem Stadionbus: Eine traurige, aber richtige Entlassung

 

Armer serbischer Fußball!

"Belgrad ist eine schöne, unbedingt sehenswerte Stadt. Der jugoslawische Fußball war einst eine wichtige Größe, und auch heute ist er so schlecht nicht, bedenkt man, dass drei ehemals jugoslawische Mannschaften in den Play-Offs für die EM stehen und Serbien nur knapp scheiterte, selbige zu erreichen. Und natürlich: Wer gut Fußball spielen kann, spielt nicht in Serbien, nur zwei Spieler des aktuellen Nationalmannschaftskader schnüren ihre Fußballschuhe für einen serbischen Verein. Aber nichtsdestotrotz: Die Zukunft des serbischen Fußballs sieht düster aus, wenn sich die Gegenwart so darstellt, wie sie es tut - Tristesse auf dem Rasen, Tristesse auf den Rängen, völliges Desinteresse aller Beteiligter, Besserung nicht in Sicht. Schade."

Spielbeobachter: Vom erbärmlichen Zustand des serbischen Fußballs

 

Zu Besuch im Camp Nou

"Aus beruflichen Gründen bin ich für ein paar Wochen in Barcelona. Als sich diese Möglichkeit ergab, war für mich klar, dass - wenn schon einmal in Barcelona - ich unbedingt auch ein Spiel im Camp Nou sehen möchte. Am vergangenen Samstag war es soweit. Ich hatte mir Tickets für das Spiel des FC Barcelona gegen RCD Mallorca besorgt. Besser gesagt: Ich habe sie ganz offiziell an einem Geldautomaten des örtlichen Kreditinstituts gezogen. Dass man auf diesem kuriosen Weg Karten erwerben kann, wundert mich mittlerweile längst nicht mehr. Denn allgemein ist der FC Barcelona in der Stadt allgegenwärtig. Es gibt fast an jeder Ecke einen Barça-Shop und wirklich überall kann man Trikots kaufen. Dass ich in den Tagen meines Aufenthalts hier noch keine einzige Kneipe gefunden habe, in der nicht mindestens ein Messi-Trikot hängt, muss ich wohl nicht gesondert erwähnen."

Schalkefan: Erst Schalke - dann Messi, Messi und Messi

 

Der aggressive Mark W.

"Die Frage, warum Webber in diesem Jahr derartig untergeht, ist nicht geklärt. Einige vermuten, dass er mit den Pirellis nicht so gut klar kommt, andere sind der Meinung, dass die von Red Bull gefahrenen hohen Sturzwerte an der Vorderachse, die etwas aggressivere Fahrweise von Webber nicht unterstützen. Tatsächlich ist auffällig, dass Mark Webber oft früher an die Box kommen muss, als sein Teamkollege. Auch verliert er gegen Ende eines Stints eher Zeit, selbst wenn der Tank leerer wird. Ihm bleibt offenbar nur die Möglichkeit, etwas vorsichtiger unterwegs zu sein, was nicht zu seinem Fahrstil passt. Webber ist nicht der einzige Fahrer mit dem Problem, auch Hamilton hat da gegenüber Button Probleme. Das Webber in diesem Jahr dennoch nicht einen Sieg einfahren konnte, ist schon sehr bedauerlich und für ihn vermutlich sehr frustrierend.

Der einzige, der im Moment zumindest ansatzweise an die Form von Vettel ran kommt, ist Jenson Button."

Racingblog: Formel 1: Analyse Indien GP 2011

 

Das literarische Solodribbling

"Ohne Frage ist das Buch lesenswert. Vielleicht nicht unbedingt in zu früher Jugend und eben auch nicht, wenn man Sensationen davon erhofft. Es ist schlicht unterhaltsam, gerade weil es so zeitnah zu den Inhalten erscheint, man sich noch gut an Völler als Nationaltrainer, Magath bei den Bayern oder Klinsmann als Reformator bei DFB und FCB erinnert. Ein Blick hinter die Kulissen ist eben immer amüsant und wird dank der einfachen und unprätentiösen Art der Formulierung eher als "naiv" als boshaft wahrgenommen. Und es gibt Passagen, bspw. über gemeinnütziges Engagement, die auch wichtig sind, gerade um anderen ein Vorbild zu sein. Dem vermittelten Motiv aber, gerade jungen Fußballern den Weg zum Spitzenfußballer transparenter zu machen und damit eine Art Ratgeber zu sein, was auch die Schlagzeilen-ähnlichen vor jedem Kapitel zusammengefassten Thesen vermuten lassen könnte, wird das Buch aber nur selten gerecht."

Clubfans United: Der feine Unterschied

 

10-jähriger Zeichenstar

"Liam Tomke Tanzen ist ein Ballkünstler der besonderen Art. Und das liegt nicht nur daran, dass der 10jährige Hamburger regelmäßig für seinen Verein Komet Blankenese in der 1. E-Jugend auf Torejagd geht. Liam liebt das Zeichnen, "seit er einen Stift halten kann" (Zitat von Liams Mutter Manuela Tanzen). Zeichnen ist schon immer Liams Lieblingsbeschäftigung gewesen (mittlerweile neben Fußball spielen). Liam hat laut seiner Mutter immer schon neue Eindrücke mit Zeichnen verarbeitet, bereits lange, bevor er schreiben konnte.Als Liam dann bei der Heim-WM 2006 im Alter von damals 5 Jahren seine Leidenschaft für den Fußball entdeckte, führte dies schnell dazu, dass sämtliche Wände und Türen in der Wohnung der Tanzens mit Unmengen von Fußball-Bildern tapeziert wurden. Liam probierte dabei immer mal neue Techniken aus, am Liebsten zeichnete er aber mit Bleistift, Portraits oder Karikaturen. Hier liegt auch heute noch der Schwerpunkt von Liams Illustrationen. Als es schließlich immer mehr Bilder wurden und Liam weiterhin unaufhörlich Fußballbücher verschlang, hatte Familie Tanzen die Idee, das Ganze einfach zusammenzuführen."

Jogis Jungs: Hamburger Ballkünstler: 10jähriger Liam lebt und zeichnet Fußball

 

Was man außerdem unbedingt lesen sollte

Jens Weinreich ruft zum Crowdsourcing gegen den Ausschluss der Öffentlichkeit vom Bundestags-Sportausschuss auf, im Web04 feiert man Literaturensöhne und im Blog Spielverlagerung analysiert man noch einmal ausführlich das 3:5 von Chelsea gegen Arsenal. Das Sportmedienblog interviewt Sportkommentator Karsten Linke und bei dessen Kollegen vom Sportsradio360 wird gefeiert: Die 25. Ausgabe ihres Podcasts. Reinhören!

Die nächste Blogschau erscheint nächsten Mittwoch am 09. November.

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Max-Jacob Ost

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Die Fan-Ausschreitungen der letzten Wochen haben für viel Wirbel gesorgt. Doch die bitterste Erkenntnis wird verschwiegen: Fußball wird immer zu Gewalt verlocken.

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