Wintersport

Manuel Feller kritisiert die FIS: „Das geht einfach nicht“

Manuel Feller attackierte die FIS.
© GEPA

Manuel Feller hat den internationalen Skiverband FIS heftig kritisiert. Der ÖSV-Techniker schätzt den dichten Rennkalender, der vom Weltverband für die kommende Saison um vier Rennen erweitert wurde, als zu gefährlich ein. Auch der Umgang mit Paralell-Events ist für den 26-Jährigen inakzeptabel.

"Es ist mit keiner Sportart zu vergleichen: Ein Boxer hat maximal zwei Kämpfe pro Saison. Fußballer spielen drei Partien pro Woche, im besten Fall sogar im gleichen Stadion. Nur wir fliegen innerhalb von einer Woche in vier verschiedene Länder, haben Gepäck dabei wie kaum ein anderer und quetschen immer mehr rein", attackierte Feller den FIS-Beschluss bei einem ÖSV-Medientermin auf der Kitzbühler Streif.

Bei der FIS-Konferenz im kroatischen Dubrovnik wurde der Weltcup-Kalender für die kommende Saison abgesegnet. Auch aufgrund der Änderung und angestrebten Aufwertung der alpinen Kombination sind bei den Herren 46 anstatt der 42 Rennen aus dem vergangenen Jahr eingeplant.

Feller ist sich bewusst, dass der Skizirkus wirtschaftlich denken muss, sieht aber eine rote Linie überschritten. "Ich weiß, wir verdienen mit den Rennen unser Geld und leben davon. Skifahren ist eine saisonale Sportart, da muss im Winter alles untergebracht werden. Aber irgendwann ist es zu viel", sagte der Tiroler.

Manuel Feller über Weltcup-Kalender: "Irgendwo ist Schluss"

Im Detail wird es eine Kombination mehr geben als im Vorjahr. Die Techniker müssen zudem zwei Slaloms mehr bestreiten als noch in der vergangenen Saison, zusätzlich ist eine weitere Abfahrt mehr angesetzt. Die Anzahl an Parallel-Rennen bleibt mit vier vorgesehenen Events gleich, sollte sich jedoch noch kurzfristig ein Austragungsort für ein Rennen am Neujahrestag finden, käme ein fünftes hinzu. Oslo hat sich als Veranstalter zurückgezogen, im Juli wird über einen möglichen Ersatzort entschieden.

"Es ist gefährlich. Meiner Meinung nach entscheiden das Leute, die vom heutigen Spitzensport keine Ahnung mehr haben. Die sind zu weit weg", attackiert Feller die Funktionäre.

Der Slalom-Vizeweltmeister von 2017 führte das besonders dichte Programm nach der WM in Are im vergangenen Jahr als gefährliches Beispiel an, das etwa Marco Schwarz zum Verhängnis wurde. Während im traditionell hochkarätigen Jänner die Distanzen zwischen den Weltcup-Orten gering seien, ging es Ende Februar Schlag auf Schlag: "Von Are nach Stockholm, dann einen Tag später nach Bansko - mit zwei Wochen WM in den Haxen: Dass das nicht intelligent ist, brauche ich keinem zu erzählen. Das geht einfach nicht."

Feller sei allerdings auch klar, dass den Athleten in Sachen Organisation wenig Gehör geschenkt wird. "Jeder, der mit Hannes Reichelt als ehemaligen Athleten-Sprecher einmal gesprochen hat, weiß, wie wenig auf uns gehört wird. Schlussendlich sind wir nur die Spielfiguren am Feld, und nicht jene, die das Spiel leiten", kritisierte Feller.

Reichelt legte seine Tätigkeit als Athletensprecher frustriert zurück, der Schweizer Daniel Yule wurde in Dubrovnik zu seinem Nachfolger gewählt.

Dass es in der Saison 2019/20 für die Speed-Fahrer erstmals auf die Olympia-Pisten nach China geht und die Techniker Rennen in Japan bestreiten, stört Feller weniger. "Das ist überhaupt kein Problem. Die Anreise ist zwar weiter als sonst, aber wir haben eine volle Woche zur Vorbereitung", sagte Feller auf SPOX-Nachfrage. "Was mich stört, ist, wenn es binnen kürzester Zeit in so viele verschiedene Länder geht. Wir fahren alle gern unsere Rennen, aber irgendwo ist Schluss."

Feller über Parallel-Rennen: "Hat in oberster Liga nichts zu suchen"

Trotz Änderungen der FIS in der alpinen Kombination wird Feller gezwungenermaßen auf diese Disziplin in der kommenden Saison verzichten. Für einen Start bräuchte er FIS-Punkte in der Abfahrt, er entschied sich jedoch zum Ende der vergangenen Saison gegen einen Antritt in einem Speed-Rennen.

"Nach den ganzen zusätzlichen Ski-Tests wollte ich nicht mehr müde eine Abfahrt fahren, das war mir zu gefährlich", erklärte Feller. "Ich fokussiere mich lieber auf den Parallel-Slalom - mehr als drei Disziplinen könnte ich ohnehin nicht fahren."

Doch auch den Umgang der FIS mit jenen Rennen, in denen die Athleten im direkten Duell antreten, findet Feller mehr als unglücklich. "Was mir auffällt: Sie wissen ja selber nicht genau, was sie machen wollen. Da sollte mal einer den Hammer in die Hand nehmen und den Nagel treffen. Der Parallel-Slalom ist eine nicht fertig produzierte Disziplin. Es ist immer noch ein Experiment - und das in der obersten Liga", kritisierte Feller.

In der Vergangenheit wurde sowohl an den Toren als auch am Format der Parallel-Rennen gefeilt. Für Feller sind diese Experimente in einer Disziplin, in der in einem Jahr in Cortina erstmals WM-Medaillen vergeben werden, völlig fehl am Platz.

"Die Disziplin wurde einfach so in den Weltcup geschmissen. Nicht falsch verstehen: Es ist ein geiler Event. Die coole Atmosphäre inmitten einer Stadt macht nicht nur den Fans, sondern auch uns großen Spaß. Es ist noch nicht ausgereift. Wenn es nur reingequetscht ist, sodass es für jeden nur stressig ist, hat das in der obersten Liga nichts zu suchen."

Feller absolviert derzeit mit dem ÖSV-Herren-Team einen Konditionskurs im Bezirk Kitzbühel in Tirol. Am 27. Oktober steht mit dem Riesenslalom von Sölden das erste Weltcup-Rennen der neuen Saison auf dem Programm.

Manuel Feller: Erfolge bei Ski-Großereignissen

JahrEventDisziplinMedaille
2018Olympia PyeongchangTeamSilber
2017WM St. MoritzSlalomSilber
2013Junioren-WM QuebecSlalomGold
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