Ist der Jugend-Hype manchmal zu viel?

Von Max-Jacob Ost
Mittwoch, 05.10.2011 | 11:17 Uhr
Mario Götze (l.) und Marco Reus beim Training mit der deutschen Nationalmannschaft
© Getty

Mario Götze, Marco Reus, Thomas Müller und Konsorten - sie alle gehören zu einer jungen Generation von Spielern, auf denen der Druck einer ganzen Nation lastet. Ergebnis des erfolgreichen Jugendkonzepts des DFB. Aber ist der Hype nicht manchmal auch zu viel? Am Ende leiden nicht nur ältere Spieler unter dem Jugendwahn. Der Blick in die Sportblogs Deutschlands.

Wie immer gilt: Nicht nur hier kommentieren, sondern auch in den einzelnen Blogs. Jeder hier zitierte Ausschnitt ist nur ein Schmankerl eines längeren, grandioseren und tolleren Textes.

Rentnerschwemme

"Ich finde ihn ja komisch, diesen fast schon zwanghaften Hype auf die Jugend im deutschen Fußball. Manchmal kommt es einem so vor, als hätte sich ein Trainer bereits dadurch ein Denkmal gesetzt, dass er 11 blutjunge Spieler hat auflaufen lassen. Und überhaupt, in einer Welt, in der Erwerbsbiographien ab 50 oft brüchig werden und Fußballspieler ab Ende 20 schon zum alten Eisen gehören, immer noch das Lied der extrem wichtigen Nachwuchsförderung zu singen, mutet ziemlich schräg an.

Der DFB hat sich mit der Einführung der Pflicht zu Nachwuchszentren bei Bundesligisten (Liga 1 + 2) einerseits für seine eigenen Wettkampf-Mannschaften eine auch in der Breite hochklassige Basis verschafft, wenn man an die Vielzahl von fertigen, sehr guten und jungen Spielern denkt. Auf der anderen Seite hat die extreme Nachwuchsförderung auch zu einem heftigen Wettbewerb unter den Profifußballern geführt, bei dem (zumindest gefühlt) immer häufiger die älteren Semester verlieren."

Rotebrauseblogger: Nachwuchs gut, alles gut

 

Rohrspatzen in Funkhäusern

"Die Netradio-Herren Dickel und Rupert wurden nun, wie ihr sicher mitbekommen habt, vom DFB für ihr Geschimpfe bestraft. Und werfen damit die interessante Frage auf: Wieviel ungefilterte Emotion ist eigentlich in Ordnung und wo hört es auf?

Eine Diskussion, die ja schon unter dem letzten Post in diesem Blog geführt wurde beim Thema Homophobie. Bei der Beschimpfung "Schwuchtel" ist bei mir die Grenze deutlich überschritten. Bei rassistischen Bemerkungen ebenso. Nicht ganz so nette Schimpfwörter sind mir aber bestimmt schon rausgerutscht. Und ich kenne genug Menschen - übrigens Männer und Frauen - die beim Fußball klingen wie sehr unflätige Rohrspatze."

Meine erste Saison: Leidenschaft versus Anstand

 

Das beste Spiel des HSV

"Das Spiel war intensiv. Es war das beste Spiel von uns in dieser Saison. Wir haben verloren. So ist es manchmal. Die Schalker, oder besser, der Schalker Stürmer Huntelaar, war in den entscheidenen Situationen clever und erfahren genug die Tore zu machen.

Schalke hatte 9 Torschüße, schießt zwei, wir hatten 18 und schiessen nur eins. So ist Fußball manchmal. Grausam und fies.

Es war ein tolles Spiel, nach dem einsnull (Fehler von Bruma, dazu aber später mehr) hat Schalke den Fehler gemacht, den Druck nicht zu erhöhen, im letzten Spiel gegen Stuttgart hatte es der Gegner noch anders gemacht. Durch ein glückliches Tor gleichen wir das Spiel sogar aus und die Lautstärke im Stadion ließ einfach nicht nach. Die Intensität auch nicht. Es ging immer weiter nach vorne. 18 Torschüsse. Gegen werda? und Gladbach waren es zusammen 16. Warum verlieren wir also so ein Spiel, wenn es unsere beste Saisonleistung war? Weil wir nicht clever genug sind, unsere Stürmer ihren Job nicht gemacht haben und Huntelaar eben ein richtig guter ist. Raúl auch, aber da hatte Drobny was gegen. Die Torschüsse der Schalker waren gefährlicher, daran liegt es meiner Meinung nach auch."

Neds Blog: Schalke zu Hause

 

Seht es ein: Die Saison ist durch

"Diese Saison ist irgendwie alles bisschen früher als sonst, oder? Das Spiel gegen Hoffenheim hat doch jetzt wohl auch den letzten Zweifler überzeugt: Meister wird nur der FCB. [...] Wir konnten gegen Hoffenheim nicht gewinnen, aber wir konnten erneut ein Gegentor verhindern und nehmen unverdient einen Punkt mit nach München. Es war also ein "Wenn-Man-Das-Spiel-Nicht-Verliert-Wird-Man-Meister-Spiel". Normalerweise, finden solche Spiele erst später in der Saison statt. Aber normalerweise hat man auch erst später in der Saison eine Tordifferenz von +20. Also hört auf euch zu wehren, diese Saison ist gelaufen."

Kaisergrantler: Frühchen FC Bayern

 

Der Club hat jetzt das besondere Etwas

"Im Erfolg sieht alles so leicht aus, aber wenn es kriselt merkt man erst wie sehr die Führungsspieler Schäfer, Nilsson oder eben ein Eigler fehlen. Was man aber auch gesehen hat ist die Entwicklung des Vereins. Hätte man die letzten Jahre so ein Spiel noch 2:4 verloren, hat man heute mit Mak und Pekhart auf einmal die Qualität in den Reihen, die so einen Ausgleich auch aus dem Nichts überhaupt erzielen können.

Wenn man immer davon spricht, was denn einen Verein der Top 6 ausmacht, dann sind es immer Spieler, die im entscheidenden Moment den Unterschied ausmachen können. Deswegen gewinnen die auch nicht alles, aber es ist zumindest möglich. So ist Stephan bspw. ein grundsolider Torwart und macht alle zufrieden. Er hält, was zu halten ist, aber er schafft eben auch nicht (bisher jedenfalls) das "unmögliche" einmal zu zwingen, so wie ein Mak und Pekhart das am Samstag schafften."

Clubfans United: Ein komisches Spiel

 

Werder: Ein Monster namens Raute

"Ein packendes Spiel, das uns zum ersten Mal seit langem die alte Konteranfälligkeit der Raute in Erinnerung gerufen hat. Sie kann ein furchterregender Apparat sein, der aber - bei geordnetem Gegner - aus der Innenverteidigung permanent mit vertikalen Paessen gefuettert werden will. Bleiben diese aus, und kommt es zu Ballverlusten im Mittelfeld, läuft sie mangels zweitem Sechser gegen Mannschaft wie Hannover ins offene Messer."

Werder-Fußball-Blog: Hannover vs Werder: die Rueckkehr der Konter

 

Frankfurt ist zu gut für die Liga

"Es bleibt dabei: Wenn bei Eintracht Frankfurt alle Rädchen ineinander greifen, ist diese Mannschaft zu gut für die Zweite Liga. Und wenn nicht, hat sie immer noch Qualität genu, zwei Drittel aller Gegner im Unterhaus im Griff zu haben. Armin Veh muss die Truppe nur bei Laune halten. Zumindest beim Torschhützen Gekas gelingt ihm das im Moment. Der hat sich gestern, dreißig Minuten nach dem Spiel, mit einer herzlichen Umarmung von seinem Chef in den Kurzurlaub verabschiedet. Noch vor ein paar Wochen wäre eine solche Geste undenkbar gewesen."

Blog-G: Klassenunterschiede

 

Trainersuche im Dunkeln

"Das Faszinierende an der aktuellen Trainersuche ist das Im-Dunkeln-Tappen aller Außenstehenden. Unter der neuen Führung Jarchow/Arnesen haben die Hamburger Medien noch weniger Zugriff auf die aktuellen Wasserstände und fabulieren deswegen noch wilder herum, als man es gewohnt ist. Und da Vorstandsvorsitzender Carl-Edgar Jarchow und Sportdirektor Frank Arnesen an kein Mikro und kein Notizblock vorbeigehen können ohne jeden in die Runde geworfenen Namen mit "ein interessanter Mann" zu adeln, werden inzwischen selbst die abseitigsten Namen gehandelt. Barbarez, really?"

Allesaussersport: HSV sucht einen Trainer. So what?

 

Was man außerdem unbedingt lesen sollte

Das Königsblog verbannt ein Wort aus der Fußballsprache, das so Manchem schwer fehlen wird und bei Angedacht geht man diesem Gefühl nach, das jeder von uns kennt: "Gegen den Tabellenletzten tut sich mein Verein immer schwer!" Wirklich? Der Trainer Baade macht derweil das, was er am besten kann. Er fasst sich kurz und trifft umso zielsicherer. Adressat des Spotts: Die Designer von Stadien. Bei 1904 lernen wir, warum es immer wichtig ist, am Telefon zu sein. Es könnte schließlich Yves Eigenrauch anrufen. Zuguterletzt befasst sich Daniel Drepper mit einem komplexen aber wichtigen Thema: Sportjournalismus und Korruption.

Auf die nächste Blogschau müsst Ihr ein bisschen warten, da ich mir die Sonne auf den Pelz scheinen lasse. Sie erscheint am Mittwoch, den 26. Oktober.

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