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NFL - Super Bowl LVI: Einst Mitarbeiter, nun Gegner - wie sich Sean McVay und Zac Taylor unterscheiden

Zac Taylor und Sean McVay treffen in Super Bowl LVI aufeinander.

Super Bowl LVI wird das Matchup der jüngsten Head Coaches in der Geschichte des Big Games. Sean McVay (36) trifft mit seinen Los Angeles Rams auf die Cincinnati Bengals und seinen früheren Weggefährten Zac Taylor (38). Einst standen sie gemeinsam im Super Bowl, nun sind sie Gegner. Doch wer hat dadurch einen Vorteil?

Viel wurde in den letzten Tagen über den Coaching Tree von McVay gesprochen - was diesem so gar nicht gefällt.

"Ich bin viel zu jung, um einen Coaching Tree zu haben", ließ McVay im Rahmen der Super Bowl Opening Night wissen. "Diese Jungs waren meine Mitarbeiter, die allesamt positiv aufeinander eingewirkt haben. Ich war einfach in der Rolle, in der mich eben befinde, aber egal ob es O'Connell, Staley, Taylor oder LaFleur waren, habe ich mehr von ihnen gelernt als sie von mir."

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Und es lässt sich nicht abstreiten, dass Coaches, die unter ihm gearbeitet haben, auch alleine sehr erfolgreich sind.

Matt LaFleur gewann mit den Packers in den vergangenen drei Jahren 39 Spiele - so viele wie noch kein anderer in seinen ersten drei Jahren als Head Coach. Brandon Staley verpasste die Playoffs im ersten Jahr mit den Chargers zwar knapp, brachte die Franchise aber wieder in die Spur.

McVays aktueller Offensive Coordinator Kevin O'Connell wird derweil in der kommenden Woche als neuer Head Coach der Minnesota Vikings vorgestellt. Und Taylor ... steht nun im Super Bowl!

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"Ich denke der Witz geht so: Wenn du mit Sean McVay einen Kaffee getrunken hast, wirst du ein Head Coach in der NFL", sagte Taylor unter der Woche. "Und da steckt einiges an Wahrheit hinter. Denn wenn du viel Zeit mit ihm verbringst, gibt er dir sehr viel Selbstvertrauen."

Taylor und McVay 2018 gemeinsam im Super Bowl

Taylor und McVay kennen sich seit 2015, als sie am Rande der Scouting Combine in "Shula's Steakhouse" in Indianapolis einander vorgestellt wurden und direkt gut miteinander konnten. Als McVay dann 2017 den Head-Coach-Job bei den Rams bekam, holte er Taylor, der seinerzeit im College für die Cincinnati Bearcats tätig war, in seinen Coaching Staff.

Im ersten Jahr arbeitete er als Assistant Wide Receivers Coach, 2018 wurde er schließlich zum Quarterbacks Coach befördert und half direkt mit, das Team um QB Jared Goff in den Super Bowl zu führen.

Danach ging es für ihn dann zu den Bengals, wo er nach zwei schwierigen Jahren nun seinen Durchbruch geschafft hat.

Was Taylor vor allem von der Zeit mit McVay mitgenommen hat? "Er hat einigen von uns jungen Burschen wirklich gezeigt, dass man es auf seine eigene Weise schaffen kann. Es muss nicht unbedingt der Weg sein, der es in den vergangenen 20 Jahren war in dieser Liga. Es geht auch auf eine andere Art und Weise", erklärte Taylor.

Der Bengals-Coach betonte jedoch auch: "Um ganz ehrlich zu sein, sind wir verschiedene Menschen. Ich habe viel von ihm gelernt, aber ich bin Zac Taylor und werde das Bestmögliche auf meine Weise tun."

Nun stellt sich die Frage, inwieweit sich die gemeinsame Familiarität aufs Spiel auswirken wird. Taylor hat zwei Jahre unter McVay, dessen Steckenpferd die Offense ist, gearbeitet und kennt entsprechend seine Tendenzen im Coaching. Wissen, das wohl über das, was wir von außen sehen, hinausgehen dürfte. Er kennt die Hintergründe von McVays Entscheidungen. Andersherum kann man mutmaßen, dass dem nicht unbedingt so ist, schließlich traf McVay die Entscheidungen, Taylor führte sie gewissermaßen nur aus.

Taylor und McVay: erstes Duell ging an die Rams

Das eine direkte Duell zwischen den beiden im Jahr 2019 ging 24:10 an die Rams, jedoch war das aus Bengals-Sicht ein komplett anderes Team, welches wenig überraschend nur zwei Siege im ganzen Jahr eingefahren hat. Entsprechend dürfte die Rückschau darauf nur bedingt Erkenntnisse liefern.

Was den generellen Offensiv-Stil der beiden betrifft, lassen sich derweil schon ein paar Gemeinsamkeiten finden. Speziell die Nutzung von 11-Personnel, also Formationen mit drei Wide Receivern, einem Tight End und einem Running Back, sind für beide die Grundformation ihrer Offenses - kein anderes Team nutzt diese Pakete häufiger in der NFL.

Die Unterschiede liegen in den Nuancen. Während McVay meist auf Tight-Formations und Bunch- und Trips-Pakete setzt, bei denen die drei Receiver auf einer Seite und der Tight End auf der anderen postiert ist, lässt Taylor das Spielfeld breit machen - die Spread-Formationen sind das Mittel, um Quarterback Joe Burrow einen klareren Überblick über die jeweilige Defense zu verschaffen.

Die Rams spielen zudem viel mit Empty-Formations seit Matthew Stafford in dieser Saison übernommen hat. Auch wird viel mit Pre-Snap Motion gearbeitet, die Bengals dagegen treten vor dem Snap eher statisch auf.

Feine Unterschiede lassen sich aber auch in der Spielzugsauswahl erkennen. Während die Bengals hier zumindest zwischenzeitlich eher moderner vorgingen und bei Early Downs vorwiegend aufs Passspiel setzten, hält McVay hier häufiger am Laufspiel fest - manchmal vielleicht sogar zu häufig. Auffällig ist auch, dass beide eher zurückhaltend sind, was 4th-Down-Entscheidungen angeht.

In Zahlen ausgedrückt: Die Rams spielen den vierten Versuch in rund 40 Prozent der Fälle aus, in denen sie es aus analytischer Sicht tun sollten. Bei den Bengals liegt dieser Wert bei rund 34 Prozent. Wer an dieser Front am Sonntag aggressiver ist, könnte somit einen entscheidenden Vorteil haben.

Taylor: Schwierige erste Jahre in Cincinnati

Ähnlichkeiten finden sich indes in den Anfängen der beiden bei ihren heutigen Teams. McVay übernahm seinerzeit einen Trümmerhaufen von Jeff Fisher, der gefühlt in jedem Jahr eine 7-9-Punktlandung hingelegt hatte und nicht wahnsinnig viel mit Jared Goff anzufangen wusste.

Mit Taylor wiederum begann der lang ersehnte Umbruch in Cincinnati. Taylor hatte die schwierige Aufgabe, in erster Linie den Übergang von zwei Teamurgesteinen zur neuen Generation einzuleiten. Die Rede ist von Quarterback Andy Dalton und etwas später Wide Receiver A.J. Green.

Der Lohn für das anstrengende erste Jahr war schließlich Joe Burrow, während im letztjährigen Draft mit Ja'Marr Chase dessen Lieblingsreceiver aus Collegezeiten geholt wurde und wohl das finale Puzzleteil zum großen Schritt nach oben gewesen sein dürfte.

Und McVay, der es tatsächlich mit Goff in den Super Bowl geschafft hat, hat mit Matthew Stafford in dieser Saison seinen Wunsch-Quarterback bekommen, um die Grenzen zu überschreiten, die mit Goff gewissermaßen eingebaut waren.

Unterm Strich haben beide explosive Offenses zusammengestellt, die in diesem Jahr für Furore sorgten und großen Anteil am Erreichen des Super Bowls hatten. Nun wird sich zeigen, ob der einstige Lehrling das Zeug dazu hat, seinen Meister zu übertrumpfen..

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