Mittwoch, 14.09.2011

Das Beste aus den Sport-Blogs

Orientierungslos. Frustriert. Überfordert.

Während man beim 1. FC Köln nach der Heimniederlage gegen den 1. FC Nürnberg die Wunden leckt, reiben sich die Blogger des FC Bayern München die Augen: Ist man wirklich wieder so gut wie einst? Auch bei Borussia Dortmund erinnert man sich an längst vergessen geglaubt Champions-League-Tage, während bei der Eintracht aus Frankfurt der Blick nur eines offenbart: Leere. Eine bunte Mischung. Wie immer, beim Blick in die Sportblogs Deutschlands.

Symptomatisch für die Situation gerieten Rensing und Chihi im Spiel gegen Nürnberg aneinander
© Getty
Symptomatisch für die Situation gerieten Rensing und Chihi im Spiel gegen Nürnberg aneinander

Wie immer gilt: Nicht nur hier kommentieren, sondern auch in den einzelnen Blogs. Jeder hier zitierte Ausschnitt ist nur ein Schmankerl eines längeren, grandioseren und tolleren Textes.

Der 1. FC Köln stößt seinen Trainer ab

"Mein eigener Optimismus hingegen hat sich nach der ernüchternden Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg so ruckartig zurückgezogen wie das Fühlerauge einer Schnecke nach der kleinsten Berührung. Zu harmlos präsentiert sich das Team, zu inkonsequent, zu unmotiviert, zu disharmonisch. Der Trainer wirkt nach wie vor wie ein transplantiertes Fremdorgan, das vom Team abgestoßen wird. In vielen Momenten spürt man zwar das Bemühen der Spieler, die Philosophie des norwegischen Coaches umzusetzen, doch nur, um sofort im Anschluss Ratlosigkeit und Verunsicherung zu fühlen. Die Mannschaft wirkt orientierungslos, frustriert, überfordert.

Der Trainer gibt den Spielern keinen Halt. Die Spieler selbst wirken verstimmt, mit wenig Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft. Niemand übernimmt die Führung - auch eine Folge der leidigen Kapitänsdiskussion im Vorfeld der Saison."

Stadionwurst: Optimistischer Angsthasenfußball


Dortmund ist zurück in Europa

"Insgesamt ist das Unentschieden sicher kein ungerechtes Resultat, weil der BVB es versäumte, das Spiel in der ersten Halbzeit zu entscheiden und Arsenal seine etwas überraschende Führung stark verteidigte. Im Gedächtnis bleiben wird von diesem ersten Schritt der Young-Guns auf die große internationale Bühne aber insbesondere die einzigartige Atmosphäre vor und während des Spiels sowie der Hammer von Perisic. So kann es in Europa gerne weiter gehen."

Schwatzgelb: Back where we belong - Borussia erweist sich reif für Europas Elite

 

"Das ist nicht mehr meine Eintracht"

"Fast paralysiert, immer wieder neu fassungslos sehe ich, was jetzt bei der Eintracht passiert. Manchmal, zum Beispiel am letzten Mittwoch, schnürt es mir fast die Kehle zu. Dann habe ich Angst, richtig Angst, dass das, was da abgeht, nicht nur ein gruseliges Intermezzo ist, sondern vielleicht wirklich das Ende der Eintracht bedeuten könnte. Einen Neuaufbau habe ich mir gewünscht. Eine gemeinsame Kraftanstrengung. Aufbruch. Wieder Fußball spielen. Etwas aufbauen. Zusammen wachsen. Erhobenen Hauptes, mutig die zweite Liga aufmischen. Wir. Nichts davon.

Merkwürdige Menschen scheinen den Verein, tschuldigung: die AG, in ihre Hände gebracht zu haben. Auf dem Platz stehen Männer, die ich nicht kenne. Hauptsache sie sind groß. Ich bekomme jedes Mal einen Schreck, wenn ich Bruno Hübner im Fernsehen sehe und muss mich kurz kneifen, damit ich merke, dass ich nicht träume, und dass der Herr, den ich sehe, tatsächlich unser Sportdirektor ist. Ich sehe einen Mann am Seitenrand, bei dem ich nicht erkennen kann, ob er den Sport, den er betreibt und die Mannschaft, die er betreut, mag. Ob er überhaupt Lust darauf hat.

So ist das. Nicht mehr meine Eintracht. Zerfleddert. Entkernt. Fremd. Nicht einmal mehr sympathisch."

Rotundschwarz: Wem ist die Eintracht

 

Markus Babbel - von der Putze zum Konzepttrainer

"Und plötzlich haben wir einen Konzepttrainer. Das erinnert an berühmte Geschichten: von der Putze zur Prinzessin, vom Tellerwäscher zum Millionär, vom ideenlosen Übungsleiter zum Konzepttrainer. Die medienwirksame Evolution des Markus Babbel - was ein Sieg beim seit 18 Spielen in Folge zu Hause ungeschlagenen Tabellenführer doch alles bewirken kann.

Das 2:1 in Dortmund hat ruhrgebietstypisch vieles zutage gefördert, was vorher ein bisschen im Argen gelegen hatte. Die Bundesligatauglichkeit der Hertha-Abwehr zum Beispiel. Was hatten wir uns Gedanken gemacht in der damaligen Zweitliga-Saison. Nein, André Mijatovic würde niemals bestehen gegen diese blitzschnellen Dortmunder Dribbler, nach dem Aufstieg müsse er dringend ausgetauscht werden, damit wir da nicht die Hütte voll bekommen. So habe auch ich argumentiert, doch Mijatovic hat mich und all seine Kritiker eines Besseren belehrt. Zusammen mit Roman Hubnik, Peter Niemeyer und Andreas Ottl hielt er die Mitte dicht und köpfte jede hohe Hereingabe (bis auf eine, bei der Kollege Hubnik ein bisschen spät dran war) aus dem Gefahrenzentrum."

Hertha BSC Blog: Babbel, der Konzepttrainer

 

"Schalke war so unwichtig wie nie"

"Ich hatte keine Lust auf Fußball, mache mich aber trotzdem kurz vor Anpfiff auf zur Arena. Wer weiss, vielleicht findet es doch nicht statt. Aber doch - der Wachdienst Bremen, eingekleidet in UEFA-Westen mit der Aufschrift "Steward" regelt die Anreise vor der Arena, es findet also wirklich statt. Im Stadion ist alles anders. Alles. Auf den Bildschirmen läuft nicht das Bild von der Arena, sondern die Sonderberichte der Tagesschau. Trauben stehen vor den Monitoren. Drinnen ist kein Aufwärmprogramm, auch DJ Dirk zieht nicht sein Programm durch. Es läuft klassische Musik und es gibt weder Anmoderationen noch Werbung. Eine gespenstische Stimmung, man wünscht sich, dieses Spiel würde nicht stattfinden. Während der Partie gibt es keinerlei fußballtypische Emotionen, letztlich war allen dieses Spiel egal. Die Sorge um das, was jetzt weltpolitisch geschah, lag greifbar in der Luft. In meiner Vorstellung waren Flugzeuge, die in die Arena fliegen könnten. Viel einfacher könnte man nicht mehr Menschen auslöschen.

Das Spiel fand statt und ging verloren. Ich weiß zwar noch das Ergebnis, kann mich an den Spielverlauf nicht mehr erinnern. Will ich auch gar nicht mehr. Auf dem Rückweg zum Auto textete ich mit Freundin und Freunden über die Ereignisse und wir stellten uns Fragen, die wir nicht beantworten konnten. Als ich vor meiner damaligen Wohnung um vielleicht halb Zwölf ankam, war es so gespenstisch ruhig wie gefühlt noch nie. Und Schalke war so unwichtig wie nie."

Blogundweiss: We will never forget

 

Die Allianz Arena - wo Gegner zu Kaninchen werden?

"Man fragt sich als Bayern-Fan dieser Tage, was der Start in die Saison 2011/12 zu bedeuten hat? Sind wir wieder an dem Punkt angelangt, an dem die Gegner in der Münchener Arena wie das Kaninchen vor der Schlange erstarren und es nur der Gnade, dem Gebälk oder dem Zufall geschuldet ist, dass das Ergebnis nicht zweistellig endet? Sind wir wieder an dem Punkt, bei dem dauernd die Null hinten steht und der Schlussmann des FCB vor Beschäftigungslosigkeit ermüdet? Ist das wieder eine Saison in der die Bayern vorne weg marschieren, während die ernstzunehmenden Konkurrenten früher oder später Punkte einbüßen und nach und nach den Kontakt zur Spitze verlieren? Im Moment zumindest ist nach der Aufregung der letzten Spielzeiten der Fußballhimmel über München wolkenlos, es droht kein Sturm - nur ein lauwarmes Spätsommer-Lüftchen. Und das tut uns jetzt mal ganz gut."

Fernglas FCB: Ein Freiburger Kaninchen als Snack für unterwegs

 

Schalke - dankbar fürs Knüppeln

"Trotz all' dieser Mängel hätte Schalke das Spiel dennoch rechtzeitig wieder in die richtige Richtung drehen können. Huntelaar vergab in der chancenarmen zweiten Halbzeit eine passable und eine glasklare Chance. Und gerade als sich Schalke mit dem Pech arrangiert hatte und zumindest den Punkt sichern wollte, kam das Wolfsburger Glück in Form eines abgefälschten Freistoßes dazwischen und die Messe war gelesen.

Die Niederlage ist ärgerlich, die verschenkte Chance auf einen leichten Dreier tut weh. Aber das wird Schalke nicht aus der Bahn werfen. Ich bin mir sicher, dass Ralf Rangnick zusammen mit seinen Spielern die richtigen Schlüsse ziehen wird. Und - ganz ehrlich - ich bin ein Stück weit sogar froh, dass Schalke kein Team ist, dass ausschließlich durch Draufknüppeln Zugang auf ein Spiel erhalten kann. Da ist Schalke dann doch - trotz der Niederlage - einige Schritte weiter als der gestrige Gegner. Diesen Weg lohnt es sich weiterzugehen."

Schalkefan: Nicht immer gewinnt der schönere Fußball

 

Serena Unantastbar

"Zu Beginn der US Open konnte man erfahren, dass viele Schiedsrichter in diesem Jahr wegen schlechterer Bezahlung das Turnier boykottieren. Wer hätte gedacht, dass sie für diese Arbeit nur 250 Dollar am Tag bekommen? Williams war dazu auf Bewährung. Man erinnert sich noch gut, wie sie einer Linienrichterin vor zwei Jahren bei den US Open angdroht hat, ihr den Ball in den Rachen zu stopfen, nachdem diese bei ihr einen Fussfehler moniert hatte.

Sie hätte genauso gut für längere Zeit gesperrt werden können. Aber stattdessen gibt man ihr und anderen Topspielern einen Freifahrtschein für schlimmstes Verhalten. Mir war klar, dass es für Serena keine wirklichen Konsequenzen haben würde. Sie ist zu wichtig für die Amerikaner. So sieht Macht aus. Da gelten dann keine Regeln mehr."

loreley: US-Open Rant

 

Knallköpfe

"Pyrotechnik ist kein Verbrechen, so lautet das Motto einem österreichischen Zusammenschluss von Fans, um für die Legalisierung von Pyrotechnik zu kämpfen. Auch in Deutschland gibt es eine Initiative unter dem Motto "Pyrotechnik legalisieren - Emotionen respektieren". In Deutschland wird es schwer werden die Ziele durchzusetzen, noch schwerer wird es, wenn es immer wieder Idioten (Zitat Uwe Fuchs) gibt, die Böller mit ins Stadion nehmen und diese auch einsetzen, auch als Waffe.

Gestern beim Derby zwischen dem VfL Osnabrück und Preußen Münster ist es wieder zur Anwendung von Böllern im Stadion gekommen, dabei sollen Menschen Knalltraumas erlitten haben. Da versucht die Initiative "Pyrotechnik legalisieren" das Unmögliche, ruft dazu auf die Knallkörper aus den Stadien zu verbannen, sie macht sich die Mühe, diskutiert auf hoher Ebene mit der DFL und wird dann von den "eigenen Leuten" mit Füßen getreten, somit die ganze Szene, weil es Vollidioten gibt, die meinen einen auf hart machen zu müssen, indem sie Kanonenschläge zünden."

Derbysieg: Böller gehören nicht ins Stadion

 

Was man außerdem unbedingt lesen sollte

Das hervorragende Eishockey-Blog Check von hinten beliefert Euch pünktlich zum Saisonstart mit Vorstellungen aller Teams. Eine taktische Analyse zum Kracher zwischen dem FC Barcelona und dem AC Milan liefert Spielverlagerung. Und zuletzt ein Blogartikel, für den wir uns eigentlich gar nicht interessieren. Rein aus formalen Gründen deshalb hier ein Werk mit dem Namen: Myp2p.eu und atdhe.net sind down - Livestream Portale vor dem Untergang?

Die nächste Blogschau erscheint nächsten Mittwoch am 21. September.

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Max-Jacob Ost

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Der 1. FC Köln zerfällt in seine Bestandteile. Die Niederlage gegen Nürnberg war der Offenbarungseid einer Truppe aus frustrierten Einzelkämpfern. Bei Bayern und Dortmund wird dagegen gefeiert.

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